Immofinanz-Prozess dreht um Gretchenfrage: Provision oder Mehrerlös?

Wien (APA) - Am Wiener Straflandesgericht wird heute der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Tennis-Manager Ronald Leitgeb fortgesetzt, ob ...

Wien (APA) - Am Wiener Straflandesgericht wird heute der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Tennis-Manager Ronald Leitgeb fortgesetzt, ob ein Urteil heute noch fällt, ist offen. Der Hauptangeklagte, Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics, ist nicht verhandlungsfähig. Die Anklage dreht sich um das Immobilienprojekt „Villa Esmara“.

Leitgeb soll laut Staatsanwaltschaft eine zu hohe Provision von 860.000 Euro erhalten haben und damit einen Beitrag zur Untreue geleistet haben, was dieser bestreitet. Der Immofinanz sei kein Schaden entstanden, rechtfertigt er sich vor Richterin Marion Hohenecker. Und es sei überhaupt fraglich ob man von einer Provision sprechen könne.

Petrikovics, dem in dem Fall Untreue angelastet wird, wurde in einer anderen Causa rechtskräftig wegen Untreue zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hat seine Haftstrafe aber wegen Vollzugsuntauglichkeit nicht angetreten.

Leitgeb hatte ursprünglich große Pläne für sein Trainingszentrum „Champ Fitness“ in der Nähe von Monaco gehabt, das er 2003 in der Immofinanz-Immobilie „Villa Esmara“ eröffnete. Die Idee sei gewesen, dass die Immofinanz die Immobilie erwirbt und finanziert und dafür acht Prozent Verzinsung bekommt. Er, Leitgeb, habe dafür ein Vorkaufsrecht zu den tatsächlich angelaufenen Kosten erhalten.

Allerdings lief es anders, das Projekt schlitterte in die Insolvenz.

Richterin Hohenecker wollte heute wissen, wer Leitgeb überhaupt die Provision zugesagt hat. Replik von Leitgeb und den drei Mitangeklagten: Provision ist die falsche Bezeichnung, es gab einen Mehrerlös und es ging einfach darum, diese Summe für die Auszahlung zu betiteln. „Man hätte es auch als ‚Mehrerlös‘ zurückzahlen können“, so einer der Angeklagten am Donnerstag.

Zuvor hatte ein Zeuge Schwierigkeiten, die Fragen der Vorsitzenden zum Rechnungswesen der Immofinanz exakt zu beantworten. Je länger die Befragung dauert, umso mehr ging es dann auch um das „große Ganze“ bei der Einschätzung des Villenprojektes - sehr zum Missfallen der Richterin, die Zweifel hatte dass in dem Konzern wirklich so wenig hinterfragt worden sei.

Der Prozess wird am Nachmittag fortgesetzt.

~ ISIN AT0000809058 WEB http://www.immofinanz.com ~ APA206 2016-05-19/11:55