BP-Wahl: Hochrechnungen für die Stichwahl einfacher

Wien (APA) - Auch bei der Bundespräsidenten-Stichwahl wird bei Beginn der Berichterstattung um 17.00 Uhr noch kein Endergebnis vorliegen. Al...

Wien (APA) - Auch bei der Bundespräsidenten-Stichwahl wird bei Beginn der Berichterstattung um 17.00 Uhr noch kein Endergebnis vorliegen. Also werden Hochrechner von SORA und der ARGE Wahlen auf Basis der bereits ausgezählten Gemeinden den Wahlausgang abschätzen. Die Hochrechnung am 22. Mai ist einfacher als jene für den ersten Wahlgang vier Wochen zuvor, erläuterte Franz Sommer (ARGE).

Am 24. April fielen die Abweichungen zwischen Hochrechnung und Endergebnis größer aus als üblich. Denn dafür standen weit weniger verwertbare Informationen zur Verfügung. Es gab eigentliche keine Wahl mit einem vergleichbaren Kandidatenfeld. Die Hochrechnung von Personenwahlen - also der Bundespräsidentenkür - ist generell schon eine wesentlich größere Herausforderung ist als jene von Parteienwahlen (Nationalrat oder Landtag).

Zudem haben sich am 24. April zwei Grundannahmen als unzutreffend erwiesen: Bei Alexander Van der Bellen war die Kluft zwischen Stadt und Land wesentlich größer als angesichts der Grün-Ergebnisse bei NR-Wahlen angenommen. Dafür gab es bei Irmgard Griss ein wesentlich geringeres Gefälle, als die Hochrechner mit Blick etwa auf die NEOS dachten.

Für den 22. Mai ist Sommer sicher, dass die ersten Hochrechnungen am frühen Nachmittag viel näher am Endergebnis liegen als am 24. April. Aber bei sehr knappem Wahlausgang stößt jede Hochrechnung - auch wegen der unsicheren Briefwahl-Schätzung - rasch an ihre Grenzen, merkte der ARGE Wahlen-Experte an.

Hochgerechnet wird schon weit vor 17.00 Uhr, ab etwa 14.00 Uhr gibt es erste Prognosen. Diese werden aber nicht veröffentlicht. Erst mit Wahlschluss 17.00 Uhr dürfen die Medien die Bevölkerung über die (erwarteten) Resultate informieren.

Die Arbeit der Hochrechner beginnt schon weit vor dem Wahltag. Für eine möglichst exakte Abschätzung ist nämlich nicht nur das Ergebnis eines vorangegangenen Volksentscheids wichtig, entscheidend ist eine genaue Analyse der Situation unmittelbar vor der Wahl.

Die Hochrechnung der ARGE Wahlen beruht auf einer fiktiven Vergleichsbasis. Sie berücksichtigt Eckdaten aus dem ersten Wahlgang und Annahmen zu den Wählern, die die vier ausgeschiedenen Kandidaten angekreuzt haben. Auf dieser Basis werden bis auf Gemeindeebene hinunter die erwarteten Stärkeverhältnisse zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen berechnet. Womit man über ein fiktives Wahlergebnis für jede Gemeinde verfügt. Davon ausgehend wird festgelegt, wie die nach und nach einlangenden Resultate der Stichwahl zu gewichten sind.

Wichtig sind fiktive Ergebnisdateien, weil anfangs nur Teilergebnisse aus kleinen ländlichen Gemeinden mit frühem Wahlschluss vorliegen. Diese kann man aber nicht 1:1 auf die größeren Gemeinden übertragen. Um trotzdem schon bei einem Auszählungsgrad von zwei bis drei Prozent aussagekräftig hochrechnen zu können, setzt man auf Erfahrungswerte: Aus den Gewinnen bzw. Verlusten der Kandidaten in ländlichen Gemeinden werden für die Städte Ergebnisse „hochgerechnet“.

Ein Sonderfall ist Wien, das allein schon von der Größe her mit keiner anderen Gemeinde vergleichbar ist - und dessen Ergebnisse bei einheitlichem Wahlschluss 17.00 Uhr erst sehr spät vorliegen. Hier behelfen sich die Hochrechner mit einer „demoskopischen Schätzung“. Diese Prognose wird am Wahltag in Relation zu den bereits eingegangenen Ergebnissen aus den anderen Bundesländern gestellt, auch die Ergebnisse aus den Wiener Umlandgemeinden fließen ein.

Die Experten der ARGE Wahlen bereiten sich für den 22. Mai auf alle Fälle vor - um auch bei einem unerwarteten Wahlausgang die richtige Vergleichsbasis zur Hand zu haben. Sie bereiten sich auf alle drei Szenarien vor: „Hofer deutlich vor Van der Bellen“, „Kopf-an-Kopf“ und „Van der Bellen deutlich vor Hofer“. Sobald am Wahltag gegen 13.00 Uhr die ersten 50 Ergebnisse aus Kleingemeinden vorliegen, wird entschieden, welche Vergleichsbasis zum Einsatz kommt - und die Hochrechnung entsteht.

Die ARGE Wahlen ist ein Zusammenschluss mehrerer unabhängiger Meinungsforscher und Statistik-Experten. Seit 1999 liefert die Arbeitsgruppe Hochrechnungen, seit 2008 auch für die APA.