Ehemaliger Auschwitz-Wachmann schwieg zum Prozessauftakt

Detmold (APA/dpa) - Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg steht in Deutschland ein früherer Wachmann aus dem KZ Auschwitz vor Gericht...

Detmold (APA/dpa) - Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg steht in Deutschland ein früherer Wachmann aus dem KZ Auschwitz vor Gericht. Ihm wird Beihilfe zu Mord in mindestens 170.000 Fällen vorgeworfen. Am ersten Verhandlungstag schwieg er zu den Vorwürfen. Neben Dutzenden Journalisten aus dem In- und Ausland verfolgten auch frühere Gefangene den Prozessauftakt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe bei der sogenannten „Ungarn-Aktion“ vor - der gut dokumentierten Deportation und Ermordung von rund 400.000 Juden aus Ungarn 1944. Er habe die Tötungsmethoden im KZ gekannt und mit seinem Einsatz als Wachmann zum Funktionieren der Maschinerie beigetragen.

Der Beschuldigte schwieg zum Prozessauftakt und ließ von seinen Anwälten nur Angaben zu seiner Person verlesen. Er hatte bereits vor dem Prozess eingestanden, in Auschwitz eingesetzt gewesen zu sein. Eine Beteiligung an Tötungshandlungen hat er aber bestritten. Die Verteidigung zweifelt den Wert dieser Aussage allerdings an. Staatsanwaltschaft und Polizei hätten ihn 2014 zu Hause überrascht und dann vernommen.

Ein Zeuge schilderte vor Gericht das unmenschliche Leid in Auschwitz. Wachleute hätten durch den Zaun geschossen. Gerade angekommene Gefangene hätten auf dem Weg zu den Gaskammern um Wasser gebettelt, ohne zu wissen, was passiere.

„Eine halbe Stunde später waren sie tot“, sagte der Auschwitz-Überlebende Leon Schwarzbaum im Zeugenstand. Der 94-Jährige forderte den Angeklagten in direkter Ansprache auf, zu sagen, was damals passiert sei. Dieser reagierte darauf aber nicht.

Laut Anklage wurden mehr als drei Viertel der in Zügen angekommenen Menschen direkt zu den Gaskammern getrieben. Hunderte seien später erschossen worden.


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