Finanzmarktaufsicht: Weniger Verwaltungsstrafverfahren 2015
Am Kapitalmarkt hat die FMA mehr als 9.300 Wertpapiere, 34 Millionen Transaktionen und eine Marktkapitalisierung von 86,2 Mrd. Euro beaufsichtigt.
Wien – Die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA hat 2015 weniger Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet als im Jahr zuvor. Die von 279 auf 181 Verfahren rückläufige Zahl hänge einerseits mit der präventiven Arbeit der Behörde zusammen, andererseits gebe es keine Bagatellstrafen mehr, betonten die beiden FMA-Vorstand Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller am Donnerstag in Wien bei der FMA-Jahrespressekonferenz.
„Die Strafen haben sich herumgesprochen, die Unternehmen haben Verbesserungen eingeführt“, meinte Ettl. 79 Verwaltungsstrafverfahren endeten demnach mit Erkenntnissen, 56 mit Ermahnungen und 46 mit Strafverfügungen. 92 Verfahren wurden eingestellt.
FMA beaufsichtigt 973 Firmen mit 1,3 Mrd. Euro Vermögen
Im Vorjahr habe die FMA sehr viele schwierige Fragen zu lösen und viele wichtige Entscheidungen zu treffen gehabt, so die beiden FMA-Vorstände, etwa zur Heta, zu Geldwäsche, den Volksbanken und jetzt auch zu den Panama Papers.
Die FMA beaufsichtigte 973 Unternehmen mit einem Vermögen von 1.293 Mrd. Euro. Am Kapitalmarkt hat die FMA mehr als 9.300 Wertpapiere, 34 Millionen Transaktionen und eine Marktkapitalisierung von 86,2 Mrd. Euro beaufsichtigt. Aber auch als Regulierungsbehörde ist die FMA wieder tätig gewesen. 51 der bundesweit 444 erlassenen Verordnungen kamen von der FMA. Sie lag damit hinter dem Wirtschaftsministerium an zweiter Stelle.
Geldwäsche: Rund 1800 Verdachtsfälle
Auch den Kampf gegen Geldwäsche führte die FMA weiter. Bei Geldwäscheverstößen gebe es „Null-Toleranz“. Seit 2011 haben sich die Vor-Ort-Maßnahmen von 30 auf 58 und die Verfahren von 130 auf 222 jeweils fast verdoppelt. Knapp mehr als 20 Strafen wurden pro Jahr ausgesprochen. Die höchste verhängte Verwaltungsstrafe machte 83.000 Euro aus. Vier Geschäftsleiter wurden entfernt, eine Bank schied aus dem Markt aus, mehrere haben sich aus dem Geschäft mit Offshore-Gesellschaften zurückgezogen, ziehen die FMA-Vorstände Bilanz.
Die Geldwäscheverdachtsmeldungen kamen fast ausschließlich von der FMA, nämlich 1.767 an der Zahl. Von allen anderen kamen bloß 26, von Notaren, Rechtsanwälten oder Wirtschaftstreuhändern etwa lediglich ein gutes Dutzend. „Das ist auffällig, dass es dort so wenig ist“, sagte Kumpfmüller, der sich auch für diese Berufsgruppen eine Zuständigkeit der FMA wünschen würde. Die Verurteilungen wegen Geldwäsche stiegen von 46 auf 58.
Im Vorjahr hat die FMA auch vor 50 unseriösen Anbietern von Finanzdienstleistungen gewarnt. Inzwischen befinden sich über 300 solcher unseriöser Anbieter in der FMA-Datenbank.
FMA sieht Banken weiter unter Druck
Den Lebensversicherungen hat die FMA den Aufbau und die Verdoppelung der erforderlichen Zinszusatzrückstellung bis 2024 auf 2 Mrd. Euro vorgeschrieben. Bis Ende 2015 waren es 373 Mio. Euro. Der höchstzulässige Garantiezins wurde auf 1 Prozent gesenkt. Dieser könnte bei anhaltendem Niedrigzinsumfeld weiter gesenkt werden, hieß es heute.
Aufgrund der Zinsentwicklung mit bereits teils negativen Zinsen sieht die FMA die Banken weiter unter Druck. So sei die Nettozinsmarge der kleinen Banken seit 1998 um 107 Basispunkte, die der großen Banken um 13 Basispunkte gefallen. Der Anteil des Nettozinsergebnisses am Betriebsergebnis der Banken sei aber mit rund 60 Prozent aber sehr hoch. (APA)
Stichwort: Finanzmarktaufsicht FMA
Die 2002 gegründete Finanzmarktaufsicht (FMA) hat 2015 österreichweit 973 Unternehmen mit einem Vermögen von 1.293 Mrd. Euro beaufsichtigt. Am Kapitalmarkt war sie für mehr als 9.300 Wertpapiere, 34 Millionen Transaktionen und eine Marktkapitalisierung von 86,2 Mrd. Euro verantwortlich. 2015 kamen neue Kompetenzen dazu, nämlich die Bankenabwicklung und Aufsicht über die Einlagensicherungssysteme.
Die beaufsichtigen Unternehmen sind stark vernetzt, drei Finanzkonglomerate dominieren den österreichischen Banken und Versicherungssektor. Das sei eine Besonderheit und ermögliche das Übergreifen von Risiken über Eigentumsverhältnisse, Beteiligungen und sonstige Verbindungen als Ansteckungskanäle, hob FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller heute auf der Jahrespressekonferenz hervor. Auf 300 Beschäftigte in der Finanzindustrie komme etwa ein FMA-Mitarbeiter.
Für ihre Arbeit stand der Behörde ein Budget von 61,3 (2014: 56,4) Mio. Euro zur Verfügung, wovon 8 Mio. Euro zur Kostenabdeckung an die Nationalbank gingen. Der Großteil der Finanzierung erfolgt durch die beaufsichtigten Finanzinstitute selbst: 53,8 Mio. Euro zahlten Banken, Versicherungen, Wertpapierunternehmen und Pensionskassen, 4,0 Mio. Euro wurden aus Gebühren lukriert und 3,5 Mio. Euro steuerte der Bund bei. Der Personalstand wurde um 19 Personen auf 373 Vollzeitäquivalente aufgestockt. Der Frauenanteil liegt bei 53 Prozent, in den Führungspositionen sind es 39 Prozent.
Die FMA wurde 2002 zur Beaufsichtigung von Mitarbeitervorsorgekassen und Betrieblichen Vorsorgekassen gegründet. 2004 kam die Aufsicht über Finanzkonglomerate dazu, 2005 erfolgten der Ausbau des Kampfes gegen unerlaubten Betrieb und die Aufsicht über Kapitalmarktprospekte. 2011 kamen die Kompetenzen im Kampf gegen Geldwäsche hinzu, die Aufsicht über Banken (EBA), Versicherungen (EIOPA) und Börsen (ESMA) wurde europäisiert.
2013 kam die Aufsicht über Alternative Investmentfonds und Rechnungslegung dazu, 2014 wurde die FMA Teil des einheitlichen europäischen Bankenaufsichtssystems (SSM). Die jüngste Ausweitung der Kompetenzen erfolgte im Vorjahr. Die FMA ist seither auch für die einheitliche Bankenabwicklung (SRM) und Aufsicht über Einlagensicherungssysteme zuständig.