Internationale Pressestimmen zur Brexit-Debatte

London (APA/dpa) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Montag mit der Brexit-Debatte in Großbritannien und dem EU-Hitler-Vergle...

London (APA/dpa) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Montag mit der Brexit-Debatte in Großbritannien und dem EU-Hitler-Vergleich des Londoner Ex-Bürgermeisters und Austrittsbefürworters Boris Johnson. Die britische „Times“ schreibt:

„Selbst wenn man bereit wäre zu akzeptieren, dass ein einheitlicher europäischer Staat das Hauptziel des Dritten Reichs war..., sollte man sich daran erinnern, dass dies tatsächlich nicht das erklärte Ziel der Europäischen Union oder der Befürworter des Verbleibs Großbritanniens in der EU ist. Johnson weiß das. Wenn er etwas anderes behauptet, egal ob mit Hitler oder ohne, will er nicht informieren, sondern erschrecken. (...)

Großbritannien hat Besseres verdient als das schrille Punktesammeln, in das diese Debatte abgeglitten ist. In sechs Wochen wird unsere Entscheidung fallen. Die Öffentlichkeit verlangt Fakten, Analysen und nüchterne Prognosen zu den zwei gänzlich glaubhaften Wegen für unsere Zukunft. Lasst dabei Hitler aus dem Spiel.“

„La Stampa“ (Turin):

„Für die Historiker hat die europäische Integration dazu beigetragen, in dem Kontinent nach Jahrhunderten der Konflikte und zwei Weltkriegen Frieden einkehren zu lassen. Für Boris Johnson hingegen verfolgt die EU die gleichen Ziele wie Hitler: Den Aufbau eines Superstaates. Und dagegen hat er nicht weniger als den Geist von Churchill beschworen. Der Ex-Bürgermeister von London und Anführer der Pro-Brexit-Bewegung hat den Wahlkampf für das Referendum im Juni neu angefacht. Dieses Mal mit einem Schock-Vergleich, der ihm viel Kritik eingebracht hat. (...)

Aber zu viel Skrupellosigkeit könnte sich auch als Boomerang erweisen. Der Hitler-Vergleich könnte völlig falsch und unangebracht klingen in einem Land, das gegen die tatsächlichen Nazis Krieg geführt hat.“