WKÖ: Zuwanderer am Arbeitsmarkt als Brückenbauer für Exportwirtschaft

Wien (APA) - Für gut ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund ist es oftmals schwer, hierzulande einen passenden Job zu finden. Beson...

Wien (APA) - Für gut ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund ist es oftmals schwer, hierzulande einen passenden Job zu finden. Besonders das Fehlen von Netzwerken wird für den Einstieg in den Arbeitsmarkt häufig zum Stolperstein. Dabei sind Zuwanderer „Brückenbauer für die österreichische Exportwirtschaft“, erklärte WKÖ-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser am Mittwoch vor Journalisten.

Die Erwerbstätigenquote von Menschen mit Migrationshintergrund liegt am heimischen Arbeitsmarkt bei 64 Prozent, jene von Menschen ohne Migrationshintergrund beträgt 73 Prozent. „Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft sind deutlich öfter arbeitslos als Österreicher. War die Arbeitslosenquote von Österreichern zuletzt bei 8,3 Prozent, so lag sie bei Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft mit 13,9 Prozent deutlich höher“, so S-Vorstand Johannes Kopf. Dafür verantwortlich seien vor allem mangelhafte Sprachkenntnisse, die lückenhafte Anerkennung von Qualifikationen sowie das Fehlen von Netzwerken und unzureichende informelle Kenntnisse über den Arbeitsmarkt.

Mehr als ein Viertel der Beschäftigten mit Migrationshintergrund ist unter ihrer Qualifikation beschäftigt. Dabei gibt es in etlichen Branchen und Regionen einen Fachkräftemangel und auch viele Lehrstellen können nicht besetzt werden. Qualifizierte Migranten stellen somit ein großes Arbeitskräftepotenzial für die heimische Wirtschaft dar. Gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds und dem AMS bietet die WKÖ ein Spezialprogramm namens „Mentoring für MigrantInnen“ an.

Unterstützt werden gut ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund, in den letzten Jahren lag das Hauptaugenmerk auf Zuwanderern aus Europa. Die Anforderungen für sogenannte „Mentees“ sind hoch: Neben Zugang zum Arbeitsmarkt sind zumindest ein Lehrabschluss und Deutschkenntnisse notwendig. „Es handelt sich hier um ein Spezialprogramm für Hochausgebildete“, erläuterte Kopf.

Diese werden von Mentoren sechs Monate lang begleitet. Mentoren sind „in der Wirtschaft etablierte Menschen mit ausreichend beruflicher Erfahrung und sozialer Kompetenz“, so Hochhauser. Ziel ist es, den Menschen „das Rüstzeug für eine erfolgreiche Jobsuche“ zu geben, sie beim Aufbau eines Netzwerks zu unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Auch die Mentoren selbst, oft Unternehmer aus den unterschiedlichsten Branchen, können, insbesondere bei der Ausweitung ihrer Auslandsaktivitäten und interkulturellen Kompetenzen, vom Programm profitieren. Im letzten Durchgang 2015/2016 wurden 229 „Mentees“ im Rahmen des Programms begleitet, über 20 Prozent davon waren Flüchtlinge. Auch heuer soll ein Flüchtlingsschwerpunkt gesetzt werden.

Ende April waren 23.500 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte beim Arbeitsmarktservice gemeldet. Die zunehmende Anzahl von Flüchtlingen sieht Hochhauser als Chance für die heimische Wirtschaft, besonders im Hinblick auf die Internationalisierung. Sie betonte auch, dass Integration nur mit Zugang zum Arbeitsmarkt funktionieren kann.

„Dazu bedarf es Deutschkenntnisse, notwendige Qualifikationen, den Willen sich zu engagieren und Arbeitsdisziplin, aber auch unbürokratischere Verfahren zur Anerkennung von bereits mitgebrachten Qualifikationen. Auch mit dem neuen Anerkennungs- und Bewertungsgesetz wurden hier Weichen für kürzere Verfahren gestellt“, verwies ÖIF-Geschäftsführer Franz Wolf auf Änderungen bei der Nostrifikation.

Auch Kopf hob hervor, dass Asylwerber schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden müssen. „Je länger die Asylverfahren dauern, desto schwieriger wird es“, sagte er im Hinblick auf die Dauer der Verfahren.

Jene, die noch auf einen positiven Bescheid warten, können lediglich Saisonarbeit im Gastgewerbe oder in der Landwirtschaft leisten. Dafür ist eine Beschäftigungsbewilligung erforderlich, die in aller Regel nur für die Dauer von sechs Monaten erteilt wird.

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http://wko.at ~ APA392 2016-05-18/14:49