Panama-Leaks - Berater Pecina kommentiert Medienberichte nicht

Wien (APA) - Der Wiener Investmentberater und frühere Banker Herbert Pecina, der nun in den „Panama-Papers“ aufgetaucht ist, war mit seiner ...

Wien (APA) - Der Wiener Investmentberater und frühere Banker Herbert Pecina, der nun in den „Panama-Papers“ aufgetaucht ist, war mit seiner VCP Capital Partners im Jahr 2007 der OMV behilflich, ihre Anteile an der ungarischen MOL aufzustocken. Zu Vorwürfen bezogen auf damalige andere Geschäftspartner der VCP nimmt Pecina inhaltlich nicht Stellung, auch die OMV hält sich zum seinerzeitigen MOL-Deal bedeckt.

Die Wochenzeitung „Falter“ und der „ORF“, die Teil des weltweiten „Panama“-Journalisten-Netzwerks sind, deuteten an, ein Geschäftspartner von Pecina, der damalige Generaldirektor Janos Erös von der ungarischen MFB Bank, könnte damals vom Plan des Ölkonzerns MOL gewusst haben, sich mit Hilfe der Budapester Politik vor dem Zugriff durch die österreichische OMV zu schützen. Denn mehrere ungarische Staatsunternehmen, auch die MFB, hätten „auf politischen Druck“ MOL-Aktien erworben, diese damit stabilisiert und die OMV-Absichten durchkreuzt.

Der ungarische Banker könnte Insiderwissen ausgeplaudert haben, gibt der „Falter“ zu verstehen - es gilt die Unschuldsvermutung. Pecina ließ dazu der Wochenzeitung nach deren Angaben ausrichten: „Die gestellte Frage ist absurd und entbehrt jeglicher Grundlage.“ Erös wollte der Zeitung dazu keine Stellungnahme abgeben.

Der APA liegt seitens der VCP Capital Partners Unternehmensberatungs AG bzw. von Pecina ein schriftliches Statement von Mittwochfrüh vor, in dem es heißt: „Es ist nicht möglich, Medienberichte, die unter Umgehung sämtlicher ethisch-journalistischer Regeln mittels Verwendung des Konjunktivs fabriziert wurden, mithin also nichts als vollkommen unbegründeten Verdachtsjournalismus darstellen, zu kommentieren.“

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Im Sommer 2007 hatte sich die OMV bei der MOL eingekauft und wollte den Konkurrenten schlucken. Am 25. Juni gab damals der ungarische Ölkonzern bekannt, dass Pecinas VCP 6,186 Prozent der MOL-Anteile hält. Pecina hatte nämlich dem Oligarchen Megdet Rahimkulow - bzw. dessen Investmentgesellschaften Firthlion und Charing - 5,6 Mio. Millionen MOL-Aktien abgekauft. Rahimkulow galt damals als reichster in Ungarn lebender Geschäftsmann. Noch am selben Tag veräußerte Pecina diese Aktien an die OMV weiter, die damit ihren MOL-Anteil auf 18,6 Prozent aufstocken konnte. Das alles ist nicht neu, es wurde vor knapp neun Jahren ausführlich in den Medien berichtet. Auch die Interessenslage der Budapester Politik war nie ein Geheimnis.

Der Abwehrplan der MOL sei nur eine Woche nach dem Pecina-Deal mit der OMV in Kraft getreten, so der „Falter“. Die von Pecinas Geschäftsfreund Erös geführte MFB Bank habe mit 2. Juli 2007 insgesamt 10,933 Mio. MOL-Anteilsscheine erworben. Erös müsse frühzeitig vom Abwehrplan der MOL gewusst haben, so die Zeitung. Dass Pecina und Erös damals geschäftliche Kontakte hatten, steht für das Blatt laut „Panama-Papers“ außer Zweifel. Ende 2007 habe Pecinas Collegia Privatstiftung eine erst wenige Monate davor gegründete Gesellschaft namens Wintercastle an die von Mossack Fonseca in Panama eingetragene Garuda Group verkauft; deren wirtschaftlicher Berechtigter Erös habe die Wintercastle bald danach liquidieren lassen.

2009 sollen 5,4 Mio. Euro von einem UBS-Konto der Garuda abgebucht worden und Richtung VCC Financial Information Services GmbH geflossen sein, einer 100-Prozent-Tochter von Pecinas Vienna Capital Partners - deklariert sei die Überweisung als Darlehen, so der „Falter“. Im Rahmen einer Betriebsprüfung bei Vienna Capital Partners sei den Finanzprüfern das Darlehen aufgefallen. „Seitens der Betriebsprüfung kann objektiv kein finanzieller Grund gefunden werden, weshalb es beim geprüften Unternehmen (VCP, Anm.) zu einer Kreditaufnahme gekommen ist“, heißt es dem Blatt zufolge in einem Bericht. Die VCC habe die 5,4 Mio. Euro im November 2009 zurückgezahlt, nach nur vier Monaten - aber nicht nach Panama, sondern auf Ersuchen der Garuda Group auf das Wiener Konto eines Treuhänders. „Ein Verfahren wegen Geldwäscheverdachtes wurde im April 2015 nach einem Jahr ohne Ergebnis eingestellt“, so der „Falter“ - mit der Begründung: „Hinsichtlich der Geldwäscherei ist kein strafrechtliches Verhalten erweislich.“ Aus der Staatsanwaltschaft Wien wurde der APA am Mittwoch bestätigt, dass dieses wegen des Verdachts der Abgabenhinterziehung geführte und eingestellte Verfahren im Zusammenhang mit der Garuda-VCC-Transaktion gestanden ist. Ein weiteres Verfahren ist dort mit einem Pecina-Bezug nicht anhängig - und zu möglichen Insiderfragen habe man keine Informationen. Hat ein Insiderthema eine größere Dimension, würde es ohnedies über die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft laufen.


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