Im Dachverband ASKÖ rumort es

In einer Präsidiumssitzung wird heute über die Kündigung der ASKÖ-Tirol-Geschäftsführerin Claudia Stern abgestimmt. Die seit 17 Jahren angestellte Ex-Sportlerin klagt, Kritik an Präsident Klaus Gasteiger wird laut.

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ASKÖ-Tirol-Präsident Klaus Gasteiger.
© Thomas Boehm / TT

Von Florian Madl

Innsbruck –Eine aktuelle Statistik der Bundessportorganisation weist den Tiroler Ableger des Sportdachverbands ASKÖ mit 66.574 Mitgliedern (486 Vereine) als drittstärkste Kraft im Land hinter ASVÖ (180.300/1008) und Union (98.405/423) aus. Doch Eintracht im SPÖ-nahen Verein sieht anders aus, wie die jüngsten Vorgänge in der Landeszentrale dokumentieren: Nach 17 Jahren im Amt soll Geschäftsführerin Claudia Stern auf Betreiben von ASKÖ-Präsident Klaus Gasteiger gekündigt werden, aber erst eine für heute anberaumte Präsidiumssitzung kann das Ende der Tätigkeit (mit September 2016) bestätigen.

„Ich bitte um Verständnis: Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, darum will ich nichts dazu sagen“, meinte die 41-Jährige auf Anfrage. Gasteiger hingegen hält fest: „Ich habe ihr ein Kündigungsschreiben auf den Schreibtisch gelegt, ein demokratischer Prozess muss das jetzt bestätigen.“ Einen Geschäftsführer-Vertrag habe Stern zudem erst seit 2008.

Claudia Stern.
© TT/Böhm

Präsidiumsmitglied Hansjörg Kössler, mit gut 30 Jahren ASKÖ-Vergangenheit einer der Längstdienenden, kommentierte das in einem der TT vorliegenden Brief betroffen: „Und so reihen sich die Unzulänglichkeiten aneinander, die schlussendlich durch die, nicht im Präsidium der ASKÖ-Tirol abgestimmten Kündigung der langjährigen und untadeligen Geschäftsführerin der ASKÖ-Tirol, Claudia Stern, getoppt wurde.“ Kürzlich wurde Kössler die Zahlungseinsicht verweigert.

Ein Funktionärsabgang war schon in der Vergangenheit zu verzeichnen, als eine ASKÖ Tirol GmbH mit Geschäftsführer Klaus Gasteiger für Unmut sorgte (2014). Der Präsident sei in einer Doppelfunktion, die Frage der Unvereinbarkeit sei laut Gasteiger jedoch geprüft und für bedenkenlos befunden worden.

Der damals zurückgetretene Vizepräsident Unterland, Helmut Köck, konnte seinen Ärger auf TT-Anfrage nicht verbergen: „Unterlagen wurden nicht vorgelegt, die Vorgangsweise war nicht nachvollziehbar. Und was Gasteiger für seinen Geschäftsführervertrag (1700 € netto/20 Stunden) leistet, weiß keiner. Es liegt bis heute kein Businessplan vor.“ Hans Peter Bock trat damals zeitgleich als Vizepräsident Oberland zurück. „Wegen Gasteigers Vorgangsweise“, meinte er.

Zuletzt entzündete sich der Unmut an Förderungen der Bundes-ASKÖ für Tirol: Zwei Tranchen in Höhe von jeweils 75.000 Euro wurden nicht wie üblich an den Landesverband, sondern an die ASKÖ Tirol GmbH überwiesen, u. a. für die Sanierung des Volkshauses. Gasteiger erklärt: „Immer wieder gibt es Projekte, die es zu finanzieren gilt.“ Der Zillertaler bestätigte „Auffassungsunterschiede“ mit Geschäftsführerin Stern, die „nicht zu kitten“ seien.

Außerdem veranlasste Gasteiger dem Vernehmen nach die Überweisung weiterer 10.000 Euro aus dem ASKÖ-Sportbudget an die GmbH und nahm ohne Beschluss ein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro bei der Hausbank auf. Gasteiger hält dazu fest: „Wenn du bilanzieren musst, braucht es zum Jahreswechsel Geld. Das wurde kürzlich auch per Beschluss freigegeben.“ In seinen Verträgen sei er alleinverantwortlich, aber natürlich an Beschlüsse gebunden, die er auch nachgereicht habe.

Auch die Ausschreibung von Projekten sei in der Vergangenheit nicht erfolgt. Der zurückgetretene Vizepräsident Köck meinte: „Klaus Gasteiger hat die Planung stets eigenmächtig an seinen Bruder übergeben.“

Eine weitere Verstrickung, allein im vergangenen Jahr habe die Auftragssumme einem internen Brief zufolge 16.000 Euro betragen. Gasteiger kontert: „Es gibt einen Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2007, dass wir Projekte über meinen Bruder abwickeln. Vertrauen und Kostenfaktor legen das nahe.“

Die Kündigung von Claudia Stern, die mit Präsident Klaus Gasteiger aufgrund dieser Vorgänge nicht im besten Einvernehmen gewesen sein soll, stellen die ASKÖ Tirol nun vor eine Zerreißprobe. Selbst das heutige Präsidiumsvotum für Sterns Kündigung kann eine rechtliche Auseinandersetzung wohl nicht mehr verhindern. Gasteiger äußert sich jedenfalls zuversichtlich: „Ich sehe der Sache entspannt entgegen.“


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