Internationale Pressestimmen zum Absturz der Maschine der Egyptair

Kairo/Paris/Athen (APA) - Zum Absturz der Egyptair-Maschine über dem Mittelmeer berichten die Zeitungen am Freitag wie folgt:...

Kairo/Paris/Athen (APA) - Zum Absturz der Egyptair-Maschine über dem Mittelmeer berichten die Zeitungen am Freitag wie folgt:

„La Croix“ (Paris):

„Sofort mit dem Hinweis auf das Verschwinden der Maschine vom Radar hat sich die Möglichkeit eines Attentats in den Gedanken festgesetzt. Es ist wenig mehr als sechs Monate her, dass die Explosion einer Bombe an Bord eines Airbus A321 kurz nach dem Start in (der ägyptischen Stadt) Sharm el-Sheikh den Tod der 224 Passagiere verursacht hat. (...) Wir müssen nunmehr und ohne Zweifel auf lange Zeit leben mit solchen Fragen und sind konfrontiert mit solchen Risiken. Die erste Pflicht der Verantwortlichen ist es, immer weiter an der Verstärkung der Sicherheit für die Mitbürger zu arbeiten, in Frankreich eine sehr wichtige Frage wenige Wochen vor der Eröffnung der Fußballeuropameisterschaft.“

„La Repubblica“ (Rom):

„Je mehr Zeit vergeht, desto klarer wird, dass die einzige glaubhafte Hypothese, um den Absturz (...) zu erklären, die eines Attentats ist. Auch wenn es keine offizielle Bestätigung gibt, materialisiert sich eine Mauer der Angst über dem Mittelmeer, eine unsichtbare Barriere, die Europa von der arabischen Welt trennt. Wie vor 1.000 Jahren, zu den Zeiten der Kreuzzüge. Es liegt ein grauenvoller Symbolismus im Absturz eines Flugzeugs, das an der südlichsten Grenze des Kontinents im Meer untergeht. Dieses Meer, das immer Völker vereint hat - seit der Ankunft der (...) Phönizier ausgerechnet auf der Insel Karpathos, wo das Flugzeug verschwunden ist. Jetzt steht dieses Meer für eine psychologische Grenze, die sich jeden Tag weiter ausdehnt und den Traum derjenigen wahr werden lässt, die das Kalifat wollen.“

„Frankfurter Rundschau“:

„Der mutmaßliche Absturz der Egyptair-Maschine wird begleitet von der Ahnung, die Ursache zu kennen. In einer seit jeher für Risiken und Störungen anfälligen Moderne scheinen Unfall und Terror zu einem Schrecken zu verschmelzen, der eine Rückkehr in die Normalität immer stärker verbarrikadiert. Allein der Abflugort wirft die Frage auf, ob es angesichts der drohenden Terrorszenarien im Sommer eine Feier dieser Normalität in Gestalt einer Fußballeuropameisterschaft in Frankreich geben kann. Aber auch, wenn sich in den nächsten Tagen ein Terrorverdacht zum Absturz des Jets erhärten sollte, kann die Antwort nur lauten: ja. Man überwindet die Angst nicht durch Unterlassung.“

„Neue Presse“ (Hannover):

„Das fürchterliche Szenario eines feigen Terroranschlags ist seit dem Bekanntwerden der Katastrophe sehr wahrscheinlich. Weil die physikalischen Gegebenheiten, die den Airbus zum Absturz brachten, auf eine Explosion hindeuten. Weil es erneut eine Flugzeugkatastrophe im ägyptischen Luftraum wäre, die unter einem Terrorverdacht steht. Und weil Paris, wo das Flugzeug startete, seit den Attentaten auf ‚Charlie Hebdo‘ und den Ereignissen des 13. November als das Anschlagsziel in Europa gilt. Gestern beschloss das französische Parlament deswegen, den Ausnahmezustand im Land um zwei Monate zu verlängern. Die Angst vor Anschlägen - sie ist inzwischen allgegenwärtig. Das hat der Absturz von Egyptair MS804 wieder einmal auf grausame Weise verdeutlicht.“