Gesundheit

Innsbruck wird Zentrum für neue Schlaganfall-OP

Eine Impfung gegen Parkinson, Biomarker zur MS-Diagnose und eine Hightech-Operation: Österreichs Neurologen tagen in Innsbruck.

Innsbruck –2000 Tiroler erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall, österreichweit sind es 25.000 Betroffene. Mit der höheren Lebenserwartung steigt auch die Rate der Schlaganfälle. Gleichzeitig werden Vorsorge und Akutversorgung in Tirol immer besser.

Über die neuesten Errungenschaften tauschen sich ab heute Experten bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie im Innsbrucker Congress aus. Hauptthema wird dabei die Öffnung von Gefäßen bei einem Schlaganfall sein, wie Johann Willeit, Oberarzt an der Uniklinik für Neurologie, gestern im Vorfeld sagte. Willeit berichtete von einer neuartigen Kathetertechnik, mit deren Hilfe Radioneurologen in der Lage sind, große Blutgerinnsel aus dem betroffenen Gefäß im Gehirn zu ziehen.

Die Hightech-Operation kommt zum Einsatz, wenn ein Medikament, das in die Vene gespritzt wird, nicht ausreicht, um den Blutpfropfen aufzulösen. „Es ist ein riskanter Eingriff. Tirol hat mit dem Tiroler Schlaganfall-Pfad europaweit eines der besten Netzwerke. Die gute Struktur erlaubt es, neue Behandlungen rasch in die klinische Routine zu integrieren“, so Willeit.

Passiert ein Schlaganfall, rennt die Zeit davon. Doch die Tiroler Experten werden im Wettlauf immer schneller. „Binnen einer halben bis maximal einer Stunde sind die Diagnose gestellt, Laboruntersuchungen gemacht und das Medikament gespritzt“, sagt Werner Poewe, Direktor der Uniklinik für Neurologie.

Auch auf den Gebieten der Parkinson- und Alzheimer-Forschung hat sich in letzter Zeit einiges getan. Hier ist die Innsbrucker Klinik mit 15 Patienten an einer Studie beteiligt, bei der ein Impfstoff gegen Parkinson erprobt wird. Im August soll sich herausstellen, ob die Probanden Antikörper gegen die Entstehung „falscher“ Eiweiße in den Nervenzellen bilden. Da Parkinson aber langsam fortschreite, werde sich erst in zehn bis 15 Jahren herausstellen, wie effektiv die Impfung ist. In Graz soll im Sommer eine ähnliche Studie zur Immunisierung gegen Alzheimer starten, an der sich auch die Innsbrucker Klinik beteiligen werde, kündigte Poewe an. Die meisten neurodegenerativen Erkrankungen treffen ältere Semester. Bei Multipler Sklerose (MS) ist das anders. „Vor allem junge Leute zwischen 20 und 30 sowie viermal mehr Frauen als Männer sind betroffen“, sagte der stv. Neurologie-Direktor Thomas Berger. Im Bereich der MS-Forschung sei es Innsbrucker Experten gelungen, Biomarker zu entwickeln. Diese ermöglichen es, die Diagnose genauer von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Mittlerweile seien elf Therapien zugelassen, zwei weitere sollen heuer dazukommen.

Es sei in manchen Fällen bereits gelungen, die Entzündungstätigkeit der Krankheit zu stoppen. „Ich bin optimistisch, dass das Damoklesschwert Rollstuhl künftig über keinem Patient mehr schwebt“, sagte Berger. (thm)

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