Neuer Linzer Bischof Scheuer in Einarbeitungsphase

Linz/Innsbruck (APA) - Der neue Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer - sein Amtsantritt war heuer am 17. Jänner - ist in der Einarbeitungs...

Linz/Innsbruck (APA) - Der neue Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer - sein Amtsantritt war heuer am 17. Jänner - ist in der Einarbeitungsphase, wie er bei einer Begegnung mit führenden Journalisten des Bundeslandes am Dienstagabend im Bischofshof schilderte. Seine bisherige Diagnose: „Das Amt ist in Oberösterreich anders zu leben als in Tirol“.

Die vergangenen zwei Monate seien geprägt gewesen von zahlreichen Sitzungen. Er sei bereits in den meisten Gremien der Diözese gewesen - seine Bilanz: „Der Ausdruck ‚Gremium‘ kommt nicht von ‚grämen‘“. Dazu seien Begegnungen unter anderem mit Vertretern der Wirtschaft, Politik, der Ökumene und des Judentums gekommen. Außerdem habe er Äthiopien besucht - die Reise sei von Ökumene und Caritas geprägt gewesen. Seine Orientierung und Ausrichtung in Linz könne nicht in wenigen Tagen erfolgen, bat Scheuer um Geduld. Er brauche auch viel Zeit zur Beantwortung von zahlreichen Briefen. Er habe bei den Menschen in der Diözese eine Atmosphäre des Wohlwollens und der Freude vorgefunden, dafür sei er dankbar. Es hätten sich aber auch andere bei ihm gemeldet. Er zitierte dazu die Frage einer Freundin: „Wie geht es deinen Mit- und Gegenarbeitern?“

In der Diözese Linz sei die Aufmerksamkeit fokussiert auf das Bischofsamt als einzelne Person. Aber ein Bischof allein könne nicht agieren, etwa bei Reformen, gab Scheuer zu bedenken. Ihm gehe es vorerst ums Zusammenhalten und Begleiten. „Das Amt ist in Oberösterreich anders zu leben als in Tirol“ (Anm.: wo er zuvor Diözesanbischof war). Es brauche jetzt Seiten von ihm, die dort nicht abgefragt wurden. Die Menschen würden oft rasche Entscheidungen verlangen, am besten zu ihren Gunsten. Aber davor seien hinhören und abwägen notwendig.

In der Bischofskonferenz sei eine Neuordnung der Aufgabenverteilung erfolgt. Er sei in österreichweiten Agenden beschränkt worden, damit er sich besser in Linz einleben könne. Die Caritas habe er abgegeben. Er sei nun für die Ökumene und die Beziehungen zum Judentum zuständig. Allein dies erfordere Sitzungen an zwölf Tagen pro Jahr. Weiters fallen Pro Scientia, Pax Christi, der Nationalfonds und das Mauthausenkomitee in seinen Aufgabenbereich.

In den kommenden Monaten sind Treffen des Bischofs mit hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern in neun Regionen Oberösterreichs geplant. Am Abend der jeweiligen Tage finden Eucharistiefeiern mit anschließender Agape statt, zu der die breite Öffentlichkeit eingeladen ist. Wer sich mit Scheuer auf den Weg machen will, kann das letzte Stück zu den Treffen mit ihm zu Fuß zurücklegen, weil „Glauben hat viel mit gehen zu tun“.

Zum persönlichen Befinden berichtete Scheuer über sein Leben in der neuen Unterkunft, dem Bischofshof in Linz: Das unter Denkmalschutz stehende Haus sei für das Arbeiten und Wohnen nicht förderlich. Unter Hinweis auf die zeitlichen Anforderungen seit seinem Amtsantritt schilderte er, seine Bücher stünden noch in Schachteln in den Gängen. Deshalb im Bischofshof: „Schlafen ja, wohnen noch nicht.“ Er habe bisher noch keine Skitour in Oberösterreich unternommen. Üblich seien bei ihm pro Saison etwa 35, heuer seien es vorerst sechs oder sieben gewesen. „Ich habe Entzugserscheinungen“, bedauerte er.