Nach Bundesliga-Abschied

Tiroler Widerstand gegen Grödig und Austria Salzburg

Die Fans von Austria Salzburg kommen, wie hier in Wattens, wieder auf Tirols Westligisten zu.
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Der Lizenzverzicht des SV Grödig und die Insolvenz von Austria Salzburg werfen von der Westliga abwärts eine Vielzahl an Fragen auf.

Von Alex Gruber

Innsbruck – Die Textnachricht von Peter Angerer, seines Zeichens Obmann des Tiroler Fußball-Westligisten SC Schwaz, ließ eine gehörige Portion Sarkasmus erkennen: „Da sich offensichtlich jetzt jeder Verein selbst aussuchen kann, in welcher Liga er spielen kann, möchte ich (dich) als Erster exklusiv darüber informieren, dass der SC Eglo Schwaz nächstes Jahr in der Bundesliga spielen will. Wir gehen auch davon aus, dass wir einen Startplatz für die Champions-League-Quali erhalten ...“

Der Bundesliga-Lizenzverzicht des SV Grödig, wie Austria Salzburg aus Insolvenzgründen, der zwei Klubs ohne sportliche Notwendigkeit in die Westliga schwemmen könnte, ließ Angerer zum Sarkasmus greifen, er legte sachlich nach: „Die Problematik mit Austria Salzburg und den Fans kommt wieder auf uns zu. Meiner Meinung nach ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass Grödig in der Westliga landet. Es heißt, hinten anstellen. Es gibt ja einen sportlichen Auf- und Abstieg. Ich hoffe, dass sich der Landesverband für uns einsetzen wird.“

Die Causa brennt. Theoretisch sind in dieser Saison bis zu fünf RLW-Absteiger möglich, falls Austria Klagenfurt doch noch die Bundesliga-Lizenz erhält und Westliga-Meister Wattens in der Relegation landet. Wahrscheinlicher ist der Fall, dass es bis zu vier Absteiger gibt, wenn Austria Salzburg und Grödig in der Westliga landen. Darüber wird eine Sitzung der Regionalliga-Kommission am 30. Mai in Salzburg beraten. TFV-Präsident Josef Geisler macht sich schon im Vorfeld für die Tiroler Klubs stark: „Ich werde alle Tiroler Vereine fragen, wie sie zu der Thematik Austria Salzburg, SV Grödig und einer etwaigen Aufstockung der Westliga auf 18 Klubs in der neuen Saison stehen.“

Eine Aufstockung denkt Geisler im Falles des „worst-case-Szenarios“ an. Austria Salzburg will der Jurist aufgrund der Fanproblematik sowie horrender Sicherheitskosten nicht haben: „Daraus mache ich keinen Hehl.“

In Sachen Insolvenz entscheide aber jeder Landesverband autonom, sprich, der Zwangsabstieg, den der TFV nach dem Konkurs des SV Axams in den Statuten verankert habe, stehe so nicht in jenen der Verbände aus Salzburg und Vorarlberg niedergeschrieben. Eine Abstimmung unter den drei Landesverbänden werde über Austria Salzburg und Grödig entscheiden. „Ein vierter Absteiger, egal woher er kommt, könne aber keinem egal sein. Sonst liegt man falsch beim überregionalen Denken“, fordert Geisler beim Blick nach oben Solidarität in der Drittklassigkeit ein.

Denn die Zahl der Absteiger erhöht sich nach den Unregelmäßigkeiten bei den Profiklubs in einem der drei Bundesländer im Unterhaus mit Sicherheit. Und was können die Amateure dafür?

Kolumne: Kirchlers Sicht

Willkommen, Wattens!

Endlich! Die WSG Wattens spielt erstmals seit 2001 wieder in der zweithöchsten Liga – eine weitere Plattform für unsere besten Talente! Das freut mich sehr, Insider kennen meine Vergangenheit bei den Wattenern. Gott sei Dank bleibt der WSG diese Relegation diesmal erspart, Blau Weiß Linz wäre ein starker Gegner gewesen. Für mich ist diese Art der Aufstiegsentscheidung sowieso der größte Witz – sie hat mich 2012 als ungeschlagener Meister selbst betroffen.

Ein Restrisiko bleibt zwar bis zur Entscheidung des Ständig Neutralen Schiedsgerichts (31.5.) bestehen, aber den gleichen Fehler wie letztes Jahr wird sich die Bundesliga nicht erlauben. Damit meine ich die Erteilung der Spielerlaubnis für Austria Klagenfurt. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die Probleme mit Austria Salzburg samt diesjährigem Zwangsabstieg.

Wattens kann schon mit den Planungen für die Erste Liga beginnen, der Rest ist ein Formalakt. Ganz Fußball-Tirol kann sich ab nächs­ter Saison wieder auf ein legendäres Tiroler Derby freuen, von denen mein Vater und andere „alte“ Wattener oft erzählten ...

Der ehemalige FC-Tirol-Spiele­r, Wacker-­Trainer und Nationalspieler Roland Kirchler kommentiert für die TT das Fußball-Geschehen.