Eine luftige Angelegenheit im Zillertal
Einen neuen Klettersteig gibt es seit Kurzem in Zell am Ziller: Nicht am Ziller, sondern entlang der beeindruckenden Schlucht des Talbaches hat die Bergrettung eine interessante Anlage geschaffen.
Von Irene Rapp
Zell am Ziller –Klettersteige sind in den vergangenen Jahren wie Schwammerln aus dem Boden geschossen, und erst vor Kurzem freigegeben wurde eine weitere Anlage – der Talbach-Klettersteig in Zell am Ziller. Im Auftrag der TVBs Zell-Gerlos und Mayrhofen-Hippach hat die Bergrettung entlang der beeindruckenden Schlucht des Talbaches einen Via Ferrata geschaffen, der mehrere Pluspunkte aufzuweisen hat.
Infos zur Tour
Ausgangspunkt: Zell am Ziller (575 m), Parkplatz bei der Jausenstation neben dem Talbach (650 m), gleich daneben befindet sich eine Bogenschießanlage und der Einstieg zum Klettersteig. Vollständige Kletterausrüstung erforderlich, nicht ohne Helm in die Anlage.
Angaben zum Klettersteig: 115 Höhenmeter, Schwierigkeit A (leicht) bis D/E (sehr schwierig), Zustieg: eine Minute; Abstieg: 15 Minuten; viele Ausstiegsmöglichkeiten; Dauer: 1 Stunde.
Einkehrmöglichkeiten: bei der Jausenstation (ab Ende Mai täglich von 8 bis 22 Uhr geöffnet) oder im Dorf.
Das Abenteuer beginnt gleich neben dem Parkplatz etwas außerhalb des Dorfzentrums von Zell. Zahlreiche Ausstiegsmöglichkeiten sorgen dafür, dass niemand überfordert wird. Der Klettersteig selbst ist überwiegend mit dem Schwierigkeitsgrad C ausgewiesen. Nicht zu vergessen zwei Seilbrücken und das tosende Wasser.
Wir sind den Klettersteig am vergangenen Montag gegangen und trotz des bescheidenen Wetters war er gut besucht. So etwa von der Innsbruckerin Claudia Schmid, die schon 270 verschiedene Klettersteige in Europa geklettert ist und von dieser kleinen, aber feinen Anlage im Zillertal sehr beeindruckt war. „Technisch reizvoll und auch die Klammer-Tritte sind gut gesetzt“, so die Klettersteig-Begeisterte.
So kommt man hin: durch den Ortskern von Zell fahren, über den Ziller, dann links halten und gleich nach dem Gasthaus Zapfenhof und dem Passieren der Talbachbrücke die Straße rechts hinauf. Schon von Weitem kann man dann eine Jausenstation auf der rechten Seite erkennen, dort befindet sich ein großer Parkplatz. Von hier sind es nur wenige Sekunden bis zum Einstieg, der gleich mit einem Kick startet – nämlich einer 25 Meter langen Dreiseil-Brücke über den Talbach.
Das Interessante an dieser Anlage ist, dass Start und Ende über eine Seilbrücke führen und es sich dazwischen ordentlich steigert. Denn die zweite Seilbrücke im oberen Bereich ist um einiges länger und beeindruckender, weil sie höher über die Schlucht führt. Auch vibriert sie immer leicht, für schwache Nerven ist das sicher nichts.
Zurück zur ersten Brücke: Wer diese lieber auslässt, hat die Möglichkeit, über eine weiter unten über den Bach führende Holzbrücke zu gehen. Wie überhaupt der Klettersteig immer wieder die Möglichkeit bietet, mittendrin aufzuhören. So kann man etwa vor dem Hauptteil über eine Holzbrücke und dann eine hohe, ebenfalls relativ neue Holzkonstruktion die Schlucht hinaufsteigen, Zuschauer sind den Klettersteiggehern aufgrund dieser Möglichkeit daher gewiss.
Nach der ersten Seilbrücke auf normalem Wege weiter zu kleinen Felsen, die hier in einem Linksbogen geklettert werden, die Schwierigkeit steigert sich dabei von A/B bis D/E, und da kommt man schon ein wenig ins Schwitzen – allerdings muss man auch dieses kurze, schwierige Stück nicht klettern.
Weiter geht es auf einem kleinen Weg hinunter in die Schlucht, vor der Holzbrücke über den Talbach steigt man dann rechts in den Klettersteig ein. Der Fels ist gut, alles ist ordentlich ausgeputzt, und auch die Schwierigkeit mit B/C bis C/D bewältigbar. Am meisten fasziniert jedoch der Talbach, der derzeit besonders viel Wasser führt und an einigen Stellen kann man sogar die Gischt spüren.
Nach diesem längeren Hauptteil ist sie dann schon zu sehen, die beeindruckende zweite Seilbrücke und ich muss gestehen, allzu oft in die Tiefe schauen durfte ich an dieser Stelle auch nicht. Trotzdem: Diese Brücke ist ein Hit. Und wie das Tüpfelchen auf dem i gibt es dann zum Schluss noch einige kaminartige Meter zu klettern (C/D), bis dann endgültig das Ende des Klettersteigs erreicht ist.
Auf dem Normalweg über die Holztreppe bzw. -brücke geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt, den man in 15 Minuten erreicht hat. Die offizielle Eröffnung des Klettersteiges samt Festakt, Segnung durch Pfarrer und kleiner Vorführung der Bergrettung Zell erfolgt übrigens am 12. Juni. Und in wenigen Wochen dürfte dann auch die „kahle“ Stelle im Wald nach der ersten Seilbrücke wieder grüner aussehen: Ein Windwurf ist dafür verantwortlich, dass dort alle Bäume geknickt wurden, erzählen Anrainer. Ein Topo vom Klettersteig findet man übrigens u. a. auf der Homepage www.bergsteigen.com. Fazit: Besuchenswert!