Tirol

„Du kannst das, Schweschter“

Das Musical erzählt, wie alles begann.
© Musicalfestspiele Hartberg

Sylvia Steiger schrieb den Text für ein Musical, das „flasht“, wie die Ordensschwester aus Stams selbst sagt. Dabei hatte sie sich diese Aufgabe gar nicht zugetraut. Von einigen Hürden, noch mehr Stoßgebeten und einer Geschichte, die berührt.

Von Michaela S. Paulmichl

Stams, Innsbruck, Hartberg –Ausgerechnet ein Musical! Als sich die bekannten Festspiele Hartberg auf die Suche nach einem geeigneten Autor für ihr neues Stück „Giovanni Bosco – Live for Youth“ – machten, reagierten die angesprochenen Spezialisten auf dem Gebiet nicht sofort enthusiastisch. Nicht nur, weil die Schwestern und Brüder der österreichischen Don Bosco-Familie bereits genug zu tun haben. Viele haben sich die Aufgabe nicht zugetraut, auch Sr. Sylvia vom Kinder- und Jugendhaus in Stams hatte ihre Zweifel: „Kann ich das?“, war ihre erste Frage. Und die Antwort: „Eigentlich nein, ich hab’ das noch nie gemacht. Andere verstehen mehr davon.“ Anlässlich der Tournee von „Live for Youth“, die nächste Woche nach Innsbruck führt, erzählt sie, weshalb sie sich doch auf diese „wirklich große Sache“ einließ und wie wichtig es war, diese Chance zu ergreifen.

„Eine Mitschwester erinnerte sich, dass ich schon einmal Lieder geschrieben habe“, erzählt die junge Ordensfrau, die Jeans und eine bunt-karierte Bluse trägt statt Tracht und Schleier. Sr. Sylvia war eine der Ersten, die ihr Ordenskleid ablegten. „Wenn man eine Schwester nur daran erkennt, dann stimmt was nicht, das ist nicht genug. Außerdem ist es so bei der Arbeit mit Kindern bequemer und unkomplizierter“, sagt die Leiterin des Don Bosco-Horts in Stams. Ihre Arbeit mit Jugendlichen, mit Kindern – ein weiterer Grund, weshalb sie wohl doch von Anfang an besonders geeignet war für die unerwartete Aufgabe. Nachdem die Entscheidung gefallen war – du kannst es –, ging alles sehr schnell: „Einen Monat später sollte schon das Konzept fertig sein!“

Sr. Sylvia schrieb das Musical.
© Andreas Rottensteiner / TT

Vielleicht war das damals das erste Mal, dass Sr. Sylvia Steiger, nunmehr auch Musical-Autorin, in dieser Sache um Beistand von ganz oben bat. Bis das Stück auf der Schlossbühne im steirischen Hartberg erfolgreich vor Tausenden Zuschauern aufgeführt wurde, stieg die Zahl der Stoßgebete laufend an. Es gab einige Hindernisse zu überwinden, nach jedem Anruf von Intendant Alois Lugitsch – er schrieb die Musik zu den Liedtexten –, es habe wieder einmal einen Regisseurwechsel gegeben, folgte ein Aufruf aus Stams an die Mitschwestern: „Bitte beten!“

„Doch als ich das erste Mal in Hartberg war und vor dieser Riesen-Freiluftbühne stand, da war ich so ,geflasht‘, da hab’ ich gewusst, die Geschichte ist in den richtigen Händen. Sie haben echt was draus gemacht!“ Sr. Sylvia kennt sich aus mit der Sprache der Jugend.

Kinder, die keine Zukunft haben, brauchen Hilfe. Beherzte Menschen nehmen sich ihrer an – häufig gegen viele Widerstände. Diese Geschichte ist alt und doch immer aktuell. So war das vor rund 200 Jahren, als sich der in Turin lebende katholische Priester und spätere Ordensgründer Giovanni Bosco in Zeiten der beginnenden Industrialisierung um die Straßenkinder kümmerte, auch wenn die Kirche das damals gar nicht gern sah. Straßenkinder gibt es nach wie vor, in Österreich und auch in Tirol. Um sich besser in sie hineinversetzen zu können, sprach Sr. Sylvia mit Jugendarbeitern und schuf schließlich die Rolle des Streetworkers „P. Johannes“, des Don Bosco der heutigen Zeit, der dem Jugendlichen „Gio“ Hoffnung geben möchte. In dem Musical gibt es viele Rückblenden.

„In dir steckt mehr drin, als du denkst“, singt Bosco in seiner Doppelrolle. Eine Lieblingsszene der Autorin. „Der Text ist einfach, die Melodie sehr berührend. Es ist ein richtiges Mutmacherlied!“ Dranbleiben und an die gute Sache glauben hatte für den vor 200 Jahren geborenen Ordensgründer Gültigkeit, und letztlich auch für Sr. Sylvia – oder „Schweschter“, wie sie von den Kindern im Hort in Stams gerufen wird. Vor 23 Jahren ist sie in den Orden eingetreten: „Ich wollte mit Kindern arbeiten und in einer Gemeinschaft leben. Weil allein bringt man nicht so viel zusammen.“

Die Geschichte in dem Musical sei sehr idealistisch. „Aber das braucht’s heute, dass etwas gut ausgeht. Die positiven Botschaften sind wichtig: nicht aufgeben, Widerstände überwinden.“ Ihre ganze Freude und Überzeugung stecken darin. „Live for Youth“ wird am Freitag, 27., und Samstag, 28. Mai, um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Paulus in Innsbruck aufgeführt, Kartenvorverkauf unter Tel. 0664/939 80 15.

Und das Musical beschreibt, wie wichtig die Aufgabe ihres Ordens heute noch ist.
© Musicalfestspiele Hartberg