SNB wird Geldpolitik diese Woche laut Experten beibehalten

Zürich (APA/sda) - Nach den Entscheidungen der EZB richten sich diese Woche - neben der US-Fed - die Augen auch auf die Schweizerische Natio...

Zürich (APA/sda) - Nach den Entscheidungen der EZB richten sich diese Woche - neben der US-Fed - die Augen auch auf die Schweizerische Nationalbank (SNB). Die Währungshüter geben am Donnerstag ihre geldpolitische Lagebeurteilung bekannt. Nach Einschätzung von Ökonomen wird SNB-Präsident Thomas Jordan keine Änderung der Geldpolitik ankündigen.

Für die SNB bestehe nach den Entscheiden der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst kein Handlungsbedarf, zeigen sich die Experten der Großbanken Credit Suisse (CS) und UBS sowie der St. Galler Kantonalbank überzeugt. Der Franken sei mit ungefähr 1,10 zum Euro bisher stabil geblieben. Die Instrumente der SNB hätten sich bewährt.

Mit minus 0,75 Prozent ist der Schweizer Leitzins Dreimonats-Libor bereits rekordtief. Eine weitere Zinssenkung gilt unter Ökonomen als letztes Mittel, um einen Höhenflug des Franken zu verhindern. Da die EZB ihre Leitzinsen im Rahmen der Erwartungen gesenkt hat, ist nach Ansicht der Experten der Druck auf die SNB nicht gestiegen, weitere Zinssenkungen vorzunehmen.

„Nur eine überraschend starke Zinssenkung von der EZB hätte den Druck auf die SNB erhöht, ihren eigenen Zinssatz zu senken“, sagte CS-Ökonom Maxime Botteron am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Dieser Meinung ist auch Thomas Stucki, Experte der St. Galler Kantonalbank und früher bei der SNB verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

Die SNB werde sich hüten, vorschnell eine der wenigen Zinssenkungen vorzunehmen, die ihr noch zur Verfügung stehe. Auch UBS-Ökonom Dominik Studer geht davon aus, dass die SNB „das Risiko einer weiteren Zinssenkung im März wohl nicht eingeht, und ihre Pfeile vorerst im Köcher behält“.

Devisenmarktinterventionen der SNB sind laut den Experten dagegen weiterhin wahrscheinlich. Mit ihrem aufgestockten Anleihekaufprogramm erhöht die EZB die Menge an Euro im Finanzsystem. Die naheliegende Reaktion der SNB sei demzufolge selber auch die Menge an Franken zu erhöhen, erklärt Botteron. Und dies könne im Moment am besten durch Devisenkäufe gemacht werden.

Die Sichtguthaben von Banken und Bund bei der SNB seien zuletzt überdurchschnittlich gestiegen, sagt UBS-Ökonom Studer. Die Entwicklung der Giroguthaben gelte als Indiz dafür, wie stark die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Die SNB werde die bisher angewendete Politik der gezielten Nadelstiche im Devisenmarkt fortsetzen, zeigt sich auch der Experte der St. Galler Kantonalbank, Thomas Stucki, überzeugt.

Seit Jänner 2015 belasten die Währungshüter Bankeinlagen ab einem bestimmten Freibetrag mit einem Negativzins von 0,75 Prozent. Die Währungshüter wollen damit bewirken, dass weniger Anleger ihr Geld in der Schweiz horten. Der Negativzins und die Zinsdifferenz zum Ausland machen den Franken weniger attraktiv und tragen zu seiner Abschwächung bei.

Auch eine Reduktion des Freibetrages für Gelder der Banken, die bei der SNB nicht negativ verzinst werden müssen, ist gemäß den Experten wenig realistisch. Ein solcher Schritt würde das Risiko erhöhen, dass Detailkunden auch bald Negativzinsen zahlen müssten, sagt Botteron von der CS. Etwas, was die SNB wahrscheinlich vermeiden möchte, da dies die Nachfrage nach Banknoten stark erhöhen könnte.

Bereits am Mittwochabend gibt auch die US-Notenbank den neuesten Zinsentscheid bekannt. In Marktkreisen wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass derzeit kein neuer Zinsschritt zu erwarten ist. Dies obwohl sich die Rezessionserwartungen mit den jüngsten US-Konjunkturdaten - vor allem dank dem starken Arbeitsmarktbericht - zuletzt wieder etwas verringert haben.

Experten rechnen aber damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen nach der Entscheidung Signale geben wird, mit wie vielen Zinsschritten 2016 noch zu rechnen ist.

~ WEB http://www.snb.ch/de/ ~ APA458 2016-03-14/17:14