Regierung „neu“

Kanzler Kern bildet Regierung um: Das sind die neuen Gesichter

Die Ministerrochade in der SPÖ bringt neue Personen ins Rampenlicht. Wir stellen die Regierungsmitglieder des Kabinetts Christian Kern vor.

Wien – Der neue SPÖ-Chef und Bundeskanzler Christian Kern, dessen Angelobung am Dienstagnachmittag stattfindet, bildet die von der SPÖ geführten Ministerien und Ämter in der Regierung um. Nach einigen Absagen – unter anderem von der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik – sind die neuen Regierungsmitglieder nun gefunden.

Ein kurzer Überblick über die Personen, die in naher Zukunft die Geschicke ihrer Ressorts bestimmen sollen.

Sonja Hammerschmid, neue Bildungsministerin

Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek verlässt das Regierungsteam. Ihr folgt Sonja Hammerschmid nach, die Frauenagenden übernimmt hingegen Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser.

Die neue Bildungsministerin Sonja Hammerschmid.
© APA/ROLAND SCHLAGER

Die 47-jährige Sonja Hammerschmid war zuletzt Vorsitzende der Universitätenkonferenz. Sie war erst vor wenigen Monaten als erste Frau in diese Position gewählt worden. Die studierte Biologin arbeitete nach ihrem Doktorat längere Zeit in der Industrie. In einem Mail an ihre Kollegen in der Universitätenkonferenz verabschiedete sich Hammerschmid so: „Österreich steht an einem Wendepunkt. Ich möchte ein wenig dazu beitragen, dass unser Land ein weltoffenes, lebenswertes Land bleibt/wird, in dem Bildung wertgeschätzt und als einzige Chance für Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Frieden erkannt wird.”

Jörg Leichtfried, neuer Infrastrukturminister

Auch Jörg Leichtfried wechselt nach nur wenigen Monaten erneut den Job. Der 48-Jährige war von 2004 bis 2015 EU-Parlamentarier, zuletzt Delegationsleiter. Erst 2015 wurde er als Landesrat für die Agenden Infrastruktur, Umwelt, Sport und Tierschutz in die steirische Landesregierung geholt. Das Infrastrukturressort im Bund übernimmt er von seinem Vorgänger Gerald Klug.

Jörg Leichtfried übernimmt das Infrastrukturressort.
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Ein Schwergewicht ist der studierte Jurist Leichtfried in Verkehrsfragen. Jahrelang war er in diesem Bereich in Brüssel tätig, ist daher europäisch vernetzt und kennt die Vorgaben und Möglichkeiten. Als langjähriger EU-Parlamentarier spricht er sehr gut Englisch und passabel Französisch.

Seine ersten politischen Sporen hatte sich Leichtfried unter Schwarz-Blau verdient. 2000 forderte er als geschäftsführender Bundesvorsitzender der Jungen Generation in der SPÖ sofort den Rücktritt des frischgebackenen Kanzlers Wolfgang Schüssel (ÖVP).

Thomas Drozda, neuer Kanzleramtsminister

Weniger bekannt dürfte der neue Kanzleramtsminister sein. Thomas Drozda übernimmt von Josef Ostermayer auch die Kulturagenden. Der 50-Jährige war zuletzt Generaldirektor der Vereinigten Bühnen. Als studierter Volks- und Betriebswirt war Drozda nach dem Studium bei einem Verlag tätig, ehe er auf einer wissenschaftlichen Position in der Nationalbank landete. Anschließend zog es Drozda bereits einmal in die Politik. Ab 1993 war er zuerst als wirtschaftspolitischer Sprecher im Kabinett Franz Vranitzky tätig, später in derselben Position für Viktor Klima.

Thomas Drozda ist für die Kulturagenden zuständig.
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1998 zog es ihn wieder in die Theaterwelt, seit 2008 war er Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien. Anlässlich seiner Funktionsübernahme bei den VBW hatte ihm die Stadt Wien attestiert, im Burgtheater ein komplexes Programm zur Restrukturierung und Neupositionierung erfolgreich umgesetzt zu haben. Im Zug der Affäre um Silvia Stantejsky, die an der Burg seine Prokuristin und Stellvertreterin war, wurde jedoch mitunter auch eine mögliche Mitverantwortung Drozdas ins Spiel gebracht. Im vergangenen Herbst wiederum standen die VBW wegen ihres Vergabemodus für Bühnenbilder und Kostüme in Kritik. Drozda betonte damals jedoch, dass man das Vergabegesetz stets eingehalten habe.

Mit Josef Ostermayer verdrängt Drozda einen engen Vertrauten des ehemaligen Kanzlers Werner Faymann.

Muna Duzdar, neue Staatssekretärin

Zu einer Premiere kommt es im Staatssekretariat. Hier übernimmt mit Muna Duzdar erstmals eine Frau mit Migrationshintergrund eine vergleichbar hohe Position im Staat. Die Eltern von Duzdar stammen aus Palästina. Die 37-jährige studierte Juristin saß zuvor für die SPÖ im Wiener Landtag bzw. Gemeinderat und war auch im Bundesrat tätig. Die Wienerin ist Muslimin, aber laut eigenen Angaben nicht religiös.

Muna Duzdar übernimmt das Staatsekretariat.
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Duzdar galt als eine der schärfsten Kritikerinnen des Kurses von Kanzler Faymann. Nicht zufrieden war Duzdar etwa damit, dass die Partei keine Wahlempfehlung für Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen ausgab. Sie machte weiters keinen Hehl daraus, dass der „180-Grad-Schwenk“ in der Asylpolitik für „Verärgerung“ in der Partei gesorgt hat. In einem Posting nahm sie schließlich aber den Parteichef direkt ins Visier. Sie kritisierte die „jahrelange Inseratenpolitik“ Faymanns und forderte unmissverständlich eine „personelle Erneuerung“. (tt.com/APA)