„Hass und Hetze“

FPÖ verklagt Stemberger für ,,Mini Schmunzler“

© KHM Museumsverband

Die FPÖ zeigt Schauspielerin Katharina Stemberger wegen vermeintlicher Verhetzung an.

Innsbruck – Wer Österreichs neuer Bundespräsident wird, steht erst am Sonntag fest. Doch schon am Pfingstmontag gaben zahlreiche heimische Künstler ihre persönliche Wahlempfehlung ab und traten unter dem Motto „Stimmen für Van der Bellen“ im Wiener Konzerthaus auf. Durch den prominent besetzten Abend, der 2000 Gäste anlockte, führte Schauspielerin Katharina Stemberger, die sich nun mit einer Anzeige der FPÖ konfrontiert sieht. Der blaue Generalsekretär Herbert Kickl ortete bei ihrem Auftritt nämlich „Hass und Hetze“ und kündigte eine Anklage wegen Verhetzung an.

Ausgelöst hat die FPÖ-Empörung ein Auszug aus Stembergers Rede, in der sie sich dafür aussprach, einen Bundespräsidenten Norbert Hofer zu verhindern. Der Kreativität seien dabei keine Grenzen gesetzt. Stemberger: „Nur nicht kriminell werden – also nicht sehr.“ Treibhaus-Chef Norbert Pleifer saß im Publikum, als dieser Satz fiel – und für Schmunzeln sorgte. „Das war ein Schmäh, nicht mehr und nicht weniger. Wer das als Aufruf zur Gewalt begreift, hat wirklich einen komischen Humorbegriff“, sagt Pleifer, der nicht verstehen kann, warum dieser „Mini-Schmunzler“ nun zu einer Kampfansage hochgeschaukelt wird. Stemberger selbst wollte sich am Donnerstag auf Anraten ihres Anwalts nicht zur FPÖ-Klage äußern. Es ist nicht das erste Mal, dass die Schauspielerin mit den Freiheitlichen in einen Konflikt gerät: Im Vorjahr stand sie als Schuldknecht auf der „Jedermann“-Bühne, als die Musiker die „Internationale“ anstimmten, nachdem sie FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und den nunmehrigen Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus erblickten. Die Festspiele distanzierten sich in der Folge vom künstlerischen Protest, den Stemberger via Facebook erst publik gemacht hatte. Aus dem „Jedermann“-Team ist sie mittlerweile aus freien Stücken ausgeschieden, da sie kein Teil eines „Kultur-Wellness-Tempels“ sein wollte. Am Samstag ist sie indes Teil des szenischen Projekts „Museum der Träume“, das ab 19 Uhr auf Schloss Ambras über die Bühne geht.

Geträumt wird am Wochenende auch im Treibhaus. Unter dem Motto „Ermutigung“ treten von heute bis Sonntag zahlreiche Künstler aus Syrien, der Türkei, Indien und Pakistan auf, um für ein menschliches Miteinander zu plädieren. Am Sonntag kann man im Treibhaus-Turm dann auch den Wahlausgang auf Großbild-Leinwand verfolgen. Pleifer: „Hoffentlich braucht’s danach keinen Trauermarsch.“ (fach)