Feuerwehr zieht Bilanz

„Der Faktor Mensch bleibt bei uns das Wichtigste“

Die verheerende Unwetterkatastrophe in Sellrain war im Vorjahr auch für die Feuerwehren die prägendste Herausforderung.
© BFV Schwaz

3091-mal standen die Feuerwehren des Bezirks Innsbruck-Land 2015 im Einsatz. Nachwuchssorgen sieht der Bezirkskommandant derzeit nicht.

Von Michael Domanig

Innsbruck-Land –Wenn der Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck-Land Jahresbilanz zieht, sind beeindruckende Zahlen garantiert – so auch heute Abend beim Bezirksfeuerwehrtag im Zirler Veranstaltungszentrum B4: Im Jahr 2015 standen die 76 Feuerwehren des Bezirks, unterteilt in neun Abschnitte, nicht weniger als 3091-mal im Einsatz – neben 443 Brandeinsätzen zählten dazu 1928 technische Einsätze, 215 Brandsicherheitswachen und 505 Fehl- bzw. Täuschungsalarme.

Die seit Jahren steigende Zahl an technischen Einsätzen sieht Bezirkskommandant Reinhard Kircher durchaus kritisch: „Wir werden immer öfter zu Vorfällen gerufen, die nicht zu unseren Kernaufgaben zählen, wo also keine Gefahr im Verzug besteht – bis hin zum Schlüssel, der im Gully gelandet ist.“ Hier brauche es bei den Menschen ein Umdenken. „Sonst könnte auch das an sich große Verständnis der Arbeitgeber sinken, die die Feuerwehrmitglieder während der Arbeitszeit freistellen.“

Die Unwetter im Juni hinterließen im Sellraintal eine Spur der Verwüstung.
© Thomas Boehm / TT

Jenes Ereignis, das im Vorjahr auch aus Sicht der Feuerwehren alles überschattete, war die Unwetterkatastrophe in Sellrain: In zwei Juniwochen standen dort 121 Wehren aus dem Bezirk Innsbruck-Land sowie den Katastrophenzügen Innsbruck-Land, Schwaz und Kitzbühel mit 1642 Mann insgesamt 16.010 Stunden im Einsatz. „Die Freiwillige Feuerwehr war die Einsatzorganisation der ersten Stunde“, ist Kircher stolz. „Beispielhaft“ nennt er die Zusammenarbeit mit dem Bundesheer, den anderen Blaulichtorganisationen und den Behörden. Die Katastrophenzüge inner- und außerhalb der Bezirksgrenzen hätten sich „bestens bewährt“.

Für den Bezirkskommandanten hat die Katastrophe aber vor allem eines gezeigt: dass trotz aller technischen Errungenschaften „der Faktor Mensch das Wichtigste ist und bleibt“. Denn in Sellrain seien vor allem „Manpower und Organisationstalent“ gefragt gewesen, um die Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen in den Griff zu bekommen. „Die Gerätschaften haben alle ihre Berechtigung. Aber in diesem Fall ging es darum, in Handarbeit – mit Schaufel und Scheibtruhe – Keller auszuräumen.“

Kircher ist daher auch froh, dass der Mannschaftsstand im Bezirk stabil ist – mit Jahresende 2015 waren es 7469 Mitglieder, darunter 5157 Aktive. „Nachwuchsprobleme gibt es derzeit keine“, freut sich Kircher, der die aktive Jugendarbeit im Bezirk hervorhebt: 271 Burschen und Mädchen in 28 Jugendgruppen werden von ihren Jugendbetreuern schrittweise auf den aktiven Feuerwehrdienst vorbereitet.

Als höchst erfolgreich erwies sich dabei die Feuerwehrjugendwoche, die 2015 zum ersten Mal bundesweit abgehalten wurde. Mit Bewerben und Präsentationen in Gemeinden und Schulen konnten im Bezirk 72 neue Feuerwehrjugendmitglieder gewonnen werden. Heuer wird die Aktionswoche wiederholt. (md)

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