BP-Wahl: Hitlerbärtchen oder Herzerl - Graffitiforschung zu Plakaten
Wien (APA) - Liebesbekundungen mit Herzerl oder Beschimpfungen und Hitlerbart, die Plakate zur Bundespräsidentenwahl werden dieser Tage wied...
Wien (APA) - Liebesbekundungen mit Herzerl oder Beschimpfungen und Hitlerbart, die Plakate zur Bundespräsidentenwahl werden dieser Tage wieder künstlerisch ergänzt. Mit dieser inoffiziellen Kommunikation beschäftigt sich das Institut für Graffiti-Forschung und Gründer Norbert Siegl. Er bestätigt, dass es gegen Plakate von Norbert Hofer eine „massive Welle“ gab, aber nicht nur gegen ihn.
Laut Siegl setzte es gegen den Freiheitlichen Kandidaten seit Wahlkampfstart „sehr heftige“ Aktionen, in den letzten Tagen vor der Stichwahl zeigen aber auch die Plakate des früheren Grünen-Chefs Alexander Van der Bellen zahlreiche Aufschriften. Es gebe jedoch einen entscheidenden Unterschied, so Siegl zur APA, denn der Kampf gegen Hofer-Plakate habe einen „völlig anderen Charakter“ als jener gegen Van der Bellens Sujets. „Bei Hofer wird alles in den Rechtsextremismus- und Nazi-Kontext gestellt“, verwies er etwa auf Hitlerbärtchen oder Nazi-Beschimpfungen. Beim Mitbewerber hingegen gehe es in den Aktionen häufig um sachliche Inhalte, indem etwa seine Haltung in der Flüchtlingspolitik oder er als Anti-Patriot kritisiert wird.
Auffällig ist für den Graffiti-Forscher auch, dass sich auf den Van der Bellen-Sujets oft positive Stellungnahmen finden, etwa als Verstärkung der Wahlwerbung. Üblicherweise seien die Interventionen auf den Plakaten eher negativ, denn das Lob finde sich ja ohnehin in der Werbung. Dokumentiert sind etwa Plakate des früheren Grünen-Chefs mit Aufklebern „Professor Präsident“ oder „He‘s the one!“ sowie „We love you“-Aufschriften.
Siegl beobachtet seit 30 Jahren Wahlkämpfe, tourt durchs Land und dokumentiert Plakate. Er meint, dass sich bei den Graffitis nicht allzu viel verändert hat. Die gewaltigste Welle habe es vor der Volksabstimmung zum EU-Beitritt Österreichs gegeben, denn an diesen Aktionen seien nicht nur Privatpersonen, sondern auch Organisationen beteiligt gewesen. „Die große diffuse Aggression gegen die Politik schlägt in Vandalismusakten nieder. Es gibt kein Schimpfwort, das nicht untergekommen ist“, auch kreative neue Kreationen seien dabei gewesen, stellte Siegl fest.