Barbara Albert dreht „Licht“: „Im Film geht es letztlich um Blicke“

Wien (APA) - Als Hauptdarstellerin in Cristian Mungius „Bacalaureat“ mischt Maria Dragus heute, Donnerstag, im Wettbewerb der Filmfestspiele...

Wien (APA) - Als Hauptdarstellerin in Cristian Mungius „Bacalaureat“ mischt Maria Dragus heute, Donnerstag, im Wettbewerb der Filmfestspiele Cannes mit. Noch am Abend zuvor stand die 21-Jährige ein letztes Mal für Barbara Alberts Film „Licht“ in Wien vor der Kamera: In dem Kostümdrama spielt sie die blinde, hochbegabte Pianistin Maria Theresia Paradis. „Es ist krass, dass das so zu Ende geht“, so Dragus.

Der letzte Drehtag wurde extra vorverschoben, damit die Jungschauspielerin zur Premiere des rumänischen Wettbewerbsbeitrags nach Cannes reisen kann. „Ich freue mich extrem, das wird bestimmt cool“, sagte die Deutsche mit rumänischen Wurzeln am Mittwochabend der APA am Rande der Dreharbeiten von „Licht“ im Schloss Hetzendorf. Vor sechs Jahren erhielt Dragus, die ursprünglich Tänzerin werden wollte, für ihre Nebenrolle der Pfarrerstochter in Michael Hanekes „Das weiße Band“ den Deutschen Filmpreis - seitdem arbeitet sie „ununterbrochen full-time“ als Schauspielerin.

Im Film „Licht“, der im Winter fertiggestellt werden soll, mimt Dragus die seit ihrem dritten Lebensjahr blinde Resi, die 1777 nach einer Behandlung durch den umstrittenen Wunderheiler Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) kurzzeitig wieder sehen kann, daraufhin jedoch ihre Virtuosität als Pianistin verliert. „Ich hatte vor den Dreharbeiten den Luxus, mir drei Monate Zeit zu nehmen und Menschen zu treffen, die blind sind, mit ihnen zu sprechen, sie in ihrem Alltag zu beobachten, auf gewisse Art und Weise mitintegriert zu werden“, erzählte Dragus, die wiederum für das Klavierspiel aus eigener Erfahrung schöpfen konnte. „Im Film zeigen wir eine professionelle Leistung, die ich nicht erbringen kann, aber ich komme aus einem sehr musischen Haushalt: Mein Vater ist Berufscellist und meine Mutter war Tänzerin, das hat extrem geholfen.“

Barbara Albert ist nach ihren Recherchen „davon überzeugt, dass Mesmer Resi geheilt hat“. Im Drehbuch von Kathrin Resetarits stehen aber nicht das medizinische Wunder oder die folgende Intrige anderer Ärzte gegen Mesmer im Mittelpunkt, sondern - wie schon in früheren Filmen Alberts wie dem in Venedig ausgezeichneten „Nordrand“ oder „Fallen“ - Frauenfiguren: In Mesmers Palais verbündet sich Resi mit der Dienstmagd Agnes (Maresi Riegner), die wie auch Resi versucht, Grenzen der Gesellschaft zu überschreiten. „Beide sind für mich Einzelkämpferinnen, jede auf ihrer Insel, ausgegrenzt und einsam, unverstanden“, meinte die 45-jährige Regisseurin. „Es ist ein Film über die Möglichkeiten von einzelnen innerhalb einer sehr strengen Gesellschaft, die keine Alternativen zu vorgegebenen Lebenswegen zulässt.“

Inspirierend fand Albert neben den Figuren auch die formalen Aspekte der Romanvorlage „Am Anfang war die Nacht Musik“ von Alissa Walser. „Das Sehen und Nichtsehen, im Licht Stehen und nicht im Licht Stehen, erfolgreich und nicht erfolgreich Sein sind große Themen im Roman. Das sind Dinge, die ich durch das Medium Film gut erzählen kann. Im Film geht es letztlich nur um Blicke, ums Sehen und gesehen Werden.“

Die erstmalige Arbeit an einem historischen Film habe natürlich Limitationen mit sich gebracht. „Ich habe sehr, sehr viel gelernt und es war eine schöne Erfahrung, noch genauer als sonst vorbereiten zu müssen“, sagte Albert. So wurde die österreichisch-deutsche Koproduktion mit Beteiligung von ORF, ZDF und ARTE in den vergangenen Wochen fast ausschließlich in historischen Schlössern und Palais gedreht - neben Hetzendorf u.a. im Schloss Loosdorf im Weinviertel und dem Schloss Friedrichsfelde in Berlin.

Das Filmteam stand dabei oft vor der Herausforderung, dass die Bauten „entweder zu verfallen oder zu renoviert“ waren, verriet Lukas Miko, der in „Licht“ den Hofbeamten Joseph Anton Paradis, Resis Vater, spielt. So wurden Wände teils wochenlang mit Hand bemalt. „Die Kulissen, die Kostüme, der Dekor, all das ist eine Augenweide“, schwärmte der 45-jährige Wiener, der wie sämtliche Darsteller für den Film in historische Kostüme und Perücken schlüpft. „Das macht viel mit einem, weil es einem eine gewisse Körperhaltung gibt und zeigt, dass das Auftreten, das Äußere damals eine große Rolle gespielt hat.“ Am Mittwochabend wurde der Beginn des Films gedreht, an dem der Vater mit Resi Menuett tanzt und „vor der ganzen Gesellschaft dokumentiert, wie begabt sie ist“. „Es ist sowohl für mich als auch für Maria Dragus der letzte Drehtag. Dass wir heute zum Abschied noch gemeinsam tanzen, ist schön.“

(S E R V I C E - www.geyrhalterfilm.com/licht)