Mit richtigem Riecher den Schmugglern auf der Spur

Drei Spürhunde helfen der Tiroler Zollaufsicht bei der Arbeit. Sie sind mit ihren feinen Nasen hinter Zigaretten-, Bargeld- oder Drogenschmugglern her. Ein Lokalaugenschein.

"Crack" ist erst seit eineinhalb Jahren im Dienst - aber seine Bilanz ist bereits beachtlich.
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Von Renate Perktold

Innsbruck – „Crack“ legt die Ohren an und wedelt ungeduldig mit dem Schwanz. Die braunen Augen wandern aufmerksam durch den Raum, er trippelt von einer Pfote auf die andere. Immer wieder schaut er hoch. Aber er wartet. Erst als sein Herrchen ihm mit der Hand ein Zeichen gibt, zieht er an der Leine. Der zweieinhalb Jahre alte belgisch-deutsche Schäfermischling reckt seine Schnauze zu Boden und beginnt zu schnüffeln. Denn das ist seine Aufgabe. „Crack“ ist einer von drei Suchhunden der Zollaufsicht in Tirol. Er ist auf das Erkennen von Zigaretten- und Drogenschmuggel ausgebildet.

Im Zug gefunden: 28 Gramm Cannabis.
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Schauplatz Railjet von Zürich nach Innsbruck: Die Hundeführer steigen in Landeck zu einer Routinekontrolle zu. Es dauert nicht lange, und der Suchhund schlägt aufgeregt an. In einem Mistkübel zwischen den Abteilen riecht er einen bekannten Duft. Sein Herrchen, Hundeführer Marco Florio, nimmt ihn zur Seite, während sich dessen Kollegin Silvia Gärtner um den Fund kümmert. Tatsächlich fischt sie einen großen Brocken Cannabis aus dem Müll – 28 Gramm sind es, wie sich nach dem Abwiegen später herausstellt. Vermutlich hat jemand die beiden Zollbeamten gesehen und die Drogen noch schnell im Müll entsorgt, bevor er sich aus dem Staub gemacht hat.

Schnüffeln strengt die Hunde an

„Crack“ erhält erstmal eine Belohnung. „Man muss immer dafür sorgen, dass der Hund bei einem Fund ein Erfolgserlebnis hat. Damit er auch weiterhin motiviert sucht“, erklärt Florio. Für den Fall, dass dieses Erfolgserlebnis ausbleibt, arbeiten die Hundeführer mit einem Trick: Zu Trainingszwecken haben sie unterschiedlichste Drogen, Geldschnipsel oder Zigarettenstangen, die sie dann verstecken. „Wenn wir in Autos, im Zug oder Lkw kontrollieren und wir finden nichts, verstecken wir immer etwas von unseren Utensilien darin, damit der Hund das suchen kann. Natürlich in Absprache mit den Besitzern“, erzählt der 36-jährige Hundeführer.

Von großer Bedeutung sei aber auch, den Hund nicht zu überfordern, denn das Suchen ist sehr anstrengend für die Vierbeiner: „Das gleicht einem Marathon beim Menschen.“ 20 bis 25 Minuten kann ein Spürhund effektiv schnüffeln, das bloße Stöbern hält er bis zu 45 Minuten durch, weil er dabei nicht so tief „einsaugt“. Ist dieser Zeitraum ausgereizt, lässt die Leistung nach. Auch die äußeren Umstände muss der Hundeführer dabei im Blick haben: Alleine das Wetter oder die Laune des Hundes können starken Einfluss auf seinen Sucherfolg haben. „Es ist immer ein Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier. Es heißt, 70 Prozent erledigt der Hundeführer und 30 Prozent der Hund“, sagt Florio.

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1,6 Kilo Cannabis erschnüffelt

Wie effektiv Hundeführer und Vierbeiner in Tirol zusammenarbeiten, beweist die Statistik des letzten Jahres. Die drei Rüden erschnüffelten rund 40.000 Stück Zigaretten und 475 Gramm Suchtmittel. Durch ihre Schnüffeltätigkeit mussten die betroffenen „Schmuggler“ 25.000 Euro Strafen zahlen. „Cracks“ Nase führte im April bei einer Routinekontrolle zum Fund von 1,6 Kilogramm Cannabis. Sein bisher größter Fund.

