Fußball: Ried-Manager Reiter auch in schwierigen Zeiten optimistisch
Ried im Innkreis (APA) - Es ist ein hartes letztes Saisonviertel, das Ried in der Fußball-Bundesliga bevorsteht. Nur drei Punkte ist man vor...
Ried im Innkreis (APA) - Es ist ein hartes letztes Saisonviertel, das Ried in der Fußball-Bundesliga bevorsteht. Nur drei Punkte ist man vor der 28. Runde vom Tabellenende getrennt, am Sonntag (16.30 Uhr) steht der schwere Auswärtsgang zu Rapid bevor. Manager Stefan Reiter gab sich freilich zuversichtlich, dass der „Dorfclub in seiner 19. Saison im Oberhaus auch dort verbleibt - und will im Innviertel „Neues schaffen“.
„Ich habe mir viele Tabellen angeschaut, und wir sind in keiner Letzter. Wir trauen uns zu, jede Mannschaft zu schlagen“, verbreitete Reiter vor dem Auswärtsspiel in Wien Optimismus. Ein sechster Platz wie in den vergangenen vier Saisonen wäre angesichts der aktuellen Lage schon ein Erfolg. An einen möglichen Abstieg will Reiter ohnehin nicht denken: „Wenn man so lange oben war, will man auch bleiben. Und in der Erste Liga würde es auch wirtschaftlich sehr schwierig werden.“
Für Reiter ist eines klar: Noch immer hänge der Mannschaft die erste Saisonphase unter Kurzzeittrainer Helgi Kolvidsson mit einem Punkt aus fünf Runden nach. Dann übernahm mit Paul Gludovatz ein alter Bekannter das Ruder. „Ab diesem Zeitpunkt ist die Punkteausbeute absolut in Ordnung“, meinte Reiter, der am Ende des Kolvidsson-Engagements auch Selbstkritik geübt hatte. Dass der bald 70-jährige Gludovatz über den Sommer hinaus Trainer bleibt, ist laut Reiter nicht völlig auszuschließen: „Es ist noch nichts fix.“
Reiter ist derzeit aber auch mit zahlreichen Spielern in Gesprächen. U.a. laufen die Kontrakte von Bernhard Janeczek, Thomas Reifeltshammer, Nico Antonitsch, Florian Hart, Marcel Ziegl, Michele Polverino, Petar Filipovic und Denis Streker aus. Kein Grund zur Panik, wie Reiter versicherte: „Es hat sehr, sehr positive Erstgespräche gegeben. Ich gehe davon aus, dass es beim einen oder anderen schon sehr bald Vollzugsmeldungen geben wird.“
Die sportlich schwierige Situation ist die eine, die wirtschaftliche Lage die andere Sache. Im Vorjahr hatte man ein Minus von 1,151 Millionen Euro vermeldet, es waren eher ungewöhnliche Nachrichten aus dem Innviertel. „Wir waren immer der Vorzeigeclub bei der Wirtschaftlichkeit. Auch bei der Nachhaltigkeit. Da wollten wir immer ganz klar dabei sein“, sagte Reiter, freilich nicht ohne auf die aktuelle solide Finanzlage zu verweisen: „Wir sind schuldenfrei, haben in den Vorjahren immer Gewinne gemacht“,
Nicht zuletzt ist der bald 104-jährige Club stolz auf seine Transferpolitik. „Uns ist es immer schon gelungen, viele Spieler, die wo anders noch nicht so aufgefallen sind, nach Ried zu holen“, sagte Reiter, musste aber eingestehen, dass man in der laufenden Saison in diesem Punkt den eigenen Ansprüchen etwas hinterherhinke: „Wir brauchen eine 90-Prozent-Quote von Spielern, die einschlagen müssen. Wir können nicht nachbessern. Das habe ich schon vor zehn Jahren gesagt. Und das ist diesmal vielleicht nicht ganz aufgegangen.“
Dieser Kreislauf aus Kauf und Verkauf ist einerseits das Geschäftsmodell, das dem Ausbildungsverein den Bestand sichert, „aber es geht in die Substanz“, wie Reiter betonte. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Spieler verloren, das ist schon bitter.“ Womit sich der Kreis zum Verlust wieder schließt. „Andere Vereine haben uns wirtschaftlich überholt. Wir arbeiten daran, vieles zu optimieren“, versprach Reiter.
Optimierungsmöglichkeiten sieht Reiter nicht zuletzt im Scouting („Wir müssen da etwas aggressiver werden“) und der Nachwuchsakademie. „Wir haben keinen hohen Output wie früher, das ist leider die Wahrheit“, musste der Langzeitfunktionär des Vereins bekennen. „Es ist schwer geworden, seitdem Salzburg in den Nachwuchsbereich eingetreten ist. Die haben ein österreichweites Scoutingnetzwerk, das hat es früher nicht gegeben. Da kommen wir in gewissen Sachen nicht mit.“
Ried war als „Dorfverein“ einst ein Vorreiter, Clubs wie Grödig sind nachgezogen. „Alle anderen haben sich uns als Vorbild genommen“, blickte Reiter zurück. Davon alleine könne man aber nicht mehr leben. „Alles recht und schön. Wir müssen aber wieder etwas Neues schaffen und uns neu entwickeln. Von den Kleinvereinen wollen wir die Nummer eins sein.“