„Fallen Angeles“: Dylan wird 75 und ist in melancholischer Stimmung

Wien (APA) - Bob Dylan wird am 24. Mai 75 Jahre alt. Eine seiner besten Platten, das bahnbrechende erste Doppelalbum der Popgeschichte, „Blo...

Wien (APA) - Bob Dylan wird am 24. Mai 75 Jahre alt. Eine seiner besten Platten, das bahnbrechende erste Doppelalbum der Popgeschichte, „Blonde On Blonde“, hat ebenfalls ein rundes Jubiläum - es erschien vor 50 Jahren. Es gibt noch mehr zu feiern: Am Freitag kommt die LP „Fallen Angels“ in den Handel. Wie auf dem Vorgänger „Shadows In The Night“ covert Dylan US-Evergreens. Und doch ist es keine Wiederholung.

„Fallen Angels“ ist, wie eigentlich alle Dylan-Alben seit 1992, als er vor seinem großen Comeback mit „Time Out Of Mind“ (1997) zwei Tonträger mit alten Folk-Liedern herausbrachte, völlig aus der Zeit gefallen. Oder zeitlos, wie man will. Zum zweiten Mal in Folge macht sich der Künstler Songs aus dem amerikanischen Songbuch zu Eigen, zwölf Stück diesmal, elf davon hatte auch Frank Sinatra in seinem Repertoire (nur „Skylark“ nicht, das sangen u.a. Bing Crosby, Aretha Franklin und Linda Ronstadt). Geschrieben wurden die Lieder von Größen ihres Metiers wie Sammy Cahn, Johnny Mercer und Jimmy Van Heusen.

Das im Voraus mit drei anderen Liedern für eine Japantour und den Record Store Day als eine Vinyl-Single ausgekoppelte „Melancholy Mood“ ließ darauf schließen, dass Dylan auch auf „Fallen Angels“ in melancholischer Stimmung schwelgt. Tut er auch. Aber im Gegensatz zum oft schwermütigen, nach Einsamkeit und dunkler Nacht klingenden „Shadows In The Night“ ist der Nachfolger von Licht durchflutet und leichtfüßig in seinen Arrangements, voll von süßer Erinnerung und Optimismus.

Wo sich auf „Shadows In The Night“ Resignation breitmachte („The Night We Called It A Day“ oder „I‘m A Fool To Want You“), findet man auf „Fallen Angels“ eine ganz andere Stimmung, wie der Opener „Young At Heart“ gleich zu Beginn klarstellt: „Fairy tales can come true“ (Märchen können wahr werden). Die Tourband Dylans tänzelt lässig durch Stücke wie „All Or Nothing At All“, „Polka Dots And Moonbeams“ oder „That Old Black Magic“. Ihr Chef croont herzerwärmend, mit einer Stimme, bei der es nicht um technische Perfektion geht, sondern der man jede Zeile glaubt.

„Fallen Angels“, die 37. Studio-Langspielproduktion Dylans, wird keinen Fan wirklich überraschen. Denn bereits bei den Konzerten in den vergangenen Monaten hat der bald 75-Jährige immer mehr Lieder aus dem Songbook eingebaut und dafür Eigenkompositionen weggelassen. So mancher Track aus dem neuen Album war da schon zu hören, was eine schlüssige, wunderbare Setlist ergab. Dass Dylan auf diesem Teil der „Never Ending Tour“ nicht in kalten Hallen, sondern schönen Theatern auftrat, machte Sinn.

Im Gegensatz zu manchen Kollegen, die das große amerikanische Songbook kommerziell ausschlachten, geht es Dylan um eine Neuerfindung dieser Lieder, nicht um aalglattes, langweiliges Karaokesingen. Nicht immer spielt das Leben einem schön mit, da kann einem der Wind mitunter ins Gesicht blasen, wie Dylans knarrige Stimme durch „It Had To Be You“ poltert. Authentisch. Nicht jeder mag das verstehen, das war beim Debüt von „Blonde On Blonde“ auch nicht anders. „Das Leben wird mit jedem verstrichenen Tag aufregender“, freut sich Dylan (Zeile aus „Melancholy Mood“).

Den nostalgischen Blick auf die eigene Karriere überlässt Dylan anderen. Etwa dem Fotografen Daniel Kramer, der einen gediegenen und luxuriösen Bildband zusammengestellt hat. „Bob Dylan: A Year and a Day“ enthält auf 288 Seiten 140 Fotos des Musikers. Ein Jahr begleitete Kramer den ganz jungen Dylan im Studio, bei Konzerten, privat in Woodstock und in den Straßen New Yorks und hielt mit seiner Kamera Schlüsselmomente in der Karriere des Künstlers fest - etwa Dylans erste Soloshow mit elektrischer Gitarre. Eine streng limitierte, kostspielige Edition des 1967 erschienenen Portfolios wurde um bisher unveröffentlichte Bilder - etwa Outtakes von den Fotosessions für das Coverartwork der Alben „Bring It All Back Home“ und „Highway 61 Revisited“ - ergänzt.

(S E R V I C E - Offizielle Internetseite Bob Dylans: http://bobdylan.com - Buch: „Bob Dylan: A Year and a Day“, Taschen, 288 Seiten, Hardcover in einer Kassette, auf zwei verschiedenen Papiersorten gedruckte Collector‘s Edition, limitiert auf 1.765 nummerierte Exemplare, signiert vom Fotografen Daniel Kramer, 500 Euro)