Nach Erfolg kommt Kritik: Macklemore & Ryan Lewis in Österreich
Wien/Linz (APA) - „Das fühlt sich so narzisstisch an.“ Rapper Macklemore lässt sie Revue passieren, jene Momente, die ihn und seinen Kompagn...
Wien/Linz (APA) - „Das fühlt sich so narzisstisch an.“ Rapper Macklemore lässt sie Revue passieren, jene Momente, die ihn und seinen Kompagnon Ryan Lewis 2014 zu Stars machten. Vier Grammys sahnte das US-Duo bei der Preisverleihung ab, triumphierte trotz namhafter Konkurrenz wie Kendrick Lamar. In „Light Tunnels“, dem Opener der neuen Platte von Macklemore und Lewis, klingt das vor allem aber zwiespältig.
Auch der Titel des Albums, „This Unruly Mess I‘ve Made“, stammt aus diesem Song und Zusammenhang. Macklemore, der eigentlich Ben Haggerty heißt und ein 32-jähriger MC aus Seattle ist, präsentiert sich nicht nur hier als durchaus reflektierter Zeitgenosse. Nur wenige Künstler würden zu dieser Gala eingeladen, die wie kaum etwas anderes für den kommerziellen Aspekt von Musik steht. „Sie leben für die Klicks, das ist Ökonomie“, rappt Macklemore und erinnert dabei an den zum Skandal stilisierten Kuss von Madonna und Britney Spears. Er selbst fühlte sich komisch, „als die Kameras auf mich gerichtet waren“. Nur nicht vergessen zu klatschen, sollte doch ein anderer gewinnen...
Aber so kam es nicht: Mit ihrem Debüt „The Heist“ sowie der dazugehörigen Single „Thrift Shop“ reüssierten Macklemore und Ryan Lewis auf mehreren Ebenen. Die Grammys bildeten dabei nur einen Höhepunkt - deuteten dafür aber jene Probleme an, die kommen sollten. Als weißer Rapper stach Macklemore den favorisierten Kendrick Lamar aus. Später gab der Ausgezeichnete auf Twitter zu: „Es ist komisch und es ist beschissen, dass ich dich bestohlen habe.“ Eine Feststellung, die er später zwar nicht zurücknahm, in dieser öffentlichen Bekundung aber doch bereute. Es sei nicht die beste Lösung gewesen, um mit seinen inneren Konflikten umzugehen.
„This Unruly Mess I‘ve Made“ handelt nicht zuletzt genau davon: Eine Platte über die Position, die sich der stets gesellschaftskritische Macklemore erarbeitet hat, über Probleme, die in den USA nach wie vor an der Tagesordnung stehen, über das System Musikindustrie und ihre Eigenheiten. Eindrücklich zusammengefasst ist das im Schlusstrack „White Privilege II“, einer knapp neunminütigen Nummer, die das Duo bereits vor der Veröffentlichung des Albums ins Internet stellte. „Ich glaube nicht, dass man in neun Minuten über weiße Vormachtstellung, Polizeibrutalität oder kulturelle Aneignungen sprechen kann, geschweige denn in drei Minuten.“
Das Popformat, es interessiert Macklemore und Lewis zunehmend weniger auf diesem Album. Sie stellen Themen zur Diskussion und sind sich der potenziellen Kritik durchaus bewusst. „Vielleicht ist das für unsere Karriere derzeit am besten: Keinen Hit zu haben“, meinte Macklemore gegenüber der „New York Times“. „Ich glaube, ich werde in der öffentlichen Meinung immer ein polarisierender Künstler sein.“ Nicht wenige stellen sich die Frage, wie ernstzunehmend seine Kritik an den offenbar immer noch so tief implementierten Unterschieden zwischen Schwarz und Weiß in der amerikanischen Gesellschaft ist.
Ob das neue Album hier etwas ändern kann, bleibt abzuwarten. Immerhin hat sich das Duo Unterstützung von Veteranen des Genres geholt, von KRS-One über DJ Premiere (beide im knackigen „Buckshot“ dabei) bis zu Kool Moe Dee. Dass Macklemore an den Rändern von Hip-Hop keineswegs Halt macht, unterstreicht auch Ed Sheeran, der bei „Growing Up“ zu hören ist. Aber auch mit dem britischen Millionenseller zielt man nicht auf einfaches Radiofutter ab. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein kleines, bescheiden vorgetragenes Stück über sehr persönliche Aspekte von Leben und Vaterschaft. Außerdem muss es nicht immer ernst oder politisch sein, wie auch „Let‘s Eat“ zeigt - eine lustvolle Rundreise durch Macklemores Essensvorlieben und den Kampf gegen das Wohlstandsbäuchlein.
Ob „This Unruly Mess I‘ve Made“ jemals nur als Rapalbum ge- und bewertet wird, muss sich erst zeigen. Und natürlich ist das kleine Wörtchen Pop keineswegs aus dem Klanguniversum des Duos gestrichen, finden sich doch überall melodische Einsprengsel und knackige Hooks. Letztlich sind auch die begleitenden Umstände, die den Aufstieg von Macklemore und Ryan Lewis ermöglicht und geprägt haben, stets präsent. Die Musik in den Mittelpunkt rücken, das wird jedenfalls das Rezept für die aktuelle Europatour des Gespanns sein. Diese führt sie am Samstag (19.3.) in die Wiener Stadthalle und am 6. April in die Linzer TipsArena. Ganz ohne roten Teppich und lästige Kameras, dafür mit Turntables und Mikrofon.
(S E R V I C E - www.macklemore.com)