Standort Tirol

Am Ende der zweiten Perjenröhre ist Licht in Sicht

Tunnelpatin Andrea Geiger hat am Sonntag aus sicherer Entfernung die erste Sprengung ausgelöst, LH Günther Platter (r.) gratulierte. Die Asfinag hat das Ereignis auf eine Videowand im Festzelt übertragen.
© Wenzel

Patin Andrea Geiger löste am Sonntag den ersten Sprengschuss in „ihrem“ Tunnel aus. Hunderte Besucher bei Asfinag-Feier in Landeck-Perjen.

Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams –„Perjentunnel II“ ist Vergangenheit, die neue Röhre heißt seit gestern Sonntag „Andrea-Tunnel“. Andrea Geiger, Gattin des Zammer Bürgermeisters Siggi Geiger, krönte die Tunnelanschlagfeier mit dem ersten Sprengschuss. Hunderte Besucher verfolgten den Knall mit anschließender Rauchwolke aus dem Ostportal auf einer Videowand. Schauplatz war das Asfinag-Festzelt am Gelände der Thöni-Industriebetriebe in Landeck-Perjen.

„Ich bin stolz, Patin für diesen Tunnel sein zu dürfen“, verriet Geiger. „Natürlich hoffe ich auf eine unfallfreie Bauzeit.“ Die Mineure werde sie im Tunnel einmal im Monat besuchen, eine besinnliche Barbarafeier am 4. Dezember sei ihr sehr wichtig.

Die Bürgermeister der Region erwarten mit Inbetriebnahme der 2852 Meter langen Südröhre deutliche Verbesserungen der Lebensqualität. Die Fertigstellung des Bauwerks ist für Ende 2018 geplant, die Verkehrsfreigabe beider Tunnels ein Jahr später. „Unfälle im Perjentunnel und auch Blockabfertigungen haben unsere Einkaufsstadt wiederholt verstopft“, zeigte Landecks Bürgermeister Wolfgang Jörg auf. „Da werden auch die Schleichwege in der Umgebung benutzt.“

Das konnte sein Zammer Kollege Siggi Geiger nur bestätigen. Er nutzte die Gelegenheit, bei den anwesenden Asfinag-Vorständen nachzufragen, ob der Ausbau der Zammer Lötz-Galerie (geplante Fertigstellung 2025) vorgereiht werden kann. „Alles zugleich bauen geht nicht“, zeigte Alois Schedl auf, „die Kosten liegen bei 50 Mio. Euro. Wir bauen, was wir uns leisten können, was die Menschen brauchen und was für die Umwelt verträglich ist.“ Letztlich schloss der Asfinag-Vorstand eine Vorreihung der Lötz-Galerie nicht aus.

Zur Frage, wie die Asfinag den Andrea-Tunnel mit Kosten in Höhe von 130 Millionen Euro finanziert, klärte Vorstand Klaus Schierhackl auf: „Die Asfinag finanziert sich selbst. Die Autofahrer bezahlen den Tunnel mit der Vignette, auch die Lkw-Maut ist Teil des Budgets.“

LH Günther Platter stand die Freude über den Baubeginn ins Gesicht geschrieben: „In Wien gab es viele Diskussionen, weil die tägliche Frequenz mit 14.000 Fahrzeugen zu gering war. Daher haben wir lange um die zweite Tunnelröhre gekämpft. Letztlich hat die Vernunft gesiegt.“ Apropos Frequenz: Die gesetzliche Vorgabe für den Bau einer zweiten Tunnelröhre liegt bei 20.000 Fahrzeugen. Als das Ministerium unter Doris Bures 2011 nur einen Flucht- und Rettungsstollen bewilligen wollte, verkündete Platter in Richtung Ministerin: „Mit halben Sachen lässt sich das Oberland nicht abspeisen.“

Für Asfinag-Geschäftsführer Klaus Fink ist der Perjentunnel „ein Herzstück der Arlberg-Schnellstraße S16“. Knapp die Hälfte der S16 führe durch Tunnels. „Deswegen hat diese wichtige West-Ost-Verbindung im Winter eine große Bedeutung, wenn wir Touristen und Pendlern eine wetter-unabhängige Strecke bieten wollen.“ Die Asfinag setze auf innovative Baumethoden, hob Geschäftsführer Alexander Walcher hervor. „Sämtliche Arbeiten können ohne Vollsperre abgewickelt werden.“

Zweite Arlbergröhre vor 2030 unrealistisch

Auf Tiroler Seite der Arlbergschnellstraße sieht Asfinag-Vorstand Alois Schedl weitere Aufgaben. Doch eine zweite Arlbergtunnelröhre vor 2030 hält er für unrealistisch.

Vor fünf Jahren war ein Fluchtstollen geplant. Warum wird jetzt doch die zweite Perjentunnelröhre gebaut?

Alois Schedl: Es war ein Abwägen von Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Der Fluchtstollen hätte 60 Mio. Euro gekostet. Die Asfinag ist jedenfalls glücklich mit der aktuellen Lösung.

Ist der Ausbau der S16 auf Tiroler Seite damit abgeschlossen?

Schedl: Nein, weitere Investitionen sind geplant, in den Strenger und Flirscher Tunnel sowie in den Vollausbau der Lötz-Galerie.

Die Wirtschaftskammer Landeck fordert eine zweite Arlbergtunnelröhre. Wie realistisch ist das Projekt?

Schedl: Der Arlbergtunnel wird täglich von 8000 Fahrzeugen frequentiert. Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht klar gegen eine zweite Röhre vor dem Jahr 2030. Die Kosten würden bei mehr als 600 Mio. Euro liegen.

Das Interview führte Helmut Wenzel

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