Völs sucht weiter nach Hausarzt
Mit 30. Juni geht einer der zwei Völser Allgemeinmediziner in Pension. Seine Stelle wurde nun zum dritten Mal ausgeschrieben.
Völs –Überaus zäh gestaltet sich die Nachbesetzung einer Vertragsarztstelle in Völs, im Sommer könnte sogar ein vorübergehender Ärztemangel drohen: Denn mit 30. Juni geht der Völser Allgemeinmediziner Norbert Benesch nach 35 Jahren in den Ruhestand – und seine Nachfolge ist weiterhin ungeklärt.
Dabei hatte Benesch die Ärztekammer bereits im Juli 2015 über seinen Schritt informiert. Und das Interesse war prinzipiell groß: Bei der ersten Ausschreibung meldeten sich neun Bewerber. Die Stelle wurde einem in Völs lebenden Arzt zugesprochen, der dann jedoch zurückzog. Bei der folgenden Ausschreibung wurde erneut derselbe Mediziner an erster Stelle gereiht – und verzichtete wieder. Knackpunkt war in beiden Fällen offenbar die Suche nach einer geeigneten, leistbaren Lokalität für die Praxis. Beim zweiten Mal hat laut Ärztekammer auch die zweitgereihte Ärztin verzichtet. Vergangenen Freitag wurde die Stelle daher bereits zum dritten Mal ausgeschrieben.
„Uns läuft die Zeit davon“, warnt der Völser Gemeinderat Franz Köfel (Franz Köfel & Team). Die Ausschreibungsfrist betrage drei Wochen, der oder die Erstgereihte werde also erst im Juni davon erfahren. Dann stehe wiederum die Suche nach Praxisräumlichkeiten an – „und Vorbereitungszeit braucht ein neuer Arzt auch“. Bis 1. Juli „wird sich das nicht ausgehen“, bilanziert Köfel. „Dann hat Völs mit 6700 Einwohnern nur einen Allgemeinmediziner.“ Dieser werde „wohl kaum imstande sein, zusätzlich die Patienten von Dr. Benesch zu übernehmen“ – zumal er ja auch auf Sommerurlaub gehen werde. Und Auspendeln, etwa nach Kranebitten, sei älteren Völser Patienten nicht zumutbar. „Dabei hat die Ärztekammer seit zehn Monaten Bescheid gewusst“, kritisiert Köfel, der sich auch an Gesundheitsministerium und Landeshauptmann gewandt hat, „um Druck aufzubauen“.
„Es gibt ein sehr formales Vergabeverfahren, das per Verordnung geregelt ist“, erklärt Kammeramtsdirektor Günter Atzl von der Ärztekammer für Tirol. „Über diese Verordnung können wir nicht einfach hinweggehen“ – das Ergebnis der Ausschreibung könne sonst ja auch angefochten werden. Leistbare Praxisräume zu finden, werde in Tirol aufgrund der hohen Mietkosten generell „zunehmend schwierig, gerade in Ballungszentren“, meint Atzl, der dennoch zuversichtlich ist: „Wenn sich jemand bewirbt und Räume findet, dann sollte es sich mit 1. Juli ausgehen.“ Alle Seiten – die Gemeinde, die Sozialversicherung – seien „sehr konstruktiv. Gemeinsam werden wir das schaffen.“
Dieser Ansicht ist auch BM Erich Ruetz (VP): „Wir sind seit Jahreswechsel ständig in intensivem Kontakt mit Ärztekammer und Krankenkassen, um eine Lösung zu finden.“ Die Lage sei „schwierig“, er sei aber „nach wie vor überzeugt, dass wir mit 1. Juli einen Nachfolger haben“, so Ruetz. (md)