Des Braven Spiel mit dem Bösen

Bei den Rendite versprechenden SUV-Coupés hinkte Mercedes bisher hinterher, aber mit dem GLE Coupé lehrt die Marke den bisherigen Platzhirschen BMW Respekt und den restlichen Rivalen das Zittern.

Es sind die Rundrücken, die nunmehr entzücken: Mercedes folgt mit dem GLE Coupé seinem Münchner Rivalen bei der Vermischung von Sport Utility Vehicles mit Coupés.
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Von Markus Höscheler

Leisach –Vor einigen Jahren noch war Mercedes eher ein Getriebener denn ein Treiber: Beim Image, beim Volumen und bei der Umsatzrentabilität mussten die Schwaben der wenig geliebten Konkurrenz den Vortritt lassen. Ähnliches galt für die Außendarstellung der Produkte – Mercedes stand für Solides, mit dem Glamour-Faktor zeichneten sich eher BMW- und vor allem Audi-Modelle aus. Das einzige hervorhebenswerte Experiment der Schwaben Mitte des vorigen Jahrzehnts war ein viertüriges Coupé namens CLS, das einen neuen Trend einläuten sollte.

Die Konkurrenz hat diesen Ball von Daimler aufgenommen – so wie Daimler sich ganz genau den Weg des BMW X6 angesehen hat. Das Fahrezug mit hohem Aufbau und extrem geschwungener Dachlinie war von Anfang an umstritten – und sehr erfolgreich. SUV und Coupé: Bei beiden Fahrzeugarten fühlt sich Mercedes zuhause, also dürfte das Verschmelzen kein Ding der Unmöglichkeit sein. Das Ergebnis, das GLE Coupé, wirkt noch radikaler und diabolischer als das Rivalenfabrikat. Das kann an der ungenierten Verwendung von 21-Zoll-Leichtmetallfelgen liegen, an der nochmals kompromissloser gezeichneten Dachlinie oder an der weißen Lackierung. Als Blickfang eignete sich der 4,9 Meter lange Crossover jedenfalls, Vertreter verschiedener Altersgruppen musterten das Modell mit überdurchschnittlicher Konzentration.

Die Technik

Motor: Sechszylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2987 ccm

Drehmoment: 620 Nm bei 1600 U/min

Leistung: 190 kW/258 PS

L/B/H: 4900/2003/1731 mm

Gewicht: 2250/2900 kg

Kofferraumvolumen: 650–1720 l

Tankinhalt: 93 l

Höchstgeschwindigkeit: 226 km/h

0–100 km/h: 7,0 Sekunden

Verbrauch: 10,1 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 111.833 Euro

CO2-Emission: 180 g/km

Wer hinter der Fassade eine Art Biedermeier erwartet, die an den Plattformspender M-Klasse in irgendeiner Form erinnern sollte, sollte die sich automatisch einstellende Enttäuschung sportlich nehmen. Denn das GLE Coupé setzt im Inneren das außen Versprochene im Großen und Ganzen fort. Das gilt vorrangig für die Fahrwerksabstimmung, die beim Testwagen gefühlt härter ausgefallen ist als bei den zuletzt gefahrenen X6-Modellen der zweiten Generation. Selbst in der Comfort-Stellung ist eine Mercedes-untypische Straffheit zu konstatieren, teilweise wohl den verwendeten 21-Zöllern geschuldet, teilweise dem gewählten AMG-Styling.

Auch wenn der GLE Coupé 350 d 4Matic nicht der AMG-Leistungsklasse ebenbürtig ist – in die Nähe kommen die Fahrleistungen des eingebauten Dreiliter-Sechszylinder-Turbodiesels auf alle Fälle. Dem Aggregat gelingt es, den 2,25-Tonner in 7,0 Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Schon ab 1600 Umdrehungen/Minute liegt das satte Drehmomentmaximum von 620 Newtonmetern an, was souveräne und zügige Überholmanöver ermöglicht. Lediglich die Neunstufenautomatik 9G-tronic ist in der Normalstellung nicht immer auf Harmonie ausgerichtet, während sie im Sportmodus rasch und zielsicher agiert.

Fixer Bestandteil des SUV-Coupés ist der Allradantrieb 4Matic, der im Hintergrund die erforderlichen Traktionsreserven auslotet und dessen Gewicht einen kleinen Teil des Testverbrauchs von 10,1 Litern je 100 Kilometer erklärt.

Ein anderer Teil geht auf die Kappe der Extras, die in ihrer Gesamtheit deutlich zum Anschaffungspreis von 111.833 Euro auftragen. Darin enthalten sind unter anderem das nochmals verfeinerte Multimedia-Bediensystem Comand Online (2920 Euro netto extra), ein Panorama-Schiebedach (1845 Euro) und das Fahrerassistenzpaket Plus, das der aktiven Fahrsicherheit zuträglich ist. Wenigstens hier ist sich Mercedes über die Maßen treu geblieben, denn das fahr­dynamische Abenteuer versprechende GLE Coupé darf zwar den Bösen mimen – richtig böse darf ihm aber deswegen niemand sein, von den Mitstreitern mit fremdem Label einmal abgesehen.


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