OECD sieht Flüchtlinge als Chance für deutsche Wirtschaft

Frankfurt (APA/AFP) - Trotz weltweiter Turbulenzen steht die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusa...

Frankfurt (APA/AFP) - Trotz weltweiter Turbulenzen steht die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gut da. Deutschland müsse seine „Position der Stärke“ aber nutzen, um sich für die Zukunft zu wappnen, erklärte OECD-Generalsekretär Jose Angel Gurria am Dienstag in Berlin.

Die hohe Zahl der Flüchtlinge bezeichnete er als Chance, der Alterung der Bevölkerung entgegenzuwirken und die Wirtschaft für die Zukunft aufzustellen.

Die Integration großer Zahlen von Flüchtlingen mit geringen Qualifikationen und Deutschkenntnissen sei andererseits „kostspielig“ - sie erfordere zusätzliche Anstrengungen und Ausgaben, die „möglicherweise den gegenwärtig bestehenden fiskalischen Spielraum übersteigen“. Daneben warnte die OECD vor der Wiedereinführung von Kontrollen an den deutschen Grenzen. Dies könne negative Auswirkungen auf die exportstarke deutsche Wirtschaft haben.

Die Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt hat sich laut OECD in den vergangenen Jahren verbessert. Doch bestehe weiterhin Spielraum für Fortschritte. Die Differenz zwischen den Arbeitslosenquoten von im Inland Geborenen und von Zuwanderern liege nahe beim OECD-Durchschnitt, sei aber immer noch größer als in den OECD-Ländern, die auf diesem Gebiet die besten Ergebnisse erzielten.

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Obwohl sich der Arbeitsmarkt in Deutschland seit der Wirtschaftskrise 2008 stetig erholt und dank früherer Reformen „kräftig entwickelt“ habe, bemängelte die OECD vor allem die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt. Zu viele von ihnen würden in Teilzeit arbeiten und verdienten weniger als Männer. Trotz „bedeutender Fortschritte“ gebe es nach wie vor in Deutschland „Lücken im Kinderbetreuungs- und Ganztagsschulangebot“.

Um der Bevölkerungsalterung entgegenzutreten, fordert die Organisation eine Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen und ältere Arbeitskräfte. Darüber hinaus empfiehlt die OECD, das Pensionsalter an den Anstieg der Lebenserwartung zu koppeln. Das sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung könne insbesondere für Haushalte mit niedrigem Einkommen problematisch werden. Um Altersarmut zu verhindern, fordert die OECD zusätzliche private Systeme zur Altersvorsorge.

Insgesamt mahnt die OECD in der Bundesrepublik höhere Investitionen an, um die Produktivität und den Lebensstandard zu steigern - insbesondere im Dienstleistungssektor sehen die Wirtschaftsexperten Steigerungspotenzial. Die Organisation hatte ihre Wachstumsprognosen für Deutschland aufgrund der weltweiten Wirtschaftsturbulenzen bereits im Februar gesenkt: Heuer wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent erwartet, 2017 dann von 1,7 Prozent. Im November lag die Prognose der OECD noch bei 1,8 beziehungsweise 2,0 Prozent.

~ WEB http://www.oecd.org/ ~ APA346 2016-04-05/13:37


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