BP-Wahl

Wahlsonntag wird Neuland für zwei Millionen Wähler

Wer wird neuer Hausherr in der Hofburg? Der Wahlsonntag verspricht einen spannenden Abend.
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Die Bundespräsidentenwahl wird zu einem Match zwischen Land und Stadt. Bei einem knappen Wahlausgang könnten die Briefwähler entscheiden, wer Nachfolger von Heinz Fischer wird.

Von Michael Sprenger

Wien –Bis zu zwei Millionen Wähler werden am morgigen Sonntag in der Wahlzelle politisches Neuland betreten. Sie werden einem Kandidaten die Stimme geben, dessen Partei sie bei einer bundesweiten Wahl noch nie angekreuzt haben. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP schon im ersten Wahlgang klar gescheitert sind. So stehen sich nun der Ökonomieprofessor und frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen und der Dritte Nationalratspräsident und FPÖ-Ideologe Norbert Hofer in der Stichwahl gegenüber. Hofer lag im ersten Wahlgang klar vor Van der Bellen.

Dass knapp zwei Millionen Wähler morgen also erstmals einem Grünen oder Blauen die Stimme geben, ist mit ein Grund dafür, dass zum Wahlschluss keine seriöse Aussage über den Wahlausgang gemacht werden kann. Wahlforscher und Politikwissenschafter Univ. Prof. Fritz Plasser rechnet damit, dass sich die beiden Kandidaten bei einem Wähleranteil von 48 bis 52 Prozent bewegen.

SORA-Wahlforscher Christoph Hofinger, er erstellt für den ORF am Sonntag die Hochrechnung, rechnet mit einem ausgeprägten Stadt-Land-Gefälle. Das heißt, je ländlicher die Bevölkerung, desto stärker wird der Anteil der Hofer-Wähler sein. Je städtischer die Bevölkerung, desto mehr Wähler wird Van der Bellen für sich verbuchen können.

Nicht auszumachen ist für Hofinger und Plasser ein herkömmliches Ost-West-Gefälle. Aufgrund der vorliegenden Daten wird damit gerechnet, dass Van der Bellen etwa in Vorarlberg und Tirol vorne liegen kann, im Burgenland und in Kärnten hingegen Hofer.

In allen Simulationen zum Wahltag kommt dem Wahlausgang in der Hauptstadt eine Schlüsselrolle zu. „Van der Bellen kann nur dann mit einem Wahlsieg rechnen, wenn er in Wien über 60 Prozent der Stimmen erhält“, erklärt Hofinger im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Diese Meinung vertritt auch Plasser. Doch so wie Hofinger sagt auch Plasser, dass 60 Prozent und mehr in Wien noch nicht bedeuten, dass Van der Bellen Nachfolger von Heinz Fischer wird.

Überhaupt warnt Hofinger beide Kandidaten vor zu lautem Jubel. „Wir werden am Sonntag um 17 Uhr eine erste Hochrechnung mit einer Schwankungsbreite von Plus/Minus 2,5 Prozent veröffentlichen. Bei einem knappen Wahlausgang sollten die Sektkorken noch nicht knallen. Es könnte nämlich sogar sein, dass in so einem Fall erst die Briefwähler die Entscheidung bringen, und diese werden erst am Montag ausgezählt sein“, ergänzt Hofinger.