Der Konflikt um Zypern
Nikosia (APA/dpa) - Der Streit zwischen griechischen und türkischen Zyprioten reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals siedelte das Osm...
Nikosia (APA/dpa) - Der Streit zwischen griechischen und türkischen Zyprioten reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals siedelte das Osmanische Reich auf seiner Mittelmeerinsel Muslime an. Unter britischer Herrschaft nach dem Ersten Weltkrieg forderten christliche Zyperngriechen verstärkt den Anschluss der Insel an Griechenland.
In den 1950er-Jahren forderte ein Aufstand der griechischen Zyprioten gegen die britische Kolonialmacht viele Opfer. Drei Jahre nach der Unabhängigkeit kam es 1963 erneut zu Gewalt zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. In der Folge verließen viele Türken ihre Dörfer und gemischten Siedlungen und zogen sich in Enklaven zurück, die auf der ganzen Insel zerstreut waren.
1974 putschten griechische Nationalisten gegen den damaligen Präsidenten, Erzbischof Makarios III. Um einen Anschluss an Griechenland zu verhindern, landeten türkische Truppen auf der Insel und besetzten den Nordteil. Es folgten weitere Vertreibungen und die Teilung der Insel. Die 1983 proklamierte Türkische Republik Nordzypern wird nur von Ankara anerkannt.
2004 lehnten die griechischen Zyprioten in einem Referendum einen UN-Wiedervereinigungsplan ab. Kurze Zeit später wurde Zypern EU-Mitglied. Das EU-Recht gilt aber vorerst nicht für den türkischen Norden, in dem die Regierung der Republik Zypern keine Hoheitsgewalt ausübt. Die türkischen Zyprioten gelten jedoch wie ihre griechisch-zyprischen Mitbürger als EU-Bürger. Viele von ihnen haben sich einen Pass oder Ausweis der Republik Zypern besorgt und können damit visumfrei in der EU reisen. Auf den zypriotischen Euro-Münzen ist der Name Zypern sowohl auf Griechisch (Kypros) als auch auf Türkisch (Kibris) abgedruckt.
Die Insel ist gut 9250 Quadratkilometer groß - knapp zwei Prozent der Fläche entfallen auf zwei souveräne britische Stützpunkte. Im Süden leben knapp 900.000 Menschen - mehrheitlich griechische Zyprioten. Auf die Türkische Republik Nordzypern entfallen 36 Prozent der Fläche. In dem von türkischen Truppen besetzten Gebiet im Norden leben rund 300.000 Menschen. Davon sind nach Schätzungen nur 135.000 „echte“ türkische Zyprioten. Der Rest sind Siedler aus Anatolien sowie etwa 35.000 türkische Soldaten.
Gespräche zur Überwindung der Teilung laufen. Sollte es eine Einigung zur Wiedervereinigung auf politischer Ebene geben, muss sie erneut in zwei getrennten Volksabstimmungen von den zwei Volksgruppen angenommen werden. Angestrebt wird die Bildung einer Föderation mit zwei Bundesstaaten auf der drittgrößten Mittelmeerinsel.