Justiz und Kriminalität

Eine Million Kinderpornos am PC

Auf den Datenträgern des Unterländers entdeckten die Ermittler auch Videos, auf denen der Beschuldigte zu sehen war.
© AFP (Symbolfoto)

Ein 41-jähriger Unterländer soll zwei Kinder (sechs bzw. sieben Jahre) missbraucht und dabei gefilmt haben. Die Videos stellte er ins Internet. Jetzt sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Für die Nachbarn war er der nette Onkel. Tatsächlich soll sich hinter der unscheinbaren Fassade der vielleicht schlimmste Pädophile in der Tiroler Kriminalgeschichte verborgen haben. Im Juli muss sich der Unterländer wegen des mehrfachen Missbrauchs von zwei Kindern im Volksschulalter am Innsbrucker Landesgericht verantworten. Dass der 41-Jährige außerdem rund eine Million Kinderpornos hortete, dürfte beim Prozess angesichts der schweren Missbrauchsvorwürfe nur eine Nebenrolle spielen.

Aufgeflogen ist der Unterländer bereits im vergangenen Oktober. Bei Ermittlungen in der Kinderporno-Szene stießen Beamte des Landeskriminalamtes zunächst auf einen Konsumenten, der den Verdacht auf den 41-Jährigen lenkte: Von ihm habe er die verbotenen Dateien erhalten, gab der Zeuge an. Er beschrieb angeblich auch, wie der Deal abgelaufen war. Demnach hielten die beiden Gleichgesinnten den Kontakt über die Video-Kommunikationsplattform Skype. Beim Austausch der Kinderpornos verließen sich die Männer aber nicht aufs Internet, sondern setzten auf althergebrachte Methoden: Die illegalen Filme wechselten bei einem persönlichen Treffen in Tirol die Besitzer.

Die Aussage des Zeugen hatte Folgen: Im Oktober erhielt der Unterländer unerwarteten Besuch vom Landeskriminalamt. Die Beamten beschlagnahmten sämtliche Speichermedien, die sie in der Wohnung des Verdächtigen finden konnten. Schon bald war klar, dass der Unterländer aus dem Rahmen fiel. Wie die Analyse der Datenträger ergab, hatte der 41-Jährige die Rekordanzahl von einer Million Fotos und Filme mit einer Gesamtspielzeit von 62 Tagen gespeichert.

Darunter auch Videos, auf denen der Beschuldigte selbst zu sehen war. Und zwar mit einem Kind aus der Nachbarschaft, das er vor laufender Kamera missbrauchte. „Für die Familie war er sowas wie der nette Onkel“, sagt Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Tatsächlich dürfte der 41-Jährige das Opfer betäubt haben, um es gefügig zu machen. „Vermutlich mit einem Medikament“, so Mayr weiter. Offenbar kein Einzelfall – auch bei einem Besuch in Deutschland soll er ein Kind missbraucht haben. „Bei den Opfern handelt es sich um einen Buben und ein Mädchen im Alter von sechs bzw. sieben Jahren“, erklärt der Staatsanwalt. „Ein Kind wurde einmal, das andere über einen Zeitraum von zwei Jahren mehrfach missbraucht.“ Laut Bundeskriminalamt, das ebenfalls in die Ermittlungen involviert war, konnten dem Beschuldigten „26 sexuelle Übergriffe nachgewiesen werden“. Die angelasteten Straftaten liegen bereits einige Zeit zurück. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Beschuldigte die Videos in den Jahren 2005 und 2006 aufgenommen hat.

Der Unterländer befindet sich seit Herbst in Untersuchungshaft. Ihm drohen bei der Verhandlung im Juli bis zu zehn Jahre Haft. „Die Anklage ist bereits erhoben und mittlerweile auch rechtskräftig“, so der Staatsanwalt. Für den 41-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.

Die Nachforschungen der Polizei zogen allerdings noch weitere Kreise. Wie Beamte des Bundeskriminalamtes herausfanden, war der Tiroler auch mit mehreren Pädophilen in Deutschland vernetzt. Damit wurde der Strafakt auch ein Fall für die deutsche Polizei. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundeskriminalamt in Wiesbaden gelang es, fünf weitere Verdächtige auszuforschen. Außerdem konnten die Ermittler drei minderjährige Missbrauchsopfer identifizieren, zwei waren zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt.