Villa Esmara

Immofinanz-Prozess: Zeuge nennt Leitgeb-Deal „verrückt“

Eingangsbereich des Firmensitzes in Wien.
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Tennis-Manager Leitgeb steht unter Untreueverdacht. Der Hauptangeklagter Petrikovics ist nicht verhandlungsfähig.

Wien –Im Untreueprozess am Wiener Straflandesgericht gegen Tennismanager Ronald Leitgeb und drei weitere Angeklagte um das Immobilienprojekt „Villa Esmara“ in der Nähe von Monaco hat heute, Donnerstagnachmittag, ein Zeuge die Beschuldigten schwer belastet. Ein Mitarbeiter der Firma Immofinanz, der das Gebäude gehörte, sagte aus, dass der Deal der Immofinanz mit Leitgeb „verrückt“ war.

Der Prozess geht am 16. Juni weiter, dann soll auch ein Urteil ergehen. Der Hauptangeklagte, Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics, ist nicht verhandlungsfähig. Die Anklage dreht sich um das Immobilienprojekt „Villa Esmara“.

Leitgeb soll laut Staatsanwaltschaft eine zu hohe Provision von 860.000 Euro erhalten haben und damit einen Beitrag zur Untreue geleistet haben, was dieser bestreitet. Der Immofinanz sei kein Schaden entstanden, rechtfertigt er sich vor Richterin Marion Hohenecker. Und es sei überhaupt fraglich ob man von einer Provision sprechen könne.

Ursprünglich große Pläne

Leitgeb hatte ursprünglich große Pläne für sein Trainingszentrum „Champ Fitness“ in der Nähe von Monaco gehabt, das er 2003 in der Immofinanz-Immobilie „Villa Esmara“ eröffnete. Die Idee sei gewesen, dass die Immofinanz die Immobilie erwirbt und finanziert und dafür acht Prozent Verzinsung bekommt. Er, Leitgeb, habe dafür ein Vorkaufsrecht zu den tatsächlich angelaufenen Kosten erhalten. Allerdings lief es anders, das Projekt schlitterte in die Insolvenz.

Richterin Hohenecker wollte heute wissen, wer Leitgeb überhaupt die Provision zugesagt hat. Replik von Leitgeb und den drei Mitangeklagten: Provision ist die falsche Bezeichnung, es gab einen Mehrerlös und es ging einfach darum, diese Summe für die Auszahlung zu betiteln. „Man hätte es auch als ‚Mehrerlös‘ zurückzahlen können“, so einer der Angeklagten am Donnerstag.

Zeuge „bestätigt“ Schaden für Immofinanz

„Das ist verrückt, so macht man kein Geschäft“, sagte der Ex-Mitarbeiter der Immofinanz, der von einem „Problemobjekt“ sprach. Es sei eine „ungewöhnliche Verwertungsstrategie“ vorgelegen. Die Immofinanz habe lange keine Miete gesehen, dann habe man gesagt, verkaufen wir es halt und was übrig bleibt darf sich der Mieter Leitgeb behalten, schilderte der sehr auskunftsfreudige Immofinanz-Mitarbeiter - womit er sich klar von einem Immofinanz-Kollegen unterschied, der zuvor als Zeuge mit seinen vagen Aussagen an den Nerven von Richterin Marion Hohenecker zerrte.

Zuvor hatte besagter Zeuge Schwierigkeiten, die Fragen der Vorsitzenden zum Rechnungswesen der Immofinanz exakt zu beantworten. Je länger die Befragung dauert, umso mehr ging es dann auch um das „große Ganze“ bei der Einschätzung des Villenprojektes - sehr zum Missfallen der Richterin, die Zweifel hatte dass in dem Konzern wirklich so wenig hinterfragt worden sei.

Schwer belastet wurden Leitgeb und seine Mitangeklagten letztendlich durch die Aussage des zweiten Zeugen, wonach seiner Einschätzung nach der Immofinanz ein Schaden durch den Immobiliendeal entstanden sei. Denn genau das hat die Staatsanwaltschaft angeklagt. Belastend war auch die Aussage, dass es üblich sei dass bei Nichtbezahlung der Miete, was bei der „Villa Esmara“ anfangs der Fall war, nach sechs Monaten gekündigt und geklagt wird, was die Immofinanz bei der „Villa Esmara“ unterlassen habe.

Hintergrund der Anklage ist der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Leitgeb soll ungerechtfertigterweise eine Provision von 860.000 Euro erhalten haben und damit einen Beitrag zur Untreue geleistet haben, was dieser bestreitet. Der Immofinanz sei kein Schaden entstanden, rechtfertigt er sich. Und es sei überhaupt fraglich ob man von einer Provision sprechen könne. Der Hauptangeklagte der Causa „Villa Esmara“, Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics, ist nicht verhandlungsfähig. Petrikovics, dem in dem Fall Untreue angelastet wird, wurde in einer anderen Causa rechtskräftig wegen Untreue zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hat seine Haftstrafe aber wegen Vollzugsuntauglichkeit nicht angetreten. (APA, tt.com)