Zahlen für Beratung im Geschäft? In vielen Reisebüros jetzt üblich

Man informiert sich ausführlich im Fachgeschäft, kauft dann aber im Internet. Dieses verbreitete Konsumverhalten bringt vor allem kleine Anbieter unter Druck. Die Reisebranche hat reagiert.

Vorfreude ist bekanntlich eine der schönsten Freuden. Urlaube führen uns in immer fernere Länder. Eine entsprechende Planung mit Reisespezialisten bietet sich an.
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Von Markus Schramek

Innsbruck –Beratungsdiebstahl – schon von dieser neuzeitlichen Erscheinung gehört? Sie ist Ausfluss einer Denkweise, in der Geiz als geil gilt: Man lässt sich im Fachgeschäft ausführlichst über ein Produkt beraten – und kauft es dann um die berühmten paar „Netsch“ billiger im Internet. Händler vor Ort bieten ein Service, das Geschäft machen andere.

Der Handel diskutiert schon länger darüber, dem Beratungsklau auf die Finger zu klopfen. Doch wie könnte das gehen, ohne gleichzeitig Kunden zu vergraulen?

Die Reisebranche, von der Konkurrenz im Internet massiv betroffen, hat sich vorgewagt. „Die meisten Reisebüros verrechnen inzwischen eine Gebühr für Beratungen, die über das gewöhnliche Maß hinausgehen“, sagt Andrea­s Kröll, Inhaber mehrerer Reise­büros und Sprecher der Tiroler Reisebranche.

„Für eine Pauschalreise aus dem Katalog wird keine Beratungsgebühr verlangt“, betont Kröll. Ist eine Reise aber richtig aufwändig, maßgeschneidert für einen Kunden, dann kommt die Gebühr ins Spiel. Kröll: „Etwa bei einer Reise nach Übersee mit Hin- und Rückflug, Inlandsflügen, Rundreise, mehreren Hotels.“

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Kröll beziffert die Beratungsgebühr mit 30 bis 50 Euro. „Sie muss aber mit dem Kunden klar vereinbart werden“, macht der Spezialist deutlich. Wird in jenem Reisebüro, das die Reise zusammengestellt hat, selbige auch gebucht, entfällt die Gebühr. Bezahlbar ist sie nur bei Nichtbuchung.

Kröll sind gegen dieses Modell kaum Proteste bekannt. „Die Kunden wissen, wie viel Arbeit es ist, eine größere Reise bis ins Detail zu planen.“

Viele werden ihm da zustimmen: Reisebuchung im Internet kann Frust pur sein, wenn man versucht, verschiedene Teile (Flug, Transfers, Unterkunft, Extras, Mitauto) sinnvoll zusammenzufügen.

Andere Branchen schrecken vor einer Beratungsgebühr zurück. Wie der Sporthandel, dem der Online-Mitbewerb ebenfalls im Genick sitzt. Hochwertiges Gerät wie Skischuhe oder Räder werden gerne im Geschäft ums Eck getestet. Doch dann entscheidet ein Vergleichsportal im Web, wo der Kauf stattfindet.

Für Erich Gleirscher von Sport Hofer in Neustift im Stubaital ist dieses Konsumverhalten allgegenwärtig. „Natürlich spüren kleine Händler wie wir das Internet“, sagt der Sporthändler mit 25 Jahren Berufserfahrung. Eine Gebühr für die Beratung zu verlangen ist für ihn aber nicht die Lösung. „Das ist ein hochsensibles Thema. Ab wann soll eine Information im Geschäft kostenpflichtig sein, ab fünf Minuten, ab zehn?“

Gleirscher setzt auf Kundenbindung durch optimales Service: „Es gibt genügend Käufer, die bereit sind, für gute Betreuung etwas mehr zu bezahlen. Wir haben viele Stammkunden, das ist der beste Beweis dafür.“

Ein über viele Jahre aufgebauter Kundenstock – darauf setzt auch Manfred Malli. Er ist alteingesessener Elektrohändler in Innsbruck und Spartenobmann in der Wirtschaftskammer. „Kunden, die gut betreut werden, kommen wieder“, beschreibt Malli sein berufliches Credo.

Um sich Druck aus dem Internet vom Leibe zu halten, baut der Elektroingenieur auf eine Doppelstrategie. „Wir bieten exklusive Produkte an, die es online nicht gibt, und wir füllen Nischen, für die der Markt zu klein ist.“ Retroradios, moderne Geräte äußerlich auf alt gestylt, nennt er als Beispiel.

Preislich hält Malli die Unterschiede zwischen den Anbietern ohnehin für überschaubar. „Die Spannen sind nicht mehr groß. Denn die Hersteller lassen dem Handel immer weniger Spielraum.“


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