Osttiroler Jäger setzen weiterhin auf breiten Dialog

Der zunehmende Druck auf Natur und Wild durch Freizeitsportler bleibt für die Waidmänner ein Kraftakt.

© Blassnig

Von Claudia Funder

Lienz –Am Wochenende stand in der Lienzer Dolomitenhalle quasi das „Ernte­dankfest“ der heimischen Waidmänner und -frauen auf dem Programm. Es wurde zur Bezirksversammlung und Trophäenschau des Osttiroler Jägerverbandes geladen. „Der Winter mit dem wenigen und späten Schneefall war für das Wild ein guter, für die Erfüllung des Abschussplanes aber eine Herausforderung“, betont Bezirksjägermeister Martin König im Gespräch mit der TT. Es war von vornherein klar, dass das Ergebnis den Behördenvorgaben nicht ganz entsprechen würde. Dennoch zeigt man sich zufrieden. Der Abschuss in den Osttiroler Revieren liegt beim Gamswild bei 90 Prozent, beim Rehwild bei 78 Prozent und beim Rotwild bei 67 Prozent. Der Gesamtschalenwildabschuss beträgt 4476 Stück, der Gesamtabgang 5130 Stück. Die Vorschreibungen waren aber auch denkbar hoch ausgefallen.

Rotwild war mehr freigegeben worden, um den Bestand kurz zu halten, und wurde auch mehr geschossen als im Jagdjahr zuvor. Der Abgang lag um 50 Stück höher. Bei den Rehen lag der Abgang nicht zuletzt aufgrund von viel Straßenfallwild bei nahezu 100 Prozent. Auch wurden um 267 Rehe mehr geschossen als im letzten Jagdjahr. Wildschwein wurde 2015 kein einziges erlegt, „obwohl sie da waren, etwa im Defereggental“, weiß König.

Von der Gesamtfläche Osttirols (202.454 Hektar) sind 164.000 Hektar bejagbar. Der Bezirk zählt 147 Jagden und 22 Hegebezirke. 1845 Ganzjahres-Jagdkarten wurden im Bezirk Lienz ausgegeben, „eine abnehmende Tendenz“, bemerkt König. „Im Jahr 2011 waren es noch 2103.“ Es gibt 114 weibliche Jäger, diese Zahl stagniert. Nachwuchssorgen hat man keine. „53 Teilnehmer haben an der Jungjäger­ausbildung teilgenommen, 39 haben die Prüfung bestanden“, freut sich König.

Am Jägertag wurden elf Personen geehrt – langjährige Jagdpächter und um die Jagd verdiente Persönlichkeiten.

Die heimischen Jäger stehen vor vielen Herausforderungen. Es gilt, den Kontakt und die Kommunikation mit den Forstbesitzern zu pflegen. „Das Gesprächsklima ist ein gutes“, bestätigt König.

Kritische Worte findet er hinsichtlich des zunehmenden Drucks auf Natur und Wild. Freizeitsportler wie etwa Downhiller, Paragleiter und Freerider würden immer wieder in Ruhezonen des Wildes eindringen, dieses aufschrecken und Stress verursachen. Die Beunruhigung betreffe vor allem das Rotwild als sensibelste Wildart. Der große Wunsch nach Ruhezonen sei in der Novellierung des Jagdgesetzes zu wenig berücksichtigt worden, beklagt König. Das Skitourenlenkungsprojekt sei eine Aktion in die richtige Richtung, aber es gelte noch Details zu klären, etwa hinsichtlich der Beschilderung. „Ich habe nicht Sorge, dass wir die Gäste nicht erreichen. Wir müssen vor allem die Einheimischen ins Boot holen“, betont er.

Der Eiskletterpark in Matrei sei etwa in ein Ruhegebiet gesetzt worden. „Hier ist man einfach drübergefahren“, ärgert sich König. „Es wäre gut, wenn man im Vorfeld mit den Jägern reden würde.“ Nun gebe es aber wenigstens eine Infotafel. Der Bezirksjägermeister fordert „mehr Fingerspitzengefühl von den Tourismusverantwortlichen. Ich habe den Eindruck, alle gehen vor ihnen in die Knie.“

Das heikle Anliegen bleibt Thema und Kraftakt. Die Jäger werden weiterhin auf einen breiten Dialog setzen.


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