Landestheater: Orientierungshilfe in unsteten Zeiten

Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier gab am Freitag Einblicke in seine bevorstehende fünfte Spielzeit und bestätigte, dass er dem Drei-Sparten-Haus aller Voraussicht nach erhalten bleibt.

© Thomas Boehm / TT

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Johannes Reitmeiers Ära am Tiroler Landestheater geht weiter: Am Rande der gestrigen Spielplan-Präsentation erklärte der Intendant, der das Drei-Sparten-Haus seit der Spielzeit 2012/2013 leitet, dass sein Vertrag aller Voraussicht nach um weitere fünf Jahre verlängert wird. „Wechselseitig positive Gespräche“ mit Stadt und Land seien bereits geführt worden, jetzt fehle nur noch das Okay des Aufsichtsrats. „Ich fühle mich sehr wohl hier und freue mich auf die Zukunft“, erklärte Reitmeier im TT-Gespräch. Seinen künstlerischen Schwerpunkt in der Spielzeit 2016/2017 sieht er im „musikalischen Unterhaltungstheater“, das mit der Rockoper „Everyman“ und dem Musical „Nostradamus“ vertreten ist. Letzteres wurde nach dem überraschenden Tod von Operndirektor Roger Boggasch im Vorjahr wieder vom Spielplan genommen und wird nun in Reitmeiers Regie nachgeholt – die Titelrolle übernimmt Musicalstar Uwe Kröger.

In Reitmeiers zweiter Regie-Arbeit erhebt auch Verena Pötzl die Stimme und weht ein Hauch von „Jedermann“ durchs Große Haus: Basiert Hugo von Hofmannsthals Domplatz-Pflichtstück doch auf dem englischen Moralitätenspiel „Everyman“, dessen verrockte Version in Innsbruck seine österreichische Erstaufführung erlebt.

Im Opernsektor geben unter anderem Mozart („Le Nozze di Figaro“), Verdi („Un Ballo in Maschera“) und Richard Strauss („Capriccio“) den Ton an – außerdem gibt’s ein Wiedersehen mit einem alten Landestheater-Bekannten. Die Regie von Mozarts „Le Nozze di Figaro“ übernimmt – auf Reitmeiers Initiative hin – nämlich Dominique Mentha, der das Haus von 1992 bis 1999 leitete. Als Eröffnungspremiere wird Antonin Dvoˇráks Oper „Rusalka“ gezeigt. Der Opera-Austria-Sektor wird mit Kenneth Winklers Kammeroper „Totentanz“ nach Franz Kranewitters Tragödie bestückt – Regie beim Auftragswerk führt Alexander Kratzer. Bei Christoph Willibald Glucks Oper „Orphée et Euridice“ kommt’s zur Vermählung von Musik- und Tanztheater: Schließlich wagt sich Tanzcompany-Chef Enrique Gasa Valga an seine erste Opernregie. „Für mich erfüllt sich damit ein Traum“, erklärte der Spanier – und outete sich dabei gleich noch als Tiroler. „Schließlich wurde ich hier als Choreograph geboren“, setzte der feurigste Wahl-Einheimische des Landes nach. Doch auch dem Tanzsektor bleibt Gasa Valga treu und nimmt dabei mit „Mayerling“ einen – wie er betont – „österreichischen Psychothriller“ in die Hand. Die tänzerische Verarbeitung vom geheimnisumwobenen Tod von Kronprinz Rudolf und seiner Geliebten Mary Vetsera geht in Innsbruck als Uraufführung über die Bühne, des Stoffs nimmt sich aber auch die Wiener Staatsoper an. Gasa Valga: „Wien soll neidisch auf Tirol sein.“ Internationales Flair verströmt indes das Stück „Ménage-à-trois“, das Choregraphien der Tanzgranden Chang Ho Shin, Uwe Scholz und Jiˇri Kylián zusammenführt. Marie Stockhausen setzt mit „Edith Piaf“ dem Spatz von Paris ein Denkmal.

Schauspiel-Direktor Thomas Krauß richtet den Blick auf „das brennende Thema des Augenblicks“ – Migration will er aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und quer durch alle Spielstätten beleuchten. Und dabei „die richtigen Fragen stellen“, wie er betont. „Verändern kann sich nur der Einzelne selber, aber das Theater kann eine Orientierungshilfe in einer unruhigen Welt bieten“, ist Krauß überzeugt. Und geht damit mit Intendant Reitmeier d’accord: „Theater muss und soll identitätsstiftend sein und Halt und Heimat geben.“ Eröffnet wird die Schauspiel-Saison – passend zum Shake­speare-Jahr – mit „Der Sturm“. Für die Umsetzung zeichnen mit Regisseurin Susanne Schmelcher, Kostümbildner Markus Spatzier und Bühnenbildner Helfried Lauckner das Nestroy-prämierte Team von „Anna Karenina“ verantwortlich. Mit „Der Goldene Drache“ hält erstmals ein Stück von Roland Schimmelpfennig Einzug am Landestheater, Susi Weber führt bei der Nestroy’schen Zauberposse „Der böse Geist des Lumpazivagabundus“ Regie, Thomas Krauß inszeniert indes Tennesse Williams’ „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ und Lutz Hübners Tragikomödie „Frau Müller muss weg“, während sich Philipp Jeschek Franz Kafkas „Prozess“ annimmt. Im „K2“ werden mit Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ und Thomas Bernhards „Alte Meister“ zwei Stücke gezeigt, die zuletzt auf Wiener Bühnen für Furore sorgten.

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Während das Kreativ-Team nach vorne blickte, schaute Neo-Geschäftsführer Markus Lutz zurück – und präsentierte die Bilanz 2014/2015. Insgesamt wurden 190.000 Besucher registriert, was einem Plus von vier Prozent entspricht. Mit 8200 Abos habe man einen Höchststand erreicht, im Großen Haus lag die Auslastung bei 87 Prozent, in den Kammerspielen bei 95 Prozent. In der aktuellen Spielzeit werde man leicht darüber liegen.


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