Alfa-Motor stottert noch, bald läuft er rund

Sergio Marchionne erklärt die Hintergründe für Verzögerungen bei den Alfa-Modellen und warnt vor der Verteufelung des Dieselmotors.

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Den neuen Tipo, der im Juni in den Handel kommt, bezeichnet Sergio Marchionne schon jetzt als sehr preiswert.

Von Markus Höscheler

Genf –Mit Neuheiten gesegnet wie selten ist in diesem Jahr der Autokonzern Fiat Chrysler Automobiles auf dem Genfer Autosalon. Die Kernmarke Fiat hat drei Karosserievarianten des Komapktwagens Tipo in der Westschweiz enthüllt, wobei allerdings die Stufenhecklimousine schon bekannt war. Schrägheckvariante und Kombi sind allerdings zum ersten Mal zu sehen. Außerdem hat der italo-amerikanische Konzern die beiden 124-Spider-Spielarten mitgebracht, die Fiat-Basis und das Abarth-Derivat. Alfa Romeo darf mit überarbeiteten Versionen des MiTo und der Giulietta sowie mit mehreren Giulia-Modellen Präsenz zeigen, während Maserati mit dem großen SUV Levante und Ferrari mit dem GTC4 Lusso Aufmerksamkeit erregen.

Mehr Zurückhaltung pflegt einzig und allein die Geländewagenmarke Jeep – und die kann es sich leisten, eine Verschnaufpause einzulegen, da sie zuletzt stark im Wachstum begriffen ist und heuer den 75. Geburtstag des Ur-Jeep (Willys) feiert.

Starkes Wachstum etwa erhofft sich FCA auch von Alfa Romeo, von der Chief Executive Officer Sergio Marchionne beim Gespräch mit Journalisten behauptet: „Diese Marke hat, historisch betrachtet, ihre technischen Ziele verfehlt.“ Die Zukunft soll das Gegenteil bringen, allerdings gibt es bei der Einführung neuer Alfa-Modellreihen Verschiebungen. Und dafür macht Marchionne vor allem den chinesischen Markt verantwortlich, der mit neuen Importbarrieren ehrgeizige Absatzziele ad absurdum führt. Mit Jeep und Maserati hätte FCA vor eineinhalb Jahren noch großzügige Gewinne geschrieben, berichtet Marchionne, nun ist das nicht mehr der Fall.

Sergio Marchionne (Fiat-Chrysler-Automobiles-CEO)
© Höscheler

Trotz dieser Entwicklung hält Marchionne an der Einführung des Mittelklassewagens Giulia fest, die im zweiten Quartal auf den Markt kommt und in ihrer Klasse für außergewöhnliche Fahrleistungen stehe. Ein anderes Produkt, also ein nur mittelmäßiges, auf den Markt zu bringen, wäre für Marchionne ein Fehler.

Gute Marktchancen sieht der FCA-Strippenzieher außerdem für den zuvor erwähnten Tipo, der noch im Frühjahr als Fünftürer und als Viertürer in den Handel kommt (Kombi folgt im Herbst), folglich auf eine große Zahl von umtriebigen Konkurrenten stößt. Dies entmutigt Marchionne aber ganz offensichtlich nicht, denn für ihn bietet der Tipo das beste Preis-Leistungs-Verhältnis an – und dafür gebe es offensichtlich genügend Kunden.

Ganz allgemein nahm sich Marchionne am Rande des Genfer Autosalons der VW-Dieselaffäre an, die der ganzen Industrie schade. Er warnte aber davor, den Dieselmotor als eine Art auslaufende Technik zu bezeichnen. „Geld aus einer Bank zu stehlen, bedeutet nicht, dass das Geld schlecht ist.“ Um Emissionsziele (Kohlendioxid) zu erreichen, brauche es nach wie vor den Dieselmotor.


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