Neue Rolle für Alpenländer
Der Alpenraum mit seinen Regionen ist ein Hauptakteur bei der Versorgung Europas mit erneuerbarer Energie. Das „Energieforum“ in Bozen lieferte neue Denkansätze.
Bozen, Alpbach –Zukünftigen Energiestrategien im Alpenraum standen im Zentrum des „Energieforums Alpenraum“ in Bozen. Ausgerichtet vom Landesressort für Raumentwicklung, Umwelt und Energie gemeinsam mit dem „Europäischen Forum Alpbach“, knüpfte die Veranstaltung an das „Energieforum Alpenraum 2014“ in München an, bei dem erste Bausteine für eine „Energievision Alpenraum 2030“ entwickelt wurden.
Mehrere Elemente kennzeichnen derzeit die Energiepolitik auf europäischer Ebene: Die Energiemärkte sind von zunehmender Volatilität gekennzeichnet und werden dies auch in Zukunft sein. Die Energiewirtschaft entwickelt sich immer mehr in Richtung Energiedienstleister, wobei viele neue Businessmodelle entstehen. In diesem Spannungsfeld steht der Alpenraum, der das Potenzial hat, als Speicher- und Transferraum in Zukunft bei der Versorgung mit erneuerbarer Energie eine entscheidende Rolle in Europa zu spielen.
„Eine gemeinsame Strategie aller Akteure ist dafür allerdings unumgänglich. Es sind die Regionen, die dabei im europäischen Energie-Szenario eine Schlüssel-Aufgabe innehaben“, brachte Südtirols Energielandesrat Richard Theiner die Hauptbotschaft der Tagung auf den Punkt.
An einer massiven Verringerung des Energieverbrauchs, einer Erhöhung der Energieeffizienz und einem Ausbau der erneuerbaren Energieträger führe kein Weg vorbei, betonte Theiner, der Alpenbogen biete allein schon durch seine Topografie gute Voraussetzungen, um hier einen wichtigen Beitrag zu leisten. Allerdings sei er auch ein besonders sensibler Raum.
Südtirol selbst, wo doppelt so viel Strom produziert als im Land verbraucht wird, habe sich 2011 einen umfassenden Landesklimaplan gegeben, der den Weg hin zum „KlimaLand Südtirol“ vorzeigt. „Mit dieser langfristig angelegten Energie-Strategie Südtirol 2050 hat sich die Landesregierung zum Ziel gesetzt, dass bis 2020 der Anteil der regenerativen Energieträger an der im Land verbrauchten Energie mindestens 75 Prozent und bis 2050 über 90 Prozent betragen soll. Weiters sollen laut Landesklimaplan die CO2-Emissionen bis 2020 auf unter vier Tonnen und bis spätestens 2050 auf unter 1,5 Tonnen pro Person jährlich gesenkt werden“, informierte der Landesrat.
Im Bundesland Tirol gibt es ähnliche Denkansätze: Das Projekt „Tirol 2050 energieautonom“ zielt auf eine Zukunft ohne fossile Energieträger ab und bündelt alle Kräfte, um das Land in Sachen Energieversorgung unabhängig zu machen. „Es ist in der Energiepolitik eine neue Ära angebrochen, in der wir viele Chancen, nicht nur Herausforderungen für den Alpenraum sehen. Aus diesem Grund will das Energieforum Alpenraum ein neues gemeinsames Denken initiieren“, erklärte Franz Fischler, Ideengeber und Motor des Energieforums und Präsident des Europäischen Forums Alpbach. Dazu wolle man Wissenschafter, Politiker und Unternehmer an einen Tisch bringen und den Informationsaustausch unterstützen. „Nur mit einer gemeinsamen Strategie werden die Alpenländer in der Lage sein, ihre Chancen bestmöglich zu nützen, ohne dabei den Natur- und Lebensraum unverantwortlich zu beeinträchtigen.“
Es sei an der Zeit, den Energiesektor auf nachhaltigere Beine zu stellen, forderte Fischler: „Wenn alle Alpenländer an einem Strang ziehen, kann die Alpenregion in zehn Jahren zum größten grünen Energiespeicher für die großen Zentren im Norden und Süden davon werden. Die Natur hat das Ihre längst getan, die topografischen Voraussetzungen sind ideal. Jetzt müssen Politik und Wirtschaft die energiepolitischen Weichen so stellen, dass der Alpenraum sein Potenzial zur Erreichung der Pariser Klimaziele entfalten kann.“
„Es gilt, einen Ausgleich zu finden zwischen den globalen Zielen der Politik und der herausfordernden Wirtschaftslage“, so Wolfram Sparber, Vorstandsvorsitzender Alperia AG. „Eine starke Zusammenarbeit der Alpenländer ist daher wichtig, um gemeinsam effiziente Strategien, etwa im Bereich der grenzübergreifenden Stromübertragung, entwickeln zu können.“
Inhalte der Tagung sind ab heute im Ergebnispapier zum „Energieforum Alpenraum 2016“ auf www.alpbach.org einzusehen. (TT/mz)