Wahl-Endspurt: Van der Bellen führt vor Hofer und Griss

Die spannendste Hofburg-Wahl in der Geschichte der zweiten Republik steht bevor: Laut der großen OGM-Umfrage der Bundesländer-Tageszeitungen rittern Van der Bellen, Hofer und Griss um einen Stichwahl-Platz, Hundstorfer, Khol und Lugner dürften zum Zuschauen verurteilt sein.

Alexander Van der Bellen.
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Wien – In knapp zwei Wochen findet der erste Wahlgang zur Bundespräsidenten-Wahl statt. Und es wird die spannendste Hofburg-Wahl in der Geschichte der Zweiten Republik werden. Denn die beiden Kandidaten der Bundesregierung, Andreas Khol (ÖVP) und Rudolf Hundstorfer (SPÖ), dürften es nicht einmal in die Stichwahl für den 22. Mai schaffen. Das ergab die große OGM-Meinungsumfrage im Auftrag der Bundesländer-Tageszeitungen (Oberösterreichische Nachrichten, Kleine Zeitung, Salzburger Nachrichten, Vorarlberger Nachrichten und Tiroler Tageszeitung).

Alexander Van der Bellen, Irmgard Griss, Rudolf Hundstorfer, Andreas Khol, Hofer und Richard Lugner (von links) rittern um das Amt des Staatsoberhaupts.
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Laut OGM liegt der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen mit einem Wähleranteil von 24 Prozent in Führung. Knapp dahinter rangieren Norbert Hofer (FPÖ) mit 22 Prozent und die parteifreie Irmgard Griss mit 21 Prozent. Schon abgeschlagen liegen Hundstorfer mit 17 Prozent und Khol mit 13 Prozent. Richard Lugner kommt laut Umfrage auf zwei Prozent und liegt auf dem letzten Platz.

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ÖVP-Parteiobmann Reinhold Mitterlehner will sich von den schlechten Umfragewerten für seinen Kandidaten Khol noch nicht anstecken lassen. In einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung hofft er noch auf einen Mobilisierungsschub in den kommenden Tagen. Gestern fand in Innsbruck der Wahlkampfauftakt für Andreas Khol statt. Die Regierung werde aber auch dann nicht vorzeitig scheitern, wenn es tatsächlich so sein soll, dass es weder Khol noch Hundstorfer in die Stichwahl am 22. Mai schaffen, erklärte Mitterlehner. Er für seine Person versichert jedenfalls, die Nerven bewahren zu wollen.

Für OGM-Chef Wolfgang Bachmayer bleibt Van der Bellen der Favorit für den ersten Wahlgang, allerdings „schmilzt sein Vorsprung“. Hofer konnte bisher durch seine TV-Auftritte punkten. Das große Fragezeichen für den Freiheitlichen ist aber die Mobilisierung im blauen Lager. Denn die FPÖ-Wähler lehnen das Amt des Bundespräsidenten mehrheitlich ab. Hundstorfer hat mit der sinkenden Attraktivität der SPÖ zu kämpfen, Khols Hauptmanko sind seine Sympathiewerte. Hier liegt er sogar hinter Lugner. Khol hat aber andererseits die besten Werte in Sachen Erfahrung.

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Griss hat bei Stichwahl die besten Chancen

Spannend ist auch die Frage nach dem oder der zweitliebsten Kandidaten oder Kandidatin. Hier zeigt sich, dass Irmgard Griss am öftesten als Alternative genannt wird. Anders gesagt, sie hätte, sollte sie in die Stichwahl kommen, sehr gute Chancen, Nachfolgerin von Heinz Fischer zu werden. Von den Hofer-Wählern würden 28 Prozent Griss als mögliche Alternative bevorzugen. Von den Khol-Wählern sind es 22 Prozent. Die Hundstorfer-Wähler tendieren mit 29 Prozent mehrheitlich zu Van der Bellen und immer noch mit 20 Prozent zu Griss. Die Griss-Wähler selbst könnten sich mit 33 Prozent für Hofer erwärmen, 19 Prozent für Van der Bellen. Die Anhänger von Van der Bellen geben mit 31 Prozent ebenfalls Griss als Alternativkandidatin an.

Sollte Griss also in die Stichwahl kommen, dann würden ihr aus allen Wählergruppen Sympathien zufliegen. Griss liegt also in Summe der zweitliebsten Kandidaten bei 21 Prozent. Sie führt in dieser Wertung vor Van der Bellen, Hofer, Hundstorfer (mit je 11 Prozent). Griss punktet vor allem mit dem Faktor „Unabhängigkeit“.

Als weitere Wahlmotive ausschlaggebend sind laut Umfrage „Sympathie und Vertrauen“ (26 Prozent), gefolgt von „aktiver Präsident“ (18 Prozent), „Repräsentation im Ausland“ (16 Prozent), „offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der Bürger“ (13 Prozent), „steht über den Parteien“ (12 Prozent) und „hat die meiste Erfahrung“ (10 Prozent).

Bundespräsident für mehr als ein Drittel verzichtbar

Ein Fragezeichen zwei Wochen vor der Wahl bilden noch die Schar an 19 Prozent Unentschlossenen. Vor allem unter den Wählern von SPÖ, ÖVP und NEOS ist der Anteil der Unentschlossenen überdurchschnittlich hoch.

Aus heutiger Sicht ist am 24. April mit einer Wahlbeteiligung von 68 bis 70 Prozent zu rechnen. Höher liegt sie bei Wählern von Grünen, Neos und SPÖ, geringer bei ÖVP und vor allem FPÖ-Wählern. Von der Altersstruktur der Wähler ist sie ziemlich gering bei jüngeren Wählern bis 30 Jahren (unter 60 Prozent). Am fleißigsten dürften wieder die älteren Wähler zu den Urnen gehen.

An sich ist die Akzeptanz des Amtes erstaunlich niedrig. 40 Prozent der Befragten sehen das Amt für verzichtbar an. Bei den Hofer-Anhängern liegt der Wert sogar bei 54 Prozent. 73 Prozent der Hundstorfer-Wähler finden das Amt hingegen wichtig. (TT)


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