Welt-Tuberkulose-Tag 2 - Röntgen - Schnelltest - Effiziente Therapie
Wien (APA) - Im Gegensatz zu gerade in jüngster Vergangenheit immer wieder aufgekommenen Ängsten ist die Tuberkulose längst nicht so leicht ...
Wien (APA) - Im Gegensatz zu gerade in jüngster Vergangenheit immer wieder aufgekommenen Ängsten ist die Tuberkulose längst nicht so leicht übertragbar wie zum Beispiel Viruserkrankungen (Influenza etc.). „Die Tuberkulose ist eine Erkrankung, die in geschlossenen Räumen übertragen wird. Man braucht mehr als einen einmaligen Kontakt“, sagte der Präsident der Pneumologengesellschaft, Meinhard Kneussl.
Aufgrund der wissenschaftlichen Daten ist enger Kontakt mit einem hoch infektiösen Patienten für eine Übertragung notwendig. Und der muss über mindestens sechs bis acht Stunden gegeben sein. „Je kleiner der Raum, desto größer ist die Ansteckungsgefahr. Im Freien kommen sicherlich keine Infektionen vor. Das Aerosol (beim Husten eines Erkrankten mit „offener“ Lungen-Tuberkulose; Anm.) zerstäubt, das UV-Licht tötet die Bakterien“, fügte der Experte hinzu. Seit mehr als hundert Jahren ist es fundiertes Wissen, dass beengte Wohnverhältnisse sozial Benachteiligter die Verbreitung der Erkrankung fördern.
Selbst in einem Land wie Österreich darf aber nicht auf die Möglichkeit einer Tuberkuloseerkrankung vergessen werden, wenn Menschen verdächtige Symptome aufweisen. „Wichtig ist, auch an Tuberkulose zu denken, wenn chronischer Husten, Auswurf, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und leichtes Fieber auftreten.“ Das klassische Thoraxröntgen bringe schon viel an Klarheit. Dann folgt in Österreich sofort ein Schnelltest auf Erreger-Erbsubstanz mittels Polymerase-Chain-Reaction (PCR), dessen Ergebnisse schon nach zwei Stunden vorliegen können. Gleichzeitig wird eine Bakterienkultur angelegt, die TB-Erreger (Mykobakterien) wachsen aber extrem langsam. Dieser Prozess kann zwei, aber auch sechs bis acht Wochen dauern. Deshalb wird mit der Therapie sofort begonnen.
Einen Durchbruch hat das Next-Generation-Sequencing gebracht, welches von den AGES-Experten unter Alexander Indra zur Decodierung und Analyse der gesamten Erbsubstanz der aus der Erregerkultur gewonnenen Keime verwendet wird. Die Ergebnisse können ebenfalls bereits binnen zwei Stunden vorliegen. Der Clou an den Ergebnisse, wie Indra darstellte: „Wir können damit eine Resistenzbestimmung sehr, sehr schnell durchführen. Außerdem können wir damit den Weg der Infektion von jedem einzelnen Patienten nachverfolgen.“ Damit werde man in Zukunft auch vorbeugend Infektionsketten verhindern können.
Entscheidend ist die Gensequenzierung von Mycobacterium tuberculosis aus Patientenproben aber für die zielgenaue Therapie. Der Wiener Spezialist Rudolf Rumetshofer vom Otto-Wagner-Spital, wo kommende Woche die völlig neu ausgebaute Tuberkulosestation Severin mit zwei Monitorzimmern, zwei Einzel- und acht Doppelzimmern eröffnet wird, sagte dazu: „Bei Erregern ohne Resistenzen werden die Patienten drei bis acht Wochen stationär mit vier Medikamenten (Rifampicin, Isoniazid, Pyrozinamid und Ethambutol; Anm.) behandelt. Bei Patienten mit Resistenzen wird mit mehr Arzneimitteln drei bis sechs Monate lang stationär behandelt.“ Bei beiden Formen folgt dann eine weitere längere ambulante Therapie, die genau überwacht werden muss. Die entscheidenden Hinweise für die genau passenden Tuberkulose-Arzneimittel bei resistenten Keimen kommen aus der Dechiffrierung des Erbguts der Erreger.
Rund 40 Prozent der TB-Patienten in Österreich treten bei Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft auf. Je ärmer die Herkunftsländer von Betroffenen aus dem Ausland sind, desto häufiger sind diese Menschen betroffen. Syrien als ein Land, das ehemals von der UNO zu den Staaten mit mittlerem Bruttoinlandsprodukt und recht gut funktionierendem Gesundheitswesen eingestuft worden ist, gehört nicht zu jenen Ländern mit besonders hohen TB-Raten.
Auch die Fälle von multiresistenter Tuberkulose sind in Österreich stabil geblieben. Indra sagte dazu: „2014 hatten wir 18 Fälle multiresistenter Tuberkulose und zwei Fälle von extrem resistenter Erkrankung. 2015 (vorläufige Zahlen; Anm.) waren es zwölf Fälle multiresistenter Tuberkulose und kein Fall einer extrem resistenten Erkrankung.“
( Nr. 0304-16, Format 88 x 55 mm)