Südtirol gegen gemeinsame Tirol-Marke
Gemeinsame touristische Vermarktung der Euregio Tirol? Fehlanzeige! Südtirol und Trentino sind gegen eine Tiroler Dachmarke im Tourismus.
Von Peter Nindler
Trient –Die Europaregion stolpert von einem Debakel ins andere: Bereits vor zwei Jahren wurden beim Dreierlandtag in Schwaz gemeinsame touristische Aktionen beschlossen und eine gemeinsame Marke Tirol forciert. Die rund 100 Millionen Nächtigungen in den drei Ländern sollten durch „kluge Kooperationen“ gesteigert werden, wie es damals hieß, vor allem war an gemeinsame Auftritte in den Überseemärkten USA oder Brasilien, aber auch den Zukunftshoffnungen wie China gedacht.
Doch wie so oft blieb es bei den schönen Worten, Taten folgten kaum. So brachte der Tourismusexperte und FP-Klubchef Rudi Federspiel am Donnerstag erneut einen Initiativantrag in Trient zur Entwicklung einer Dachmarke der drei Tourismuswerbungen sowie für einen Markenbildungsprozess ein. Dieser wurde von den Tiroler Landtagsabgeordneten einhellig unterstützt, doch dabei blieb es auch: Denn lediglich 59 der 106 Abgeordneten des Dreierlandtags nahmen an der Abstimmung teil, die Südtiroler Volkspartei (SVP) stimmte geschlossen dagegen. Mit nur einer Stimme Mehrheit nahm der Dreierlandtag den Antrag zwar an, doch das ist gleichbedeutend mit einer Schubladisierung.
Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass sich die Südtiroler Landesregierung ihr „Südtirol Marketing“ nicht mit einer Dachmarke verwässern lassen wolle. Gleichzeitig ist für LH Arno Kompatscher die Angelegenheit nicht dringlich. SVP-Mandatar Dieter Steger ist davon überzeugt, dass die Touristiker in den drei Landesteilen kooperieren sollten und deshalb eine Dachmarke nicht von oben herab verordnet werden dürfe.
Für Federspiel ist die Haltung der Südtiroler Volkspartei nicht nachvollziehbar, „denn touristisch hätten wir noch viel Potenzial, wenn wir gemeinsam auftreten würden“. Er verstehe die Strategie in Südtirol nicht – außer, und das sei der einzige logische Grund, dass die von der SVP dominierte Landesregierung Südtirol allein als Urlaubsziel vermarkten wolle.