Designerdrogen aus dem Netz auf dem Vormarsch

Auch in Tirol ist Cannabis die Droge Nummer eins. Es gibt aber einen Trend zu Bestellungen unbekannter Substanzen aus dem Internet.

Symbolfoto.
© Bang

Innsbruck –Die Kriminalstatistik für Tirol spricht für den Bereich Suchtmittelkriminalität eine eindeutige Sprache: 2015 wurden insgesamt 4003 Fälle zur Anzeige gebracht – um 587 Fälle mehr als noch im Jahr zuvor.

Wenig überraschend gilt die Landeshauptstadt als besonders attraktiv für Dealer und Konsumenten. So wurde im Vorjahr die Anzahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz in Innsbruck gegenüber dem Jahr 2014 deutlich erhöht und erreichte laut jüngster Kriminalstatistik der Polizei mit 2125 Anzeigen den bisher höchsten Wert. Rund ein Viertel dieser Anzeigen, also etwa 500, entfallen auf Mitglieder der nordafrikanischen Suchtgiftszene. 34 Personen dieser Szene wurden im vergangenen Jahr in die Justizanstalt Innsbruck eingeliefert.

Laut dem Drogenbericht des Bundeskriminalamtes 2015 handeln Dealer aus nordafrikanischen Staaten vorwiegend mit Cannabisprodukten und Kokain, selten auch mit Herion. Das Suchtgift wird dabei in erster Linie aus den norditalienischen Städten Turin, Mailand und Bolognia eingeführt, aber auch aus Belgien und Holland. Österreichische Staatsangehörige treten vorwiegend als Konsumenten, Kleindealer und Selbstversorger in Erscheinung. Sie fungieren aber auch oft als Handlanger für Schmuggler und Händler. 2015 wurden in Innsbruck 335 Gramm Kokain, 38,3 Kilogramm Cannabisharz und 1,2 Kilogramm Marihuana sichergestellt.

Gehandelt und konsumiert wird in Tirol zum größten Teil Cannabis. Wie im Drogenbericht zu lesen ist, hat der Anbau von Cannabispflanzen in Indoor-Anlagen weiter zugenommen. Dabei würden Bausätze in Kastenformen mit einer Produktionskapazität von bis zu 60 Pflanzen bevorzugt. Größere Anlagen würden selten festgestellt. In Tirol wurden 2014 49 Indoor- und Outdoor-Anlagen entdeckt, die Betreiber waren durchwegs Österreicher. Auf Cannabis folgen in der Statistik Heroin, Kokain, Amphe­tamin und Ecstasy bzw. MDMA, wie Alois Mayr, Experte für Suchtmittelkriminalität im Landeskriminalamt (LKA), erklärt. Auffällig sei, dass Heroin in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen sei.

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Stark im Kommen ist hingegen das Bestellen von Drogen im Darknet – also auf verschlüsseltem digitalem Kommunikationsweg. Besonders gefragt und sehr gefährlich sind so genannte Research Chemicals. „Dabei handelt es sich oft um Abfallprodukte aus der Pharmaindustrie, für die es selten Erfahrungswerte gibt und deren Wirkungsweise oft nicht bekannt ist“, erklärt Alois Mayr vom LKA. Genau das sei es, was diese Drogen derart gefährlich mache, wie der Fall der Party in der Sylvesternacht im Innsbrucker Veranstaltungszentrum Hafen gezeigt hat. Damals mussten mehrere Konsumenten mit Krämpfen, Halluzinationen und epileptischen Anfällen in die Klinik eingeliefert werden, nachdem sie ein unbekanntes Pulver eingenommen hatten.

Für die Exekutive sind solche Bestellungen im Darknet oft schwer nachzuverfolgen. Die Lieferung kommt beim Konsumenten per Paketdienst oder Post an. (np)


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