Architektur-Biennale für Delugan-Meissl „Plattform der Eitelkeiten“

Wien/Venedig (APA) - Als Kommissärin für den Österreich-Pavillons auf der 15. Architektur-Biennale setzt die Architektin Elke Delugan-Meissl...

Wien/Venedig (APA) - Als Kommissärin für den Österreich-Pavillons auf der 15. Architektur-Biennale setzt die Architektin Elke Delugan-Meissl auf dezentrale Auseinandersetzung mit dem Thema Flüchtlinge. Eine Woche vor der Eröffnung der Biennale in den Giardini in Venedig (18. Mai) sprach sie mit der APA über ihre Beweggründe für die Themenwahl, die Herausforderungen für die beauftragten Teams und Nachhaltigkeit.

APA: Sie widmen sich in Ihrem Biennale-Beitrag dem Flüchtlingsthema. Als Sie bestellt wurden, war die Situation noch nicht derart dringlich. Wann haben Sie sich entschieden, sich dem Thema zu widmen?

Elke Delugan-Meissl: Da muss ich ein wenig ausholen: Das Thema Flüchtlinge war zunächst nicht mein primärer Zugang. Meine Frage lautete vielmehr: Ist die Biennale noch eine adäquate Plattform, um den Architektur-Beitrag eines Landes zu präsentieren? In einem ersten Brainstorming haben meine Büropartner und ich uns schnell entschieden, dass wir uns der Frage nach den sozialen Komponenten in der Architektur und dem Zusammenleben widmen wollen. Im Zuge dessen haben wir dann die Ko-Kuratoren von Liquid Frontiers, mit denen wir schon sehr lange zusammenarbeiten, eingeladen, dieser Fragestellung in größerem Umfang eine Recherche zu widmen. Parallel zu diesen Überlegungen ist vergangenen Sommer das Thema der flüchtenden Menschen, die durch Österreich gezogen sind, im wahrsten Sinne des Wortes auf uns zugekommen, und wir haben dies zum Anlass genommen, uns dem Thema in größerem Kontext zu widmen.

APA: Sie haben dann mit Caramel Architekten, the next ENTERprise - architects und EOOS drei Büros beauftragt. Wie kam es zu dieser Auswahl?

Delugan-Meissl: Wir haben uns unter anderem aus pragmatischen Gründen entschieden, Wiener Teams und Wiener Locations zu wählen, obwohl die Projekte auch quer über Österreich verteilt sein hätten können. Bei den Teams war mir wichtig, dass nicht nur Architekturbüros teilnehmen, daher habe ich bewusst auch ein Designteam gewählt. Grundsätzlich wurden Teams ausgesucht, von denen wir gewusst haben, dass sie ein großes soziales Engagement und eine große Passion an den Tag legen, aber noch nichts in dem Segment realisiert haben. Es gibt ja bereits sehr viele Projekte in Österreich, die sich der Frage der sozialen Integration widmen, uns war es wichtig, einen realen Prozess zu starten.

APA: Wie hat sich die Arbeit der Büros gestaltet? Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen?

Delugan-Meissl: Wir haben uns Partner gesucht, von denen wir uns gedacht haben, dass sie die notwendige Energie und Erfahrung mitbringen. Dieser Prozess ist ja auch an die Grenzen des Machbaren gegangen. Ich muss sagen, dass ich nun, da die Projekte laufen, die Architektur und die Interventionen der einzelnen Teams sehr schätze. Sie haben mich berührt und inspiriert, sie liefern wertvolle Ideen für das Zusammenleben im städtischen Kontext.

APA: Welche große Klammer verbindet die sehr unterschiedlichen Realisierungen Ihrer Vorgaben?

Delugan-Meissl: Ich habe die Interventionen für den Biennale-Beitrag immer unter dem Deckmantel einer anonymen Architektur gesehen, unter dem Oberbegriff der Intervention und des Prozesses. Es stehen natürlich unsere Teams im Fokus, weil sie sich Kraft ihrer Person eingebracht haben, aber auch der Aspekt, dass man allgemeine Prozesse zeigen möchte, die in der Architektur von statten gehen und die notwendig sind. Und wie Architekten sich diesen Fragestellungen widmen müssen und fähig sind, Synergien zu schaffen, sowie - wie ich hoffe - weiterführende Inspirationen generieren.

APA: Alle Interventionen sind längerfristig angedacht. Wie wird das mit dem begrenzten Biennale-Budget realisiert?

Delugan-Meissl: Das Budget ist limitiert, und ich habe gewisse Auflagen, die ich erbringen muss. Ich sage immer, dass wir mehrere Biennalen haben. Einmal eine in Wien - wenn man die drei Schauplätze als einen Beitrag begreift - und eine in Venedig, wo man diese Emotion mithilfe einer Ausstellungsdidaktik nochmal durchspielen muss, was eines eigenen Projekts bedarf. Zur Nachhaltigkeit: Wir haben uns bemüht, Kooperationspartner zu finden, die die Bespielbarkeit der einzelnen Immobilien kurz-, mittel- und langfristig sichern. Mit der Caritas als Partner erhoffen wir uns, dass die Interventionen weitergehen. Für die Teams gibt es auch ein Limit, sie müssen natürlich ihre Büros weiterführen. Einzelne Interventionen haben gezeigt, dass es einen Benefit gibt und sie auch an anderen Orten eingesetzt werden können.

APA: So kurz vor Beginn: Was ist von Ihrer ursprünglichen Intention, die Biennale zu hinterfragen, geblieben?

Delugan-Meissl: Ich habe mich von Beginn an gefragt, ob es nicht antiquiert ist, auf dem Gelände in den Giardini, in Pavillons, etwas zu präsentieren. Schließlich leben wir heute in einer anderen Zeit, in einer digitalen Welt. Als ich begonnen habe zu studieren, habe ich mir in Venedig Innovationen und neue Projekte angesehen. Mittlerweile ist das im Internet ebenso möglich. Inzwischen ist die Biennale zu einer Plattform der Eitelkeiten geworden, aber ich glaube, dass man die Präsenz und Internationalität nutzen kann und soll. Das war auch der Antrieb unseres Projekts: Ideen und neue Fragestellungen zu platzieren, das ist der einzige Zugang zu dem Projekt Biennale.

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)