Die abgebrühten Soldaten im Krieg der Medien
In drei Episoden erzählt Barbara Eder in „Thank You For Bombing“ von den gefälschten Bildern über den Afghanistan-Krieg.
Innsbruck –Die mit einer so genannten entfesselten Kamera gedrehte Titelsequenz verhindert die Zuordnung der Bilder, vielleicht sollen sie die Hektik eines Kriegsgeschehens dokumentieren, mit dem Sounddesign könnte aber auch die Assoziation mit den Hinrichtungsvideos von Taliban- oder IS-Milizen beabsichtigt sein. Nach den Koranverbrennungen durch US-Marines eskalierten 2012 die Beziehungen zwischen den US-Schutztruppen und den Taliban, die nach solchen Demütigungen auch auf die Wut weiter Teile der Bevölkerung zählen konnten. Um diese Ereignisse herum erzählt die österreichische Regisseurin Barbara Eder in ihrem Film „Thank You For Bombing“ von den unverzichtbaren Flaneuren auf jedem Kriegsschauplatz, wobei die Reiserouten von TV-Managern nach Quoten und Sensationen und nicht nach Not und Elend gebucht werden. In drei Kapiteln zeigt Barbara Eder drei Kriegsberichterstatter, die in unterschiedlicher Weise mit Krieg, mit Karriere und Leben umgehen.
Lana (Manon Kahle) hält sich in Kabul mit Zumba-Tanz fit und beklagt den Sexismus in der Branche. Bessere Sendezeiten gibt es für sexuelle Gefälligkeiten, doch bei Liveschaltungen begrapschen sie vor laufender Kamera unverfroren männliche Passanten, um sie anschließend als Hure zu beschimpfen. Als sie in einem Männerklo die Identität der Koranverbrenner entdeckt, muss sie nur ein paar tausend Dollar in die Hand nehmen, um den journalistischen Coup ihres Lebens zu landen. Den Warenwert eines Exklusivinterviews kennen auch die beiden US-Soldaten, die von der Reporterin dafür mit Entblößung und Erniedrigung bezahlt werden wollen.
Cal (Raphael von Bargen) hält sich als Reporter für abgebrüht, ist aber nur zu einem zynischen Fälscher geworden, der nicht einmal vor der Manipulation eines Kindes zurückschreckt, wenn ihn eine Nachrichtenflaute nicht abheben lässt. Lana und Cal haben keine Meinung und keine Haltung, was aber nicht heißt, dass sie objektiv berichten. Sie sind längst zu Soldaten geworden – im Krieg der Medien.
Die interessanteste Figur in „Thank You For Bombing“ ist Ewald, für dessen Darstellung Erwin Steinhauer bei der Diagonale als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. Ewalds Geschichte beginnt in der ORF-Kantine am Küniglberg. Das ist noch ein Lacher. Da es in Kabul brodelt, soll er „als bester Mann“ zwei Minuten aus Afghanistan liefern. Zu Hause packt er seinen Koffer mit Strumpfhosen („Gastgeschenke!“), doch bereits am Flughafen holt ihn die Vergangenheit ein. Er glaubt in Schwechat einen Kriegsverbrecher aus dem Kosovo-Krieg zu erkennen und die Reise endet erst einmal in einer Panikattacke. Ewalds Geschichte würde einen ganzen Film verdienen. (p. a.)