Chef von Italiens Radikaler Partei Pannella gestorben

Rom (APA) - Der Chef von Italiens Radikaler Partei, Marco Pannella, ist am Donnerstag in Rom im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Gesundhei...

Rom (APA) - Der Chef von Italiens Radikaler Partei, Marco Pannella, ist am Donnerstag in Rom im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Gesundheitszustand des an einem Tumor erkrankten Politikers hatte sich in den vergangenen Monaten erheblich verschlechtert. Pannella war Mittwoch in eine Klinik in Rom eingeliefert worden, wo er nun gestorben ist.

Pannella war Mitbegründer des „Partito Radicale“ und gehörte dem Parteivorstand an. Er saß von 1978 bis 1989 im italienischen Abgeordnetenhaus. Von 1979 bis 2009 war er Mitglied des Europäischen Parlaments.

50 Jahre lang sorgte der für seine langen weißen Haare bekannte Pannella für Aufruhr in Italiens Polit-Szene. In den 1970er- Jahren war die Partei, die er zusammen mit der ehemaligen EU-Kommissarin Emma Bonino führte, vor allem mit Referenden, z. B. zur Abtreibung und zur Ehescheidung, erfolgreich. 1968 demonstrierte der bisexuelle Pannella in Prag und ließ sich verhaften. Im Parlament erregte seine Partei in den 1980er-Jahren Aufsehen durch Ilona Staller, bekannt als Porno-Darstellerin Cicciolina. Sie saß zwischen 1987 und 1992 als Abgeordnete der Radikalen Partei im römischen Parlament.

1997 verteilte der bekennende Kettenraucher Pannella im Rahmen einer Kampagne zur Legalisierung der weichen Drogen Haschisch in Rom. Deswegen wurde er zu einigen Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Legendär waren Pannellas provokante Protestaktionen und Hungerstreiks. 2002 hatte er am Ende des vierten Tages eines Hunger-und Durststreiks viele Italiener geschockt, als er seinen Urin live im Fernsehen trank. Mit dieser Show hatte Pannella damals gegen das römische Parlament protestiert, das seit zwei Jahren vergebens versuchte, zwei Richter des Verfassungsgerichts zu ernennen.

In den letzten Jahren trat die Partei in Italien bei Wahlen nicht unter ihrem eigenen Namen, sondern unter dem Namen des jeweiligen Spitzenkandidaten an, z. B. als Lista Pannella oder Lista Bonino. Obwohl eher dem linken Spektrum zuzurechnen, unterstützte der Partito Radicale zeitweise die Regierung von Silvio Berlusconi. Pannella hatte sich zuletzt vor allem für die Sterbehilfe in Italien eingesetzt.