Prozess wegen tödlichen Streits 2 - Verteidiger: „Kein Mordmotiv“
Salzburg (APA) - Der Verteidiger des 16-Jährigen, Wolfgang Hauptmann, konnte kein Motiv für einen Mord erkennen. Sein Mandant leugne nicht, ...
Salzburg (APA) - Der Verteidiger des 16-Jährigen, Wolfgang Hauptmann, konnte kein Motiv für einen Mord erkennen. Sein Mandant leugne nicht, dass er zugestochen habe. „Aber welche Gründe sollte ein damals 15-Jähriger haben, einen Erwachsenen, den er nicht kannte, mit dem Messer zu töten? Er hatte kein Mordmotiv. Er hat in Notwehr, in Nothilfe gehandelt“, erklärte der Rechtsanwalt.
Die Afghanen seien vielleicht zahlenmäßig überlegen gewesen, „aber kräftemäßig waren sie unterlegen“, verwies Hauptmann auf die großteils zierlichen Burschen der afghanischen Gruppe und einige korpulent wirkende, türkische Beschuldigte. Diese hätten einen Meter lange Holzstöcke in den Händen gehalten, da sei man mit einem Messer im Nachteil gewesen, meinte der Verteidiger.
„Mein Mandant wurde von zwei Türken attackiert, er hat sich gefürchtet“, sagte Hauptmann. Erst während der Auseinandersetzung im Park habe er ein Messer genommen und dieses dann vor sich hingehalten, um sich Distanz zu den Kontrahenten zu verschaffen. Dass sich die türkischen Gegner laut Staatsanwalt bereits in einer „Fluchtbewegung“ befanden, als der 16-Jährige mit dem Messer zugestochen habe, stimme nicht, betonte der Anwalt. „Das war in der aggressiven Phase von beiden Seiten.“ Sein Mandant habe in Abwehr gehandelt, um einen in Not befindlichen, 16-jährigen Afghanen zu helfen, der gerade attackiert worden sei.
Der Verteidiger eines 17-jährigen Afghanen, Michael Hofer, bezeichnete die Schlägerei in dem Park gar als „Salzburger Variante der West Side Story“. Es handle sich um ein Eifersuchtsdrama, das tragisch endete, sagte der Rechtsanwalt. Der 17-Jährige sei „in der Hauptsache“ nicht dabei gewesen, „am Tatort wurde keine einzige DNA-Spur von ihm gefunden“.
Jener 19-jährige Afghane, der den Sohn des späteren Todesopfer am Vortag geschlagen haben soll, gesteht diese Tat auch ein, wie sein Verteidiger Johann Meisthuber sagte. Zu den anderen Vorwürfen sei er aber nicht geständig. Der Bursch sei deshalb in den Park gekommen, um sich bei den Türken für den Vorfall am Vortag zu entschuldigen. Es habe kein bewusstes Zusammenwirken der Beteiligten im Park gegeben, die Anklage sei nur eine Version des Staatsanwaltes, aber kein Dogma. „Dass es zu dem tragischen Vorfall gekommen ist, bedauert mein Mandant sehr.“
Doch keiner der Beteiligten habe die Folgen und Konsequenzen vorhersehen können, meinte Meisthuber. „Hier geht es um falsches Ehrgefühl. Wir haben es mit zwei Parallel-Gesellschaften zu tun. Es geht um ethnisch-kulturelle Divergenzen, um Eitelkeiten in Bezug auf die Ehefrau oder die Freundin, die besondere Emotionen hervorrufen.“
Bei dem Prozess sollen insgesamt 59 Zeugen aussagen. Vorerst sind 18 Verhandlungstage anberaumt. Morgen, Donnerstag, wird mit der Einvernahme der Angeklagten begonnen.