Hollande bekräftigt Unterstützung für AKW-Projekt in Großbritannien
Paris/London (APA/AFP) - Frankreichs Präsident François Hollande hat seine Unterstützung für den umstrittenen Bau des Atomkraftwerks Hinkley...
Paris/London (APA/AFP) - Frankreichs Präsident François Hollande hat seine Unterstützung für den umstrittenen Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point in Großbritannien durch den französischen Energiekonzern EDF bekräftigt. „Ich befürworte den Bau“, sagte Hollande am Dienstag in einem Interview mit dem französischen Radiosender Europe 1. Hollande verwies auf die Bedeutung des Atomsektors für Frankreichs Wirtschaft.
Die Gewerkschaften sehen das Projekt zur Errichtung von zwei Atomreaktoren in Hinkley Point in der Nähe von Bristol im Südwesten Englands angesichts der hohen Kosten von mehr als 23 Milliarden Euro skeptisch. Die EDF-Führung habe die Arbeitnehmer einbezogen, in den kommenden Wochen werde ein Expertengutachten vorliegen, sagte Hollande.
Der Staatskonzern EDF hatte im April angekündigt, den Betriebsrat in die Entscheidung über das Projekt in Großbritannien einzubeziehen, wie dies Gewerkschaften seit langem gefordert hatten. Der Betriebsrat gab vergangene Woche eine externe Untersuchung in Auftrag, wodurch sich die zuletzt für September erwartete endgültige Entscheidung über den Bau weiter hinauszögern könnte.
Hollande sagte, Frankreich brauche eine hoch entwickelte und sichere Atomindustrie. Man dürfe nicht anderen Ländern dieses Terrain überlassen, auch mit Blick auf den Export. „Die französische Atomindustrie, das sind 200.000 Arbeitsplätze, das ist unsere energetische Unabhängigkeit“, sagte Hollande. Die Atomsparte sei Frankreichs „Zukunft“ - „aber nicht unsere einzige Zukunft“, fügte er hinzu. Zugleich werde verstärkt in erneuerbare Energien investiert.
Gegen das Vorhaben gibt es aber auch innerhalb der französischen Regierung Vorbehalte. Umweltministerin Segolene Royal hatte sich vergangene Woche beunruhigt über die „riesigen Summen“ geäußert, um die es geht, und die Frage gestellt, ob an dem Projekt festgehalten werden müsse. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, ein Unterstützer des Vorhabens, sagte, man dürfe die Entscheidung „nicht auf die leichte Schulter“ nehmen.
Der Bau von Hinkley Point ist umstritten. Österreich und andere Staaten klagen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die milliardenschweren Staatssubventionen für das Projekt.