Der Schrecken in Pistolenform

Schreckschusswaffen lösten in den vergangenen Tagen und Wochen in Tirol gleich mehrfach Polizeieinsätze aus. Die Exekutive sieht keine Häufung.

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Von Marco Witting

Innsbruck –Und plötzlich ist da eine Waffe. Das Gegenüber zielt mit der Pistole direkt auf das Opfer. Nackte Angst um das eigene Leben. Die sich auch nicht verflüchtigt, als später dann herauskommt, dass es sich bei dem Vorfall „nur“ um eine Schreckschusspistole gehandelt hat. Nur. Was heißt das schon in einem solchen Ausnahmemoment? Zumal auch von diesen Schreckschusspistolen durchaus Gefahr ausgehen kann. In den vergangenen Tagen und Wochen gab es in Tirol gleich mehrere Vorfälle, bei denen derartige Pistolen gezogen wurden. Eine auffällige Häufung hat die Tiroler Polizei vorerst aber noch nicht festgestellt.

Wörgl, Kufstein, Innsbruck. Die Liste der Orte, in denen Schreckschusspistolen in den Polizeiberichten im Jahr 2016 bisher auftauchten, ist lang. Die Ursachen für deren Einsatz waren vielschichtig. Die Häufung zufällig. So sieht es zumindest die Polizei. „Wir können nicht bestätigen, dass die Probleme in den vergangenen Wochen damit mehr werden“, sagt dazu Markus Knitel von der Landespolizeidirektion. Statistiken, wie viele dieser täuschend echten Nachbildungen überhaupt im Umlauf sind, gibt es nämlich nicht. Braucht es gesetzlich auch nicht. Schreckschusswaffen sind nicht Registrierungspflichtig. Knitel sieht in Tirol vor allem Jugendliche, „die so etwas haben wollen“. Erwachsene würden da schon eher um Waffenbesitzkarten ansuchen. Allgemein sei natürlich der Trend zu mehr Waffen seit einigen Monaten erkennbar. Auch das ist kein Tiroler Phänomen. Vielfach sind auch Schreckschusspistolen derzeit vergriffen.

Doch wie sieht die rechtliche Situation eigentlich überhaupt aus? Schreckschusspistolen dürfen von jedem gekauft und getragen werden, der über 18 Jahre alt ist und kein Waffenverbot auferlegt bekommen hat. Nach dem Gesetz gelten sie streng genommen zwar als Waffen, aber nicht als Schusswaffen. Was nicht heißt, dass man mit Gaspistolen alles anstellen darf – wer damit auf Menschen zielt oder sie jemandem ansetzt, begeht den Tatbestand der gefährlichen Drohung. Denn das Opfer kann die Waffen im Ernstfall natürlich nicht unterscheiden. Ein Raub mit einer Schreckschusspistole wird somit normalerweise gleich bestraft wie einer mit einer echten Schusswaffe.

Mit den sehr detailgetreuen Nachbildungen von richtigen Pistolen können prinzipiell Knallschüsse, Pfeffergas oder Feuerwerkskörper abgeschossen werden. Allerdings: Auch dadurch kam es in der Vergangenheit immer wieder zu stellenweise schweren Verletzungen.

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