Silvia Gärnter gibt "Sam" ein Zeichen mit der Hand. Er gehorcht sofort.
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29 Diensthunde sind österreichweit beim Zoll beschäftigt, ihre Suchgebiete sind Geld, Zigaretten, Drogen und bedrohte Arten. Sie werden ab einem Alter von zehn bis zwölf Monaten ihren Hundeführern zugeteilt und ausgebildet. Während die Zollbeamten und deren Umfeld im persönlichen Gespräch überzeugen müssen, bevor sie einen Diensthund erhalten, durchlaufen die Vierbeiner zuerst eine Diensttauglichkeitsprüfung. Gemeinsam mit ihrem neuen Herrchen lernen sie dann Gehorsam, später werden sie auf ihre eigentliche Funktion – das Suchen – konditioniert. Bis zu ihrem Dienstaustritt bleiben sie im Besitz des Staates, im Anschluss können sie dem Hundeführer dann geschenkt werden.

Hund riecht Bestandteil von Druckerfarbe

Beim Zoll werden so genannte „Dualhunde“ ausgebildet – das heißt, sie können zweierlei Substanzen erschnüffeln. Während das bei „Crack“ Drogen und Zigaretten sind, ist „Sam“, der Hund von Silvia Gärtner, auf das Auffinden von Drogen und Bargeld ausgebildet. Mit seinem Frauchen ist er überwiegend an der Zollaußengrenze in Samnaun stationiert. Der sechsjährige Schäferrüde reagiert bei Bargeld auf eine Druckerfarbe, die auf jedem Geldschein weltweit vorkommt. So ist es möglich, dass er nicht nur Euro, sondern auch Franken, Dollar oder auch exotischere Banknoten erschnüffelt. Alleine im letzten Jahr schlug sein feiner Riecher vier Mal zu. 120.000 Euro ist die Bilanz seines Erfolges.

„Sam“ hat keine Schutzausbildung wie die meisten Suchhunde. „Das wäre kontraproduktiv. Durch das Suchen in Autos, Zügen und Lkw sind wir ja nahe am Menschen. Und diese tragen das Geld ja auch meistens bei sich. Wenn er dann jedes Mal reagieren würde, sobald mir jemand zu nahe kommt, könnte das zum Problem werden“, erklärt Gärtner. Außerdem ist er passiv geschult, was wiederum bedeutet, dass er einen Fund nicht mit Bellen oder Kratzen anzeigt. Dadurch wirkt der Rüde auch auf die Menschen, die kontrolliert werden, nicht bedrohlich. Trotzdem fühlt sich Gärtner bei ihrer täglichen Arbeit mit Hund sicherer. Nicht selten kommt es nämlich vor, dass die Leute, die sie überprüfen will, ungehalten oder aggressiv werden. „Der Hund spürt sofort, wenn die Situation umschlägt. Er hilft dabei, dass sich die Stimmung nicht hochschaukelt.“

"Sam" ist auf das Aufstöbern von Geld spezialisiert.
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Im Schnitt ist ein Spürhund rund zehn Jahre im Dienst. Einmal jährlich wird seine Leistung von der Bundesleitung überprüft. Dabei sollen auch Fehler erkannt und ausgemerzt werden. Ist ein Hund nicht mehr diensttauglich, wird er in den Ruhestand geschickt.

Während der Dienstzeit ist das Tier rund um die Uhr bei seinem Hundeführer. Dieser kümmert sich um die Gesundheit und das Wohlbefinden seines Partners mit der kalten Schnauze. Urlaube oder freie Tage erfordern oft ein großes Maß an Organisation, denn den Hund einfach irgendwo abgeben geht nicht. Der Vierbeiner darf nur zu einem anderen Hundeführer oder zu einer Vertrauensperson, die der Bundesleitung im Vorfeld genannt wurde. „Dessen ist sich aber jeder Hundeführer im Vorfeld bewusst“, unterstreicht Gärtner. Die Tiere sind eben nicht nur Hilfsmittel im Dienst – sondern vor allem auch Familienmitglieder.


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