Costa Concordia - Anwalt sprach von „Hetzkampagne“ gegen Schettino
Florenz (APA) - Beim Berufungsprozess wegen der Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia im Jahr 2012 hat die Verteidigung am Freitag ...
Florenz (APA) - Beim Berufungsprozess wegen der Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia im Jahr 2012 hat die Verteidigung am Freitag in Florenz den Freispruch des angeklagten Ex-Kapitäns Francesco Schettino gefordert. Schettinos Anwalt, Saverio Senese, klagte vor Gericht über eine beispiellose „Hetzkampagne“ gegen seinen Mandanten.
Costa Crociere, die Betreiberin des havarierten Schiffes, versuche, dass Schettino die gesamte Schuld für die Havarie mit 32 Todesopfern in die Schuhe geschoben werde. Dabei seien erhebliche Sicherheitsmängel an Bord festgestellt werden. „Schettino hat kein Geld. Wir Verteidiger haben nicht die Mitteln, über die die Anklage verfügt“, kritisierte Senese.
Dem 55-jährigen Schettino, der nach dem Unglück im Jänner 2012 fast sechs Monate unter Hausarrest verbracht hatte, werden mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierung, die Verursachung von Umweltschäden und falsche Angaben an die Behörden vorgeworfen.
Die Staatsanwaltschaft fordert für Schettino 27 Jahre und drei Monaten Haft. Der Angeklagte erschien am Freitag nicht vor Gericht, er ließ sich von seinen Anwälten vertreten. Schettino war im Februar 2015 in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Dagegen hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung eingelegt.
Die „Costa Concordia“ hatte im Jänner 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 der mehr als 4.200 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten.