Fusion der Biergiganten - Es wird ernst für Beck‘s-Brauer AB Inbev
Leuven/London (APA/dpa) - Die Pläne für die größte Übernahme auf dem Biermarkt liegen auf dem Tisch - nun sind die Kartellwächter am Zug. Si...
Leuven/London (APA/dpa) - Die Pläne für die größte Übernahme auf dem Biermarkt liegen auf dem Tisch - nun sind die Kartellwächter am Zug. Sie müssen entscheiden, ob sie den Megadeal gegen Wettbewerbsbedenken durchwinken. Der belgisch-amerikanische Branchenprimus Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) will den britisch-südafrikanischen Rivalen SABMiller kaufen.
Kommende Woche Dienstag rechnen die Konzerne mit einer ersten Aussage der EU-Behörden, andere Aufseher rund um die Welt folgen.
Fast jedes dritte Bier weltweit, mit Gemeinschaftsunternehmen über 650 Millionen Hektoliter jährlich, mehr als 64 Mrd. US-Dollar (57,2 Mrd. Euro) Umsatz - das bringen die weltweite Nummer eins und zwei mit ihren Dutzenden Marken wie Budweiser, Beck‘s (AB Inbev) oder Miller und Foster‘s (SABMiller) auf die Waage. Zum Vergleich: Der deutsche Brauprimus, die Radeberger-Gruppe, kam im vergangenen Jahr auf rund 13 Millionen Hektoliter Absatz - inklusive Selters-Wasser.
AB-Inbev-Chef Carlos Brito hofft, die 71 Mrd. Pfund (92,7 Mio. Euro) schwere Übernahme bis Jahresende durchzupeitschen. Er hat den Aufsehern versprochen, dort Marken abzugeben, wo die Marktmacht zu groß würde: In Italien und den Niederlanden gehen Peroni und Grolsch für geschätzt 2,6 Mrd. Euro an den japanischen Brauer Asahi. In Osteuropa sollen Marken unter den Hammer kommen, die laut Analystenschätzungen mehr als 6 Mrd. Dollar wert sein könnten - darunter auch die tschechische Brauerei von Pilsner Urquell.
Ob das der EU-Kommission reicht, dürfte sich am Dienstag zeigen. Allerdings sehen Branchenexperten die Überschneidungen in anderen Regionen eher kritischer: In den USA verkauft SABMiller daher Anteile für 12 Mrd. Dollar. Die Zustimmung der US-Regulierer ist für Analyst Javier Gonzales Lastra von der Berenberg Bank die höchste Hürde.
Abgesehen hat es Brito auf die SABMiller-Braukessel in Afrika und anderen Schwellenländern. In den kommenden Jahren erreichen dort nicht nur viele Millionen Menschen das gesetzliche Mindestalter für den Bierkonsum - zusätzlich setzt der Brasilianer auf eine stetig wachsende, zahlungskräftige Mittelschicht. In Europa und Nordamerika indes ist der größte Durst gestillt; die Kunden greifen nun verstärkt zu Bierspezialitäten.
Auf Deutschland hat das Geschäft ohnehin vergleichsweise geringe Auswirkungen. Vor allem SABMiller ist auf dem vorrangig mittelständisch geprägten deutschen Markt kaum vertreten. Der Verband der Privaten Brauereien Deutschlands erwartet daher auch keine großen Veränderungen im harten Wettbewerb um die Handelsregale. Geschäftsführer Roland Demleitner beobachtet ohnehin „eine Rückbesinnung auf regionale Marken, bei denen der Verbraucher die Herkunft auch nachvollziehen kann“.
Aber AB-Inbev-Chef Brito gilt als harter Hund, der die Dinge auch mal durchboxt. Bestärkt wird er darin von seinem Mentor, dem brasilianischen Milliardär Jorge Paulo Lemann, Mitgründer des umtriebigen Finanzinvestors 3G aus Rio de Janeiro. Gemeinsam mit anderen kontrolliert er große Teile von AB Inbev. Nach seinem Einstieg 1989 begann der Aufstieg des brasilianischen Brauers zur heutigen Weltmacht auf dem Biermarkt, die 2008 im Coup der Anheuser-Busch-Übernahme für 52 Mrd. Dollar gipfelte.
Nach der Übernahme von Anheuser-Busch strich Brito in den USA 1.400 Arbeitsplätze und tauschte im Hauptquartier in St. Louis die obersten Führungsebenen aus. Im belgischen Leuven sind vor allem Gewerkschafter nicht nur voll des Lobes, wenn sein Name fällt. Investoren dürften das anders sehen: Brito lieferte ihnen über seine Amtszeit deutlich mehr Ertrag durch Aktienkursanstiege und Ausschüttungen als die direkte Konkurrenz.
Auch beim SABMiller-Zukauf könnten Arbeitnehmer die Zeche zahlen: Um die angestrebten Einsparungen zu erreichen, würden unter Umständen bestimmte Umbauten im Konzern nötig, hieß es bei der Vorlage des Angebots im November.
~ ISIN BE0003793107 WEB http://www.ab-inbev.com/
http://www.sabmiller.com/ ~ APA096 2016-05-20/09:17