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Friaul gedenkt des Erdbebens vor 40 Jahren

Udine (APA) - Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien plant eine Reihe von Initiativen zum Gedenken an das verheerende Erdbeben vor 4...

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Udine (APA) - Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien plant eine Reihe von Initiativen zum Gedenken an das verheerende Erdbeben vor 40 Jahren, bei dem rund 1.000 Menschen starben und Zehntausende obdachlos wurden. Über 100 Veranstaltungen sind zwischen Mai und September geplant, einige davon auch mit Kärntner Beteiligung.

Höhepunkt wird ein Besuch von Staatspräsident Sergio Mattarella am 6. Mai sein, dem Jahrestag des Erdbebens. Von 12. bis 18. September findet ein grenzüberschreitendes Training zum Test von Sicherheitssystemen bei Erdbeben statt. Daran werden sich Einheiten der Feuerwehr und des Zivilschutzes aus Kärnten, Slowenien, Kroatien und Trentino-Südtirol beteiligen.

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Friaul wurde am 6. Mai 1976 um 20.59 Uhr von Erdstößen erschüttert, welche die Stärke 8 bis 9 auf der zwölfstufigen Mercalli-Skala erreichten. Das Hauptbeben dauerte zwar nur rund eine Minute, die Schäden waren jedoch enorm. Auch Kärnten war betroffen, das Gailtal wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Erdstöße waren bis Wien und weit nach Bayern hinein spürbar. Ursache war eine Verschiebung der afrikanischen Platte unter die europäische in einer Tiefe von etwa 15 Kilometern.

Neben den Todesopfern wurden 3.000 Verletzte und Zehntausende Obdachlose gemeldet. „Friaul ist nicht mehr Friaul“, schrieb damals der Journalist Rino Sanders. Große Schäden erlitten unter anderem wertvolle kulturelle Bausubstanzen wie die Kirche von Venzone, die jedoch Jahre später in ihrer Originalbauweise wieder hergestellt wurde. Erheblich beschädigt wurde auch der Dom von Gemona. Die meisten Ortschaften im Kanaltal waren teilweise zerstört.

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Vier Monate nach dem ersten Beben erschütterte am 15. September ein zweiter Erdstoß die Region. Gebäude, die im Mai noch stehen geblieben waren, fielen in sich zusammen. Innerhalb weniger Sekunden erhöhte sich die Zahl der Obdachlosen von 40.000 auf 70.000. Den Sommer über mussten die Menschen, die ihre Häuser verloren hatten, in Behelfsunterkünften oder auf Campingplätzen an der Adriaküste verbringen. Im September verloren viele die Hoffnung, jemals wieder in ihre zerstörten Dörfer zurückkehren zu können. Viele wanderten aus und zogen zu Verwandten, die sich schon in anderen Ländern eine neue Existenz aufgebaut hatten. Der Friaul war schon lange Zeit vor dem verheerenden Unglück ein Auswanderungsland gewesen.

Die Welle der Hilfsbereitschaft, vor allem aus dem benachbarten Kärnten sowie aus den übrigen österreichischen Bundesländern, war enorm. Neben materieller Unterstützung halfen Bundesheer, Rettung, Feuerwehrleute sowie Privatpersonen. Das Bundesheer bildete ein Kontingent für grenzüberschreitende Hilfsaktionen, woraus 1990 die Austrian Forces Disaster Relief Unit (AFDRU) hervorging.

Die vom Erdbeben Betroffenen arbeiteten hart, um die Folgen der Katastrophe zu beheben. Da die Hilfsgelder zur Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem in die Industrie gepumpt wurden, zählt der Friaul heute zu den wirtschaftlich fortschrittlichsten Regionen Italiens. „Friaul ist ein ethisches Modell, nicht nur wegen der Art und Weise, in der die Region nach der Katastrophe aufgebaut wurde, sondern auch wegen des Zusammenhalts, den die Gemeinschaft bei diesem dramatischen Ereignis bewiesen hat“, sagte die Präsidentin der Region Friaul Julisch Venetien, Debora Serracchiani.


